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Nr. 599
Tageswanderung 
Uri
Karte -Webcam Andermatt
Schwierigkeit: leicht
Einkehrmöglichkeit: Andermatt, Hospental, Zumdorf, Realp
Anreise: Bahn via Göschenen nach Andermatt
Rückreise: Bahn ab Realp   -(Fahrplan)

 
 
 

 

Andermatt - Hospental - Realp

Wanderung für Natur- und Tierfreunde und Eisenbahnfans

Spannender Erlebnisbericht von Sabine I., Juni 2008 - herzlichen Dank!
Uferweg vor Realp
Anreise:
Am Freitag wollte ich endlich mal wieder in die Berge. Der Wetterbericht sah nicht so toll aus, aber für Andermatt war zumindest ab Mittag Sonnenschein versprochen. Der Höhenweg und ein Kaffee in der Albert Heim Hütte kam nicht in Frage, da ich mit meiner kaputten Hand noch immer keinen Stock benutzen kann und mir das auch sonst zu unsicher ist, es hat noch immer Schnee dort oben. Also rief ich das Tourismusbüro in Andermatt an und bekam dort den Tipp, nach Realp zu wandern. Der nette Herr am Telefon versprach auch schönes Wetter, und so entschied ich mich für diese Strecke, obwohl ich mir da eher eine langweilige Flachlandstrecke vorstellte...egal, ich wollte wandern! Kati ging es ebenso und sie sagte spontan zu, mitzukommen und so trafen wir uns am Morgen bei den riesigen Fussballern im Hauptbahnhof, neben den sicher 2 Meter grossen Füssen von Ballack  Die Jungs scheinen derzeit (Euro 08) als Treffpunkt sehr beliebt zu sein, es sassen noch einige Wandersleute mehr dort.

Die Zugfahrt war eine ziemlich trübe Angelegenheit, Nieselregen und graue Wolken liesen die Landschaft trostlos vorbeiziehen. Jedoch gefiel sie uns, je weiter wir durch Uri fuhren, sogar bei schlechtem Wetter und dies hielt bis Göschenen an. Dort stiegen wir aus und erschraken über die Kälte...so hatten wir das nicht erwartet, nass, kalt, windig, brrrrr....

Die Matterhorn Gotthard Bahn wartete gleich nebenan und wir mussten nur noch einsteigen. Die Fahrzeit beträgt 15 Minuten; gerne wären wir länger sitzen geblieben, die Strecke ist traumhaft mit der türkisfarbenen Reuss, den hellgrauen Felsbrocken, der Teufelsbrücke...wie eine Filmkulisse!

In Andermatt trieb der Wind dunkle, tiefe Wolken vor sich her und wir suchten zuerst das Tourismusbüro, um uns die Strecke erklären zu lassen und das Wetter zu reklamieren  Es befindet sich schräg gegenüber vom Bahnhof. Der nette Herr vom Telefon hat scheinbar keinen Draht zum Wettergott, aber jede Menge Ahnung von der Umgebung, gute Tipps und weiss auch, wo unterwegs Gasthäuser zum Aufwärmen stehen. Er versorgte uns mit einer kleinen Karte und weiteren Prospekten und gab den Tipp, zu Beginn durchs Dort zu laufen.

Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken! Ich kannte Andermatt nur daher, dass ich mal mit einem Kollege durchgefahren bin und war damals schon begeistert. Aber jetzt kann ich überzeugt sagen: für mich ist es das schönste Dorf, in welchem ich je gewesen bin!


2h25, aufwärts 130m, abwärts 30m
Route: Andermatt 1436m - Reussbrücke (30min) - Hospental 1452m - Zumdorf, Restaurant Bärgli 1496m (1h05) - Alp Steinbergen - Realp 1538 m (50min)

Andermatt, Bauer
            treibt die Kühe durch das DorfWahrscheinlich nicht extra für uns, aber doch genau zur richtigen Minute, erwartete uns am Ortsausgang von Andermatt eine Überraschung. Genau in dem Moment, wo wir ankamen, machte sich eine muntere Herde Rinder, geschmückt mit ihren schönsten, grössten Glocken, auf dem Weg zum Sommerquartier auf die Unteralp. Die Wolken rissen auf und der Gipfel eines Berges kam zum Vorschein... Bilderbuchschweiz. Fast schon kitschig. Da waren wir wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Die Wanderung geht nun ortsauswärts und nach wenigen Metern rechts über die Reussbrücke, hinter welcher bereits der erste der unzähligen Wegweiser steht. Der gesamte Weg ist so gut ausgeschildert und gekennzeichnet, eine Karte braucht es wirklich nicht. Unsere Strecke führt in 2 Stunden 25 Minuten über Hospental nach Realp. Nennenswerte Höhenmeter hat es keine, Andermatt liegt auf 1436m und Realp auf 1538m. Das bedeutet aber auch, dass von Beginn an unzählige Bergblumen um uns herum blühten. Mit Kati hatte ich eine Wanderkollegin, die daran auch so viel Freude hat wie ich. Gruppen laufen leider meist achtlos an der herrlichen Natur vorbei. Uns entging keine der kleinen Schönheiten am Weg und Kati kannte von vielen sogar die Namen.

Der Wanderweg führt bis Realp eigentlich an der Reuss entlang, mal direkt am Ufer, mal etwas erhöht, dann liegt die Bahnschiene dazwischen, aber verlaufen ist praktisch unmöglich. Wir bogen nur einmal falsch ab, weil wir uns an den üppigen Blumenwiesen nicht sattsehen konnten und unseren Weg links liegen liesen um den Trampelpfad rechts zu nehmen... das war jedoch keiner und sah bloss so aus. Scheinbar parkierte hier der Älpler und lief mit seinen Arbeitern in die Alp hinein zum Zäunen. Denn plötzlich standen wir in kunterbunten, kniehohen Blumen, umgeben von elektrischen Zäunen und die Spur, woher wir kamen, war auch nicht mehr zu sehen, da sich das niedergetretene Gras schon wieder aufgerichtet hat. Das war ein bisschen wie ein Natur-Irrgarten, kaum hatten wir einen Zaun überklettert, standen zwei Neue vor uns.  Zwischendurch wurde es noch etwas sumpfig und wie üblich war natürlich ich die jenige, die einsank. Aber wie schon erwähnt, verlaufen nicht möglich und mit viel Lachen und Spass erlangten wir unsere Freiheit wieder.

Einige Bauern hatten ihre Tiere schon auf den Alpen, und wir sahen noch nie so gemischte Herden, Rinder von den verschiedensten Rassen und das gleiche bei den Schafen. Da keine anderen Wanderer unterwegs und die Tiere wohl erst kurze Zeit draussen waren, wurden wir neugierig beäugt, Ziegen lächelten uns an (aber Ziegen lächeln ja immer) , ein mutiges Schäfli steckte den Kopf durch den Zaun und liess sich knuddeln. (Wieso spürte dieses den Strom nicht, wir aber schon?)

Hospental war schnell erreicht, aber ein Wirtshaus brauchten wir nicht mehr, längst schien die Sonne. Über das Gelände vom Bahnhof gelangt man zur Häderlisbrücke, hinter welcher dann auch schon der nächste Wegweiser steht.

Unser ständiger Begleiter, die Matterhorn-Gotthard-Bahn kam immer wieder vorbei, aber im Gegensatz zu lärmenden Güterzügen oder S-Bahnen, stört sie nicht, sondern passt perfekt in diese Landschaft. Lustig war, dass der Panoramazug jeweils vollbesetzt war, die andere Bahn teilweise fast leer fuhr. Dabei ist diese urgemütlich, sauber und mit kleinen Abteilen...

Nach Hospental gibt es bald eine weiter Möglichkeit, einzukehren, die wir ebenfalls ausliessen, wir bevorzugten es, in der Blumenwiese auf einer Bank sitzend mit Blick auf eine buntgemischte Schafherde zu picknicken. Aber in Zumdorf gäbe es ein Restaurant. Hierhin lärmten selbst an diesem Wochentag massenhaft Motorradfahrer. Noch etwas lärmte hier: da hat es eine kleine Fabrik, die aus Felsen Schottersteine macht. Sowas hab ich auch noch nie gesehen.

Wunderschön, idyllisch gehts weiter, der Reuss entlang, auf einem schmalen Weglein. Eine kleine Insel im türkisfarbenen Wasser leuchtete mit ihrem hellen Sand, eine Bank und Feuerstelle ist darauf, da müsste man mal im Sommer hin! Und immer wieder: viele, viele Blumen, riesige Tierherden, ganz selten mal ein Mensch, meist ein Älpler oder ein Velofahrer, so verläuft der Weg Richtung Realp. Die Berge ringsum machen Lust auf Sommer und Höhenwege, darauf freue ich mich schon mächtig. Aber diese gemütliche Flachlandwanderung ist es auch wert, wiederholt zu werden.

Kurz vor Realp führt der Weg durch ein grösserer Weiler mit Steinhäusern, die ans Tessin erinnern, die Alp Steinbergen. Ausserdem kommt man an einer interessanten Kirche vorbei, hinter welcher etwas Halbrundes aus massiven Steinen gemauert ist. Wir nahmen an, dass dies vor Lawinen schützen soll. Das Kirchlein ist übrigens offen. Die steilen Hänge auf der rechten Seite sind eindrücklich und wahrscheinlich kommen da so manche Lawinen runter?

Realp selbst ist ein verschlafenes Dörfli, wir sahen nicht einen einzigen Menschen. Der Zug zurück nach Göschenen fährt alle 2 Stunden und wir hatten Glück, er fuhr genau in dem Moment in den Bahnhof ein, als wir ankamen. Es blieb aber noch die Zeit, schnell den umfangreichen Wegweiser zu fotografieren, damit Ihr eine Idee bekommt, wieviele interessante Touren von diesem Ausgangspunkt möglich sind!

Rückreise:
Die Bahnfahrt war wieder herrlich, aus dem fahrenden Zug heraus fotografierte ich die Teufelsbrücke, mein letztes Foto von diesem schönen Tag. In Göschenen muss man umsteigen und wir liessen einen Zug aus, um noch den ausgeschilderten Dorfrundgang zu machen, der auf Tafeln über die Geschichte des Gotthardtunnel-Baus und all die Schicksale dahinter, informiert. Es blieb noch Zeit für einen Kaffee und leckeren Urner Käsesalat, leider jedoch nicht, um den Stollen beim Bahnhof besuchen.

Aber wir kommen ja ganz sicher wieder!

Blick zurück nach Andermatt

Bergfrühling im Juni

alte Bogenbrücke Hospental
Nähe Zumdorf
Matterhorn-Gotthard-Bahn

Uferweg vor Realp
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Realp
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