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Nr. 754a
Tageswanderung 
Jura, F, D   (ID mitnehmen!)
Webcam
                                Porrentruy Webcam Porrentruy
Schwierigkeit: sportlich
Einkehrmöglichkeit: Bonfol
An- und Rückreise: Bahn über Porrentruy nach Bonfol JU    (Fahrplan)
Wanderlandkarte
zur Detailkarte, gezeichnet
mit SchweizMobilPlus

 
 
Diese Wegbeschreibung stammt nicht von der Wandersite und wird ungeprüft publiziert.
  Eingesandt von Walter Brunner, Journalist BR

Der Lehrpfad Kilometer Null / Kilomètre Zéro, Grenzregion CH/F/D

Auge in Auge mit den Betonhöhlen des ersten Weltkriegs 1914 - 1918

Ein neuer Lehrpfad im Kanton Jura erschliesst den «Kilometer Null», den Anfang der Kriegsfront, die von der Schweizer Grenze bis zur Nordsee reichte. Zu sehen sind ehemalige Stellungen von drei Armeen. Der Pfad führt mehrmals über die Grenze, gute Schuhe und eine Identitätskarte sind Pflicht.

Sumpfige Wege, mit Moos überwachsene Betonstücke, Mücken – das war bis jetzt kein attraktives Wanderziel. Die Reste der ehemaligen Front des Ersten Weltkrieges bei Bonfol wurden nur von Insidern besucht. Jetzt erschliesst ein gut begehbarer Wanderweg mit einem Dutzend Informationstafeln diesen fast vergessenen Winkel der Geschichte. Der Largzipfel war im Ersten Weltkrieg berühmt, denn hier standen sich vier Jahre lang die Armeen der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs gegenüber. Hier begann die Front, die bis an die belgische Küste reichte. Hier liegt der «Kilometer Null». Während des Krieges zog es das Publikum aus beiden Basel und Bern in Scharen in diese Region. Der Largzipfel – die Franzosen reden vom «Entenschnabel» – ist ein Stück Wald, das von Bonfol aus zwei Kilometer weit ins Elsass hinausragt, bis zum Flüsschen Larg, das damals die Kriegsparteien trennte.

Infotafel
                  Lehrpfad Kilometer Null, von Walter Brunner
Legende zum Rundweg


3h15, auf- und abwärts je 160 m
Route: Bonfol 432m - Punkt 471m - Punkt 473m - Elsass (F) - Villa Agathe - Badeweiher - Largbrücke 404m (D) - Grenzstein Nr. 111 (Kilometer Null) - Larghof 418m - Largzipfel - Bonfol 432m

Von Bonfol zum Start des Rundwegs
Vom Bahnhof in Bonfol aus in Fahrtrichtung der Eisenbahn weitergehen und nach rechts abbiegen auf die "Route de Courtavon". Nach eineinhalb Kilometern wird die Strasse in einer Rechtskurve von einer Waldstrasse gekreuzt. Hier (Punkt 471) links der Waldstrasse Le Fahy folgen, etwa einen Kilometer alles geradeaus. Die Waldstrasse kreuzt die Autostrasse (Punkt 473) nach Pfetterhouse und führt in Richtung Larghof. Diese Strasse heisst in Frankreich D 41. Rund 300 Meter nach der Strassenquerung stösst man auf den Parkplatz mit der Infotafel über den Lehrpfad zum «Kilometer Null».

Der Rundweg
Wegweiser
            Zéro 0, bild Walter BrunnerVon der Infotafel aus folgt man dem Rundweg im Uhrzeigersinn. Der Pfad ist gekennzeichnet mit kleinen weissen Pfeilen mit der dreieckigen Aufschrift «1914-1918, Circuit du km 0»; im Dreieck ist der Grenzstein mit dem Berner Bären abgebildet, der den Kilometer Null markiert. Schon nach 150 Meter biegt der Weg scharf nach rechts – eventuell ohne den kleinen weissen Wegweiser. Nach ein paar Schritten ist man im Elsass und wandert auf einer Waldstrasse, die eine lange, auffallend gleichmässige Linkskurve beschreibt: Sie entspricht dem Trassee der Eisenbahn, die einst Bonfol und Pfetterhouse verbunden hat (Position 14 auf der Rundweg-Karte).

Die Brücke am Altmühlenweg führte einst über die Eisenbahn, sie wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört (Position 15). Im Wald liegen noch zerfetzte Teile der Konstruktion. Die zweite Eisenbrücke steht noch (Güterholz, Position 16). Hier würde es geradeaus auf der Waldstrasse zum Parkplatz in Pfetterhouse gehen, einem weiteren Ausgangspunkt des Rundwegs. Aber der Rundweg biegt hier ab und führt über die Brücke in den Wald hinein. Es folgt ein oft sumpfiges Stück Weg, das zum Glück bald aus dem Wald herauskommt. Es geht geradeaus über offenes Feld, dann weist ein weisser Pfeil nach rechts wieder zurück zum Waldrand.


Am Waldrand kündigt ein Wanderwegweiser die Villa Agathe an; der Weg führt von hier zu diesem Betonwerk, dann wieder zu dieser Stelle zurück. Die Villa Agathe ist der erste betonierte und erhalten gebliebene französische Unterstand der Westfront (Position 17 auf der Rundweg-Karte). Er kann betreten werden. Von hier aus reichte die Front durch den Sundgau, über die Vogesen und bis nach Ostende an der Nordsee. Die «Villa» wurde erst kurz vor Kriegsende gebaut und enthielt zwei Maschinengewehrstellungen sowie einen Raum mit einer Lücke im Dach, durch die man Gewehrgranaten verschiessen konnte.

Nun geht’s zurück zum Waldrand. Der Weg führt leicht abwärts, vorbei an einem schönen Badeweiher, dann einen halben Kilometer weit auf gewundenen Pfaden über die zerfallenen französischen Stellungen (Position 18). Man erreicht die Strasse D 24, die Pfetterhouse mit Moos verbindet und bei Punkt 404 über das Largflüsschen führt. Bei der Largbrücke befindet sich ein Parkplatz und eine weitere Infotafel – man kann den Rundweg auch von hier aus beginnen. Der Übergang über die Larg war 1914-1918 von den Deutschen besonders stark gesichert worden. Im Unterschied zu den Franzosen hatten sie Beton verwendet, deshalb finden sich hier noch viele Spuren der einstigen deutschen Front.

Von der Infotafel aus geht der Rundweg über die Largbrücke und am Wasserreservoir vorbei. Hier finden sich der Gedenkstein «Erinnerung in Freundschaft und Frieden» mit der Jahreszahl 1944 und die ersten deutschen Anlagen. Sie sind stark verfallen, aber doch noch gut zu sehen und informativ beschriftet (Positionen 1 und 2). Der Weg geht in den Wald hinein, führt aufwärts an einer betonierten Sperrstellung vorbei (Position 3), über die Strasse D 24 auf eine Waldstrasse, die nach rechts führt, parallel zur Larg flussaufwärts, bis zum Larghof. Unterwegs sind kleine Exkurse nach links und rechts möglich, doch sie sind noch nicht überall ausgebaut und beschildert.

Wenige Meter nach dem Queren der Strasse D 24 ist eine solche Exkursion nach rechts beschildert. Sie führt zu mehreren Stellungen, die nahe am Wasser liegen und freigelegt wurden. Eine ist mit frischem Beton wieder instand gestellt (Positionen 4 und 5 auf der Rundweg-Karte). Zurück auf dem Weg geht’s immer geradeaus in Richtung Schweizer Grenze. Die Positionen 6, 7 und 8 sind nicht leicht zu finden. Hoffentlich werden sie noch freigelegt und beschildert. Man muss genug Zeit einplanen oder auf einige Exkursionen verzichten, auf dem Weg bleiben und die Schmetterlinge geniessen, die Ruhe, die Waldluft. Das einstige Kriegsgebiet ist heute ein Ort der Stille.

Der Weg wird immer sumpfiger. Lohn der Mühe ist das Ende der deutschen Westfront respektive deren Anfang. Gut erhalten sind eine Maschinengewehrstellung ohne Dach und ein starker Betonunterstand, der von einem Baum gesprengt worden ist (Position 9). Ein starkes symbolisches Bild. Daneben befindet sich ein tief eingesunkener Unterstand. Der Weg führt nun über eine schöne, im Sommer 2013 erbaute Holzbrücke über die Larg zurück in die Schweiz. Wunderschön der Ausblick über das Ried zum Larghof. Man ahnt, wie exponiert und abgeschieden dieser Zipfel während des Krieges war.

Auf Schweizer Boden wandert man wenige Meter zum Grenzstein Nr. 111, dem offiziellen «Kilometer Null» der Westfront (Position 11). Auf der Schweizer Seite des Steins prangt immer noch ein rot nachgezogener Berner Bär. Im Largzipfel stand die Schweizer Armee während des Krieges Wache, auf Hörweite mit den deutschen und französischen Soldaten. Unter anderem verstärkten hölzerne Beobachtungsposten die Stellung. Eines dieser Blockhäuser ist 2012 nachgebaut worden und ist innen frei begehbar (Position 12).  Ein paar Schritte weiter steht der Grenzstein 111a (Position 13 auf der Rundweg-Karte). Junge Elsässer sind im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle in die Schweiz geflüchtet, weil sie nicht in Hitlers Armee kämpfen wollten.

Beim Larghof führt eine Waldstrasse durch den Largzipfel in Richtung Bonfol und damit zurück zum Ausgangspunkt des dieser Beschreibung. Von der Infotafel aus kann man nun zurück zum Bahnhof Bonfol wandern.
Infotafel Kilometer Null, Bild Walter Brunner
Infotafel
Getreidefeld;
                  Bild Walter Brunner
Blick ins Elsass
Kriegsunterstand; Deutscher Vorposten. Bild
                  Walter Brunner
Deutscher Vorposten
Kilometer Null,
                  Grenzstein 111, Bild Walter Brunner
Grenzstein 111 Kilometer Null
Larghof; Bild Walter
                  Brunner
Larghof
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