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Bericht von "unserer" Tour Wildhorn

Manfred Schlatter hat 2005 mit seiner Tochter die Tour Wildhorn unternommen und dabei tagebuchartige Notizen aufgezeichnet, die er nun (ohne Fotos) interessierten Wanderern zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank!
Die Etappen in Zahlen
Neu: Wanderführer "Rund um das Wildhorn und den Wildstrubel", Ott Verlag, bei Amazon.de


9. Oktober 2005 - Manfred Schlatter, regina.und.manfred@t-online.de
 

Vorgeschichte

Vorgeschichte, dieses Mal nur in einem Teil: Schon bald nach unserer Mont-Blanc-Tour überlegten wir uns, dass wir mal wieder wandern gehen wollen. Nur hat es letztlich zwei Jahre gedauert, bis wir auf unseren heißen Sohlen über alle Berge gewandert sind. Schon im letzten Jahr redeten wir - aber es blieb dabei. Dann sagte Saskia in diesem Jahr, dass es nun endlich mal wieder losgehen muss. Also habe ich mir das Heft mit den 22 Walliser Wanderungen vorgenommen und oft darin geblättert.

Wir sind natürlich sehr ehrgeizig und außerdem ziemlich abenteuerlustig und nachdem wir den Mont Blanc bis auf das Gewitter am Ende so gut umrundet hatten, konnten wir uns das durchaus auch eine Stufe heftiger vorstellen und Saskia und ich redeten über große Höhen und weite Runden. Nach der Drei-Sterne-Mont-Blanc-Tour fassten wir also zunächst die Vier-Sterne-Touren ins Auge („für sehr guter Wanderer“) und da kristallisierte sich bald die Monte-Rosa-Tour als geeignet heraus. Wir hätten daraus also bestimmt eine 10-Tage-Version gemacht und wären auf 3.301 m Höhe gekommen – eine richtige Herausforderung!

Je näher jedoch die Sommerferien kamen und wir uns langsam entscheiden mussten, fanden wir heraus, dass wir wohl keine 10 Tage finden werden, an denen wir uns beide ohne große Mühen frei machen könnten. Ich sann also zu Beginn der Ferien auf andere Möglichkeiten und sah mir das Heftchen nochmals an. Ja, es waren auch kürzere Vier-Sterne-Wege dabei und so kam ich auf die Wildhorn-Tour. Sie war nach meinem Entwurf vom 22. Juni bestimmt in fünf Tagen mit An- und Rückreise zu schaffen, sie hatte auch 4 Sterne und sie ging wenigstens bis auf nahezu 2.900 m Höhe. Vom Wildhorn selbst hatten wir aber nicht die geringste Ahnung.

Wir machten ewig rum, vor allem ich ersetzte eine Excel-Tabelle durch die nächste und irgendwann entschlossen wir uns dann auch, die Wildhorn-Tour tatsächlich zu machen und irgendwann legten wir dann auch das Datum fest. Leider fiel der gewünschte Abreisetag auf Marinas Geburtstag, so dass wir noch um einen Tag verschoben. In den letzten Augusttagen ging ich dann noch etwas intensiver in die Planung, schaute mir vergeblich in der Stadtbücherei verschiedene Wanderführer für die Alpen an, denn ich wollte noch mehr Information. Dann blätterte ich noch kräftig im Internet und kam der ganze Sache langsam immer näher. Schließlich lieh ich mir noch ein Buch aus und mit allem zusammen bekam ich ein immer klareres Bild von dieser Gegend um das wilde Horn! Im Gegensatz zur Literatur wollte ich in Lenk beginnen, weil das am besten mit dem Auto zu erreichen ist und man nicht durch sinnlose Fahrerei einen Haufen Zeit verliert. Schließlich erfuhr ich noch im Verkehrsamt von Lenk, dass man bis zur Iffigenalp alle Stunde mit einem Bus fahren kann und als ich dann noch auf der Iffigenalp anrief, erfuhr ich endlich, dass man da auch mit dem Auto hochfahren kann! Damit war die Sache gegessen! Bei den Leuten am Telefon hatte ich auch gefragt, in welcher Richtung man denn die Tour machen soll, aber keiner hat mir ernsthaft etwas Vernünftiges geraten. So entschied ich mich letztendlich, die Richtung des „Rother Wanderführers“ zu wählen, also anders herum als in dem Wallis-Heftchen, damit wir wenigstens die dort wiedergegebene, wenn auch sehr dürftige Beschreibung ohne umzudenken verwenden können.

Mit dieser Vorarbeit begann ich zu telefonieren und spätestens am 2. September waren alle Übernachtungen bis auf eine klar und der letzte Hüttenwirt rief dann auch noch am späten Abend zurück, dass unser letztes Bett reserviert sei. Dadurch, dass wir nicht auf einen Bus und seine Fahrzeiten angewiesen waren, konnte ich die An- und Rückreise auf den ersten und letzten Wandertag legen und so plante ich für nur vier Tage:

Es geht los...

Die Vorbereitungen waren schnell erledigt. Die übliche Ausrüstung zum Wandern war da und ich musste nur noch etwas haltbaren Proviant besorgen, Müsliriegel und andere Dinge, von denen ich annahm, dass wir sie einige Tage mit uns herumschleppen, ohne sie wirklich zu brauchen. Aufgrund der bisherigen Informationen und aufgrund der erkennbaren Situationen auf der Karte nahm ich an, dass wir es unterwegs wohl schwer haben dürften, Lebensmittel zu besorgen und so sorgte ich gleich für die ganzen Tage vor und nahm außer den Vespern für unterwegs und den ersten Tag auch noch gleich einen großen Laib Brot mit. Wie sich später herausstellen sollte, hätten die Riegel auch noch für fast zwei weitere Tage gereicht - aber ich dachte, es gibt nichts schlimmeres, als hoch oben auf einem Berg zu stehen und nicht mehr weiter zu können, weil der Brennstoff in den Zellen fehlt! Das Brot haben wir jedoch gut brauchen können. Eigentlich hätte der Rucksack etwas leichter sein müssen, als auf der Mont-Blanc-Tour, weil wir etwas weniger Kleidung für den Abend mit hatten, aber er war wieder genau so schwer, wieder fast 15 kg. Weil an mehreren Stellen stand, dass der Weg schlecht markiert sei und an manchen Stellen kaum zu finden, hatte ich Angst, mich in den hohen Bergen zu verlieren und daher hatte ich die Wanderkarte in lauter kleinen Portionen gescannt und in hoher Vergrößerung ausgedruckt, so dass wir fast 1:5.000-Karten dabei hatten und ich einigermaßen sicher war, dass ich den Weg auch ohne Brille nach der Karte finden müsste - gut, dass er doch sehr gut markiert war, denn es gab ein paar Ecken, da wäre ich bestimmt in die Irre gegangen.

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Sonntag, 4. Sptember 2005: Iffigenalp - Geltenhütte

Nach den nötigen Telefonaten an Marinas Geburtstag ging ich früh genug ins Bett, um für den ersten großen Tag gerüstet zu sein. Am anderen Morgen stand ich dann nach Plan sehr früh auf und erledigte nach dem ausgiebigen Frühstück die letzten Handgriffe, die dann doch ein paar Minuten länger dauerten, z. B. bis alle Brote geschmiert waren...., so dass ich mit einer Viertelsunde Verspätung in St. Georgen ankam, um Saskia abzuholen. Sie saß dann auch schon mit Susanne ungeduldig auf dem Sofa, fertig für die große Exkursion.

Nach kurzem Abschied waren wir bald im Mooswald auf dem Zubringer nach Freiburg-Süd. Saskia hatte sich wohl vorgenommen, wie auf der Fahrt mit uns beiden nach Les Houches, noch eine Runde zu pennen, aber sie kam nicht richtig dazu. Ich hatte noch eine CD mit Oldies „Good morning, Vietnam“ laufen, aber das hätte sie wohl weniger gestört, als meine gelegentlichen Bemerkungen. In Basel war sie auch noch oder wieder wach und ich wollte ihr noch den sekundenlangen Blick auf die Stadt und das Münster zeigen, was dann aber ins Wasser fiel, weil ich wegen des Verkehrs in diesem Augenblick gerade abgelenkt war. Dann wollte ich ihr noch den Berg über dem Bölchen-Tunnel zeigen, über den wir vor Jahren zu viert drüber gewandert sind, auf dem Weg nach Olten, aber genau in diesem Moment, wo man einen Blick auf den Berg hat, ist sie wohl doch eingeduselt. Kurz danach war sie dann wieder wach und so konnte ich ihr wenigstens sagen, dass da drüben Olten liegt. Dann ging es die etwas ermüdende Strecke nach Bern hinüber, wo Saskia gerade wieder wach war und ich ihr das Paul-Klee-Zentrum zeigen konnte, für das sie zwar im Juli im Waldhof ein Ständchen gegeben hatte, aber gesehen hat sie ja noch nicht, was mich zu dem Vortrag veranlasst hatte.

Das Wetter war bisher vor allem durch eine dicke Suppe zu beschreiben gewesen, aber langsam zog sich die Wolkensuppe etwas nach oben zurück und wir konnten schon die ersten Blicke auf die Berge werfen. Bei Thun wurde es recht hell und auf der Anfahrt nach Lenk wurde es dann richtig schön. Hinter Bern bat ich Saskia, sich der Karte anzunehmen und mir genau zu sagen, welche Ausfahrt ich ins Simmental nehmen muss. Nach ein paar Minuten einlesen hat sie das ganz hervorragend gemacht, ganz wie ich es früher auch von Susanne gewöhnt war - Saskia schlägt eben doch nach ihr, in fast allen Einzelheiten. Nach der Ausfahrt blieb sie auf der Karte und hat genau, Dorf für Dorf mitverfolgt, wo wir gerade waren und sie hat das so gut gemacht, dass ich sie jederzeit als „Navigationssystem“ wieder mitnehmen würde. Ja, es ging erst mal von Dorf zu Dorf an diesem frühen Sonntagmorgen. Trotzdem gab es einiges an Verkehr und wir waren nicht alleine auf der Straße. Wir vermuteten, dass die Leute wohl schon unterwegs in die Kirche waren, aber vielleicht auch auf dem Weg in die Berge, wie wir!

Nach einem Stopp an einer Baustellenampel waren wir dann doch irgendwann an der Abzweigung nach Lenk und wir fuhren direkt nach Süden. Ich schaute mir die Strecke auch noch in der Aussicht auf evtl. kommende Wünsche zum Skifahren in der Schweiz an. Denn hier hinten kann man das tun und das Skigebiet Hasliberg liegt auch nicht sehr weit von hier. Ab und zu gibt es ein paar Steigungen, die im Sommer unauffällig, im Winter aber vielleicht sogar unangenehm werden könnten, aber es müsste eigentlich zu schaffen sein, auch im Winter dieses Gebiet sicher zu erreichen. Gegen 9 Uhr liefen wir in Lenk ein. Ich hatte mir einigermaßen gemerkt, in welcher Ecke des doch sehr großen Dorfes es zur Iffigenalp gehen müsste und mit dieser Vorbreitung habe ich dann auch keine Hinweisschilder übersehen und wir fanden den Einstieg in die Bergstraße ohne Probleme. Nun waren wir gespannt, wann die Regelung kommen wird, die mir die Wirtin der Iffigenalp am Telefon durchgegeben hatte: „Immer Viertel nach können Sie zu uns herauffahren.“ Dann standen wir vor dem Schild, das uns diese Regelung vermittelte - und weil dies wahrscheinlich keiner so richtig versteht, habe ich das Schild fotografiert, in dem genau zu sehen ist, wie die Bergfahrt tatsächlich nur für eine Viertelstunde freigegeben wird. Wir hatten noch Zeit, um ein Brot zu essen. Zunächst war es noch eine normale Straße und einige Autos fuhren auch schon vorher los, aber nach wenigen Kilometern waren diese Einheimischen zu Hause und die Straße wurde steiler und so schmal, dass wir die strikte Einbahnregelung nachvollziehen konnten. Da wollte ich auch keinem Bus begegnen. Es ging sehr imposant am Iffigfall hinauf und dann in das breite Tal hinein und plötzlich sahen wir, dass es hier zu Ende war und hier die Iffigenalp sein muss. Die Wirtin hatte mir noch am Telefon gesagt, ich solle auf den beiden unteren Parkplätzen parken, denn der obere gehöre zum Hotel. An diesem herrlichen Sonntag war aber so viel los, dass die beiden unteren Parklätze bereits hoffnungslos überfüllt waren. Nur durch ein wenig drängeln und keinen anderen vorlassen gelang es mir, noch ein Plätzchen zu ergattern (natürlich auf dem Hotelparkplatz), von dem ich annehmen konnte, dass wir hier das Auto doch für die 4 Tage stehen lassen konnten. Das hintere Stück der Bergstraße mit dem Iffigfall und dem ersten Teil der Wanderung sieht man auf dem ersten Kartenausschnitt.

Wir stiegen also aus, warfen alles, was wir unterwegs nicht gebrauchen konnten in den Kofferraum und zogen uns die Wanderschuhe an, die für die nächsten Tage der wichtigste Teil unserer Ausrüstung sein sollten. Saskia ging noch mal zum Klo in die Iffigenalp und ich machte das Auto fertig. Wir sattelten uns die Rucksäcke auf den Rücken und marschierten los. So eine niedrige Höhe über dem Meer sollten wir erst wieder hier am Auto sehen und spüren! Ich glaube, an dieser Stelle waren wir richtig wild darauf (wie das Horn!), endlich wieder in den Bergen zu sein und alles außer ein paar Fußgängern hinter uns zu lassen. Ich glaube, wer das nicht schon ein paar Mal erlebt hat, kann das gar nicht richtig verstehen. Wenn wir da oben in den Bergen herumlaufen, ist uns die restliche Welt so ziemlich egal und wir sind nur mit uns und mit den Bergen alleine und wir wissen, wie weit alles andere weg ist. Hier vergisst man sogar, dass nach ein paar Tagen alles wieder vorbei und beim Alten ist - nur der Augenblick zählt; hier mehr als irgendwo anders.

Wir verließen also die Iffigenalp und wandten uns dem langen grünen Tal zu, jetzt bemerke ich erst, dass uns hier, wenige Minuten vor 10 Uhr, gerade erst beim Loswandern, schon Leute entgegen kommen. Das fiel mir damals gar nicht auf! Glücklicherweise hatte ich in diesem Moment völlig vergessen, mich zu informieren, wo wir nach den 4 Tagen wieder herunterkommen müssten, denn wenn ich die Wand gesehen hätte, die wir dann tatsächlich abstiegen, hätte ich dies wohl kaum für möglich gehalten - und wer weiß: vielleicht noch einen Rückzieher gemacht??!! Saskia wanderte gleich auf der Grasnarbe neben dem Weg, weil es doch viel angenehmer ist und wir dachten uns an dieser Stelle schon, dass wir wohl bis zu dem Pass im Hintergrund hinaufsteigen müssten, den man neben den steilen Felsen schon gut erkennen kann - und so war es dann auch. Nur 10 Minuten später mussten wir die erste interessante Brücke überqueren, aber in der Entfernung zu dem Pass im Hintergrund kann man erkennen, das wir noch nicht sehr weit gekommen waren.

Das änderte sich dann aber sehr schnell. Wir hatten hier die erste Serpentinenstrecke hinter uns und wanderten schon auf einer Wiese, die nach rechts und links abfällt – doch dieser Effekt sollte später ja noch heftiger werden; hier machte es uns wirklich nichts aus. Dann überwanden wir den Pass und nach einem kurzen Stück zwischen den Felsen tauchte schon Viertel nach 11 Uhr der Iffigsee vor uns auf. Aus der Höhenangabe von Buch und Karte wussten wir, welche Leistung wir nun schon hinter uns gebracht hatten und bei diesem schönen Anblick beschlossen wir auch gleich, eine Rast bei dem großen Felsen links unten einzulegen. Saskia wusste nicht, ob sie lieber in die Sonne oder in den Schatten wollte und so legte sie fest, dass wir an der Schattengrenze rasten, denn dann können wir es uns aussuchen, sagte sie.

Laut Uhr waren wir hier wohl um die 20 Minuten und ruhten uns von dem ersten und für heute heftigsten Aufstieg aus; bis hier waren wir recht schnell gewesen. Dann knipste ich noch den Blick zur Wildhornhütte, die man ganz in der Ferne im Geröll liegen sieht. Saskia stieg fleißig immer weiter hinauf. Oben auf dem Pass zog es wie Hechtsuppe und wir beschlossen, unseren Hunger erst ein Stück weiter unten zu stillen, wo es nicht mehr so stark windet. Den Platz fanden wir dann bald bei den großen Steinen, aber Saskia band sich dann doch den Pullover um den Kopf; weil sie irgendwie Angst um ihre Ohren hatte. Seit dem See waren wir nun wieder über eine Stunde gestiegen und insgesamt hatten wir schon mehr als 3 Stunden hinter uns – also konnten wir uns ein dickes Stück Käse und einen Happen Brot schon mal gönnen.

Wir dachten, dass wir nun den Tag weitgehend gemeistert hätten und machten uns auf, das steinige, aber doch von spärlichen, letzten Wiesen gesäumte Hochtal hinunter zu gehen. Es war hier total easy und wir wanderten frohgemut als könne uns kein Wässerchen trüben. Es handelt sich um das kurze Stück zwischen den Punkten „2344“ und „2317“ auf dem zweiten Kartenausschnitt. Genau bei dem zuletzt genannten Punkt kamen wir schon eine halbe Stunde nach unserer letzten Rast an einen Wegweiser - und wir wissen aus der Geschichte von Tiger und Bär auf ihrer Reise nach Panama, wie wichtig Wegweiser sind. Es war sowohl auf der Karte als auch in den eigenen Augen deutlich, dass es in alle Richtungen abwärts ging - außer in der, aus der wir kamen und in die das Foto zurück blickt . Auf einem der Wegweiserschilder stand auch noch „sehr gefährlicher Abstieg“ oder so etwas ähnliches, aber ich dachte eigentlich, dass es die andere Richtung ist, nicht unsere. Saskia machte gleich nach dem Wegweiser ein Bild in die Richtung, in die wir zu gehen hatten, nämlich nicht zum Tungelpass nach Norden, sondern gerade aus und hier sieht alles noch ganz harmlos aus.

Wir kamen bald auf eine ziemlich schräg nach rechts abfallende Wiese, in der der Weg von den vielen Wanderern ein klein wenig eingeschnitten war. Zunächst fand ich es noch ganz lustig und ein wenig mit dem Geschmack nach Abenteuer, weil wir irgendwohin nach rechts unten wie aus dem Flugzeug hinunter sehen konnten und vom Flugzeug aus hat man ja auch normalerweise keine wirkliche Angst, weil die Tiefe nicht richtig real, sondern eher irreal weit entfernt ist. So fing also dieser Abstieg an und dann wurde es in beide Richtungen immer steiler: nach rechts und nach vorne. Zwischendurch mussten wir direkt nach rechts unten absteigen und da sah es ziemlich steil aus, direkt wie der Weg in eine grüne Hölle und ich finde, es ist deutlich zu sehen, dass die Horizontlinie, die etwa durch die Mitte von Saskia hindurchgeht, die Grenze der Wiese ist und ab hier fehlt sie dann eben. Saskia machte auf dem Weg nach vorne zuerst ein Foto von mir, als ich vorausging und wir uns noch ziemlich im Geröll aufhielten und dann machte ich ein Stück weiter unten ein ähnliches Foto von ihr, als sie mich inzwischen überholt hatte und wir schon in einem Bereich waren, wo sich das Gras wieder festhalten konnte.

Mehr und mehr setzte sich in meinem Kopf der Gedanke fest, dass es rechts nur ein Stück schräge Wiese gibt und dann in dieser Richtung gar nichts mehr bzw. erst wieder ein großes Stockwerk weiter unten!!! Und nun fand ich es nicht mehr ganz so lustig und ich begann, meine Schritte noch vorsichtiger zu setzen und sagte Saskia, dass sie das bitte auch tun solle, weil ich ihr nicht sagen könne, was rechts unten, außerhalb unserer Sichtweite wohl so alles los sei. Gleichzeitig war es natürlich auch interessant und ich blieb ab und zu stehen, um den Blick vom Weg und den Stellen, auf die ich meinen Fuß zu setzen gedachte, wegwenden zu können und einen Blick nach unten zu werfen. Es ist dieses Bewusstsein, da ist etwas besonderes, gewaltiges und es ist ziemlich wichtig und du bist mitten drin; es ist wohl dieser kleine Adrenalinschub, den die Extremsportler usw. suchen.

Ganz alleine waren wir nicht auf diesem Weg und irgendwann gewahrte ich einen sich bewegenden Schatten in den Augenwinkeln. Ich blieb stehen und sah mich um, als eine Frau, vielleicht in meinem Alter und mit leichtem Tagesrucksack sich anschickte, uns zu überholen. Von wegen vorsichtig den Fuß aufsetzen: Ich würde sage, sie rannte den Berg hinunter, zumindest einen leichten Laufschritt hatte sie drauf, gut die doppelte Geschwindigkeit von uns - wie kann man seinem Auftreten so weit vertrauen und hoffen, nie auszurutschen, auf irgendwelchen Steinchen oder so?? Auf jeden Fall traten wir zur Seite und mit einen „Grüezi“ rauschte sie in einer Staubwolke vorbei und wir waren wieder alleine. Dann machte ich noch ein Foto zurück, weil ich sah, dass wir den Blick nach hinten gleich nicht mehr haben würden. Kurz darauf ging es so nahe an die Kante, dass ich nicht mehr ans Fotografieren dachte, sondern nur noch schnell an dieser bedenklichen Stelle vorbei wollte. Rechts war also die Kante und vorne hörte die Wiese auch auf und Saskia fragte, ob wir etwa hier hinunter sollten. Ich sagte ihr, dass das nichts besonderes wäre und dass ich vom Altmann hinunter auch auf dem Hosenboden abgestiegen war, als fünftes Bein sozusagen (zwei Beine, zwei Hände und eine breite Stütze, um sich zwischendurch sicher fühlen zu können) und dass einer der nächsten Abstiege hinter dem Altmann nur mit Drahtseilen abzusteigen war und die gab es hier noch nicht - also konnte es nicht wirklich gefährlich sein!

Als wir die wenigen Meter hinunter gegangen waren und ich mich wieder unbesiegbar fühlte, knipste ich die Stelle nach hinten. Dort wo sich die weiße Wolke und der Berg treffen, gingen wir bis zur Kante und stiegen dann in den Schatten hinunter ab; ein Wanderzeichen für die Aufsteiger in Gegenrichtung ist auch sehr gut zu sehen, denn es könnte ja sein, dass jemand nicht glauben will, dass er da hinauf soll. Nun war es nicht mehr schwierig und wir gingen vergnügt brabbelnd und plaudernd ins nächste Tal hinein. Eine französisch sprechende Familie mit zwei Kindern kam uns entgegen und ich machte ein weiteres Foto zurück, wo man diese Leute sieht und auch noch mal die Felskante, wo wir heruntergekommen waren. Es wird noch weitere aus allen möglichen Entfernungen geben und ich nenne diese Stelle daher ab jetzt den „Abstieg 1“, damit ich immer gleich darauf zu sprechen kommen kann. Seit dem Wegweiser war bis hierher eine Dreiviertelstunde vergangen und es war nun fast 15.30 Uhr. Wir wandten uns weiter dem Tal zu und stiegen über die Wiesen hinab. Der grüne runde Rücken ist schon zum Greifen nahe, während er vorhin auf Saskias Foto noch wie aus der Vogelperspektive erscheint und man dort auch noch alle die Berge dahinter sehen konnte.

Drei Minuten später machte ich wieder ein Bild zurück zu unserem Abstieg 1 und weitere 20 Minuten später waren wir dann links unterhalb der Steinmäuerchen und überquerten den kleinen Bach zwischen den Punkten „1899“ und „1786“ auf dem 3. Kartenausschnitt. Wir kamen dann zu den Häusern am Punkt „1786“ und waren seit dem Wegweiser also über 500 m abgestiegen – es sieht eigentlich auf der Karte ganz manierlich aus, aber die Zahlen sagen ja auch einiges über das Gelände aus. Normalerweise wollte ich eigentlich weiter hinunter zum Lauenensee und dort übernachten, aber dort gab es laut Telefonaten keine Möglichkeit, so dass wir uns nun nach Süden wenden mussten, um zur Geltenhütte zu kommen, die auf diesem Kartenausschnitt gerade unterhalb der Karte liegt. Deshalb habe ich für diesen Teil des Weges einen Extra-Ausschnitt gemacht. Wir hätten also „nur“ noch mal 400 m absteigen müssen, bis zum Lauenensee - statt dessen mussten wir jetzt noch 300 m auf- und dann wieder 100 m absteigen, was ich eigentlich gar nicht wollte: mir wäre es lieber gewesen, wenn wir die 200 m Höhenunterschied einfach so leicht schräg hinaufgehen hätten müssen. Aber das wussten wir ja noch gar nicht. Bei den Häusern sagte ich zu Saskia: „Jetzt müssen wir nur noch den grünen Hügel hinauf, dort oben um die Ecke und da müsste dann schon bald die Geltenhütte liegen.“

Wir gingen also zum grünen Hügel, als ich hinter mir wieder etwas sah oder vermutete. Ich drehte mich um und sah die Schafe auf uns zu bzw. hinter uns her kommen, die zuvor vor den mehreren Familien mit Kindern geflohen waren, als wir diese bei den Häusern getroffen und ihren Weg gekreuzt hatten. Ich machte dieses Bild also weniger wegen den Häusern oder dem Ort der Bachüberquerung als wegen den Schafen, die da hinter uns die gleiche Richtung einschlugen und dann machte ich Saskia darauf aufmerksam. Die vier hatten wohl Spaß aneinander gefunden, denn sie begrüßten sich aufs heftigste und wir wären bestimmt noch eine Weile bei ihnen geblieben, aber wir mussten weiter - die Schafe dann auch und so trennten wir uns wieder.

Inzwischen war es schon 16 Uhr vorbei und wir wollten ja spätestens um 17 Uhr im ersten Haus sein, denn es hatte sich bei unserer Mont-Blanc-Tour erwiesen, dass dies eine sehr gute Ankunftszeit ist, weil man dann noch in Ruhe duschen kann, sich noch ein wenig erholen und dann zum Abendessen schreitet. Ich machte noch ein Foto nach Lauenen hinunter, auf dem man links zwischen den Bäumen auch schon den Lauenensee hervorzwinkern sieht und dann, um die nächste „Ecke“ traute ich meinen Augen nicht, denn vor uns führte eine Metalltreppe an einer Felswand hinauf und ich wusste sofort: da müssen wir hoch! Nun, das holte uns noch nicht gleich vom Hocker, denn es gab ja ein stabiles Geländer und die ganzen Familien, die uns entgegen kamen, hatten diese Hürde ja wohl auch bestens überstanden.

Wir ließen auf der Geröllhalde alle Leute vorbei, die zum Abend wieder ins Tal hinunter mussten und ihren Sonntagsnachmittagsausflug beendet hatten, und Saskia machte sich als erste an den Aufstieg. Es ist zwar zu sehen, dass die Treppe recht sicher im Fels verankert ist, aber unten, vor dem Einstieg und oben, nach dem Ausstieg, sieht es nicht ganz ungefährlich aus und man darf der Schwerkraft nicht nachgeben, denn es geht hier mehrere hundert Meter abwärts - man kann es bei dem Blick rechts im Bild nach unten leicht erahnen! Wir gingen dann weiter, aber ich lehnte mich sozusagen immer etwas nach links, dem Hang entgegen, denn wir konnten es zwar nicht richtig sehen, aber wir gingen wohl so ziemlich den steilen Fels entlang.

Wenn jemand nicht auf der Geltenhütte übernachten will, dann kann er sich den schwierigen Weg auch sparen und tatsächlich nach Lauenen hinunter gehen, denn von der Strecke her bleibt es sich fast gleich und man erspart sich den mächtigen Höhenunterschied zwischen der Geltenhütte und dem Lauenensee, an dem man am nächsten Tag ohnehin vorbei muss. Also: nicht kürzer, aber wahrscheinlich weniger beschwerlich: vom Chüetungel (Punkt „1786“ auf der Karte) nicht zur Geltenhütte, sondern nach Lauenen, dort übernachten und dann irgendwie den Berg hinauf in Richtung Wispile. Allerdings ist das nicht richtig „zünftig“, denn man ist so etwas außerhalb der Route und fast wider in der Zivilisation, was man auf dieser Tour eigentlich nicht will.
Wenn man den vierten Kartenausschnitt etwas genauer anschaut, dann sieht man zwischen dem Punkt „1786“ und dem Wort „Follhore“ die vielen eingezeichneten Felsen und da gingen wir gerade durch. Fast noch in den Felsen fanden wir eine schöne Bank etwas oberhalb des Weges und hier rasteten wir noch mal, weil die Bank so einladend war. Direkt gegenüber sahen wir auf eine Alm (Punkt „1770“ auf der Karte), wo wir den Kühen zusahen und uns Gedanken über die Steilheit der Berge machten und was die Leute wohl antreibt, hier zu wohnen oder ihre Kühe wohnen zu lassen. In der Gegend der „Usseri Gelten“ wurde es dann wieder etwas gemütlicher, vom relativ steilen Aufstieg abgesehen. Doch dann waren wir doch schnell da und Saskia, etwas voraus, machte das Begrüßungsfoto), wie wir das Geltenhaus von oben erreichten und nicht etwa bequem von schräg unten, wie ich es mir gedacht hatte. Durch das Tal nach rechts hinten im Bild führt wohl auch ein wenig gekennzeichneter Wanderweg für die ganz harten direkt über die hohen Berge.

Dann kam die übliche Zeremonie: Anmelden, Schuhe aus, Zimmer beziehen, duschen, Betten richten, Gepäck sortieren und verstauen und dann ausruhen. Das machten wir zunächst noch draußen, in der „Gartenwirtschaft“, direkt unter unserem Zimmer. Doch hier wurde es mit Blick in die letzten Sonnenstrahlen am Wasserfall, um 19.15 Uhr und auf 2002 m Höhe schnell kalt und wirt mussten rein (es gab zu dieser Zeit am Abend noch recht viel Wasser, weil die Sonne den ganzen Tag auf die Gletscher am Wildhorn geschienen hatte, aber am anderen Morgen, als das Eis über Nacht wieder gefroren war, hatte er fast kein Wasser mehr). Das Essen war recht gut, aber ich weiß nicht mehr, was es war. Die Frau des Hauses, die Hüttenwirtin, machte einen strengen, aber nicht unfreundlichen Eindruck. Nach dem Essen blieben wir noch ein wenig sitzen, aber am Ende dieses ersten Tages waren wir müde wie ein Hund nach der Jagd und wir gingen sehr früh in unsere Betten..

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Montag, 5. September 2005: Geltenhütte - Laueensee - Wispile - Gsteig - Sanetschsee

Mit den Sonnenstrahlen aufgestanden – vielleicht waren die auch schon eine Weile vor uns wach - und zum Frühstück und dann die Rucksäcke gepackt. Was man der Karte auch nicht ansieht: wie tierisch es von der Geltenhütte aus ins Tal hinabgeht, immerhin von 2002 bis auf die 1380 m direkt am See. Ich machte beim Abschied noch ein Foto des Hauses, und dann sahen wir es nicht mehr. Auf der Karte ist nördlich der Geltenhütte in Blau das Wort „Geltenschuss“ eingezeichnet und zwar mit einem kleinen Pfeil links unterhalb des „G“. Das ist ein großer Wasserfall und wir kamen ebenfalls aus diesem Tal oberhalb des Falls und stiegen irgendwie rechts die Felsen hinab und zwar kamen wir schließlich ganz rechts aus dem Tal mit den Büschen um den kleinen Berg herum, auf dem ein paar Bäume stehen, und gingen nach rechts bei dem Stein mit dem Wanderzeichen.

Zunächst ging es fast eben weiter, wahrscheinlich zwischen „Feisseberg“ und „Untere“ auf der Karte, denn der Bach ist noch links vom Weg  Rechts kommt gerade die Sonne raus und liegt mit ihren Strahlen schon auf den Bergspitzen, kann aber noch nicht ins Tal hineingreifen. Links, unterhalb der tiefsten Stelle des Horizonts, ist gerade noch das obere Ende des Wasserfalls zu sehen.

Noch weiter unten kommen wir an einem kleinen Wasserfall vorbei, wo wir genau an der Stelle, wo das Wasser am schmalsten ist, den Kopf einer Echse erkannt haben. Es war wieder so ein Weg, bei dem man glaubt, man würde bis hinab in die Hölle steigen, weil der Weg bergab überhaupt nicht aufhört und immer wenn man denkt, nun ist man aber schon sehr tief unten, dann kommt noch mal eine Kante und es geht wieder weiter bergab. Ich erinnerte mich an den Abstieg mit Susanne aus dem St.-Victoire-Massiv nach Signes hinunter, wo ich diesen Eindruck zum ersten Mal so deutlich spürte. Später hatte ich das wieder mit Regina von der Kleinen Scheidegg nach Grindelwald hinab oder auf der Wanderung in der Auvergne zu den Pferden. Auf der jetzigen Wanderung war es noch mal extrem am letzten Tag vom Rawilpass bis zum Auto!

Doch dann waren wir endlich um Viertel nach 11 am Lauenensee, der heute Vormittag sehr freundlich aussah. Gerne hätten wir hier schon eine ruhige Rast gemacht, wie auf dem Foto aus dem Wanderbuch (Lauenensee), aber wir hatten noch gar nicht das Bedürfnis nach Pause und das Gefühl, noch nichts geleistet zu haben. Wenn man nur absteigt, spürt man das zwar irgendwann in den Beinen, aber als richtige Leistung wie ein Aufstieg empfindet man es nicht.

Direkt vor dem See biegt man nach links auf einen schönen, bequemen, breiten Fahrweg ab und steigt nun langsam die Wiesen hinauf. Eigentlich, finden wir, müsste man nicht den Umweg über „Sodersegg“ und „Brandsberg“ machen, sondern könnte direkt vom See auf der Karte nach links die ausgedehnten Wiesen hinauf zur Walliser Wispile steigen - aber da ist kein Weg angelegt und ein wenig steil war es dort schon. Also gingen wir den breiten Weg, meist nicht hintereinander, sondern nebeneinander und wir konnten uns sogar die ganze Zeit unterhalten, denn es war nicht so steil, dass uns der Atem ausgehen wollte. Etwas weiter oben, wohl kurz vor „Sodersegg“ und eine gute halbe Stunde später, machte ich noch ein Foto von Saskia und dann ging es links steil die Wiese hinauf und es wurde wieder etwas anstrengender. Auf diesem Weg drehte ich mich noch mal nach dem See um, denn ich vermutete, dass wir ihn bald nicht mehr sehen sollten; das muss kurz vor dem Punkt „1701“ gewesen sein.

Nun ging es am Brandsberg eine Weile eben weiter und hier begegneten uns sogar ein paar Wanderer, als wir bemerkten, dass wir jetzt, um halb Eins, großen Hunger hatten. Genau an der richtigen Stelle fanden wir eine sehr schöne Bank mit Ausblick und sofort ließen wir uns nieder und packten unseren Käse aus. Nach dieser sehr schönen Rast bereiteten wir uns darauf vor, weiter so schön am Hang entlang zu gehen, als wir etwas weiter vorne an eine große Wegkreuzung kamen, wo es in mehrere Richtungen abging, wie ich in Erinnerung habe. Tatsächlich sind links von Brandberg nur zwei Richtungen eingezeichnet, nämlich die zur Chrinne und die nach Süden in Richtung Wispile. Die letztere mussten wir natürlich nehmen und hier ging es natürlich wieder steil den Berg hoch. Der Weg, sofern man davon reden kann, war eher ein Trampelpfad für Kühe und führte durch matschige Löcher und über Wurzeln auf den nächsten Berg. Dieser zeichnete sich dadurch aus, dass es rechts und links abwärts ging, wenn auch nicht sehr weit und die Abhänge waren auch mit vielen Bäumen bestanden und Zäune gab es überdies.

Auf dieser Strecke, zwischen den Bäumen hindurch und als diese wieder verschwanden, machte ich noch drei Fotos zurück, um zu dokumentieren, von wo wir gekommen bzw. wo wir überall gewandert waren. Auf dem ersten Foto ist unten gerade noch der Lauenensee zu erkennen und etwas rechts darüber die Ebene mit den Häusern, wo wir gestern den Schafen begegnet waren. Links neben der Ebene mit den Häusern sieht man einen Berg im Mittelgrund, der eine nach links vorne abfallende Felswand hat, die im Schatten liegt und genau über diesem Berg befindet sich am Horizont ein kleiner Pass: Von diesem kamen wir gestern, hier war die Rast, bei der sich Saskia den Kopf verband und in dieser Gegend ist auch der erwähnte Wegweiser, bevor wir in den „Abstieg 1“ hinuntergingen. Rechts neben dem Berg im Mittelgrund ist eine Geröllhalde zu erkennen und dort finden sich drei Schatten, die fast halbkreisförmig nach links unten zeigen. Genau neben dem linken dieser drei Schatten befindet sich der „Abstieg 1“. Auf dem zweiten Foto, sehen wir links die Ebene mit den Häusern und den drei Schafen und rechts daneben den mehrfach erwähnten grünen Hügel. Rechts neben diesem Hügel liegt ein kleines Berglein mit Bäumen drauf und genau dort, wo dieses Berglein am höchsten ist, ist die Treppe in den Fels. Dort sind wir dann in der Felswand nach rechts gewandert und kurz bevor der Blick ins Tal hinein verschwindet, liegt eine kleine, fast dreieckige Wiese, bei der die Bank liegen muss, auf der wir noch mal rasteten und auf die Alm gegenüber geblickt haben. Immer weiter in dieses Tal hinein ist dann die Geltenhütte zu finden. Auf dem dritten Foto mit fast demselben Ausschnitt wie auf dem ersten dieser Reihe ist wieder vor allem die Gegend unseres „Abstiegs 1“ im Mittelpunkt und der Lauenensee liegt von hier aus hinter den Bäumen und ist nur zu erahnen. Einen ziemlich gleichen Ausschnitt zeigt das Wanderbuch bei der Beschreibung einer Wanderung von Lauenen über die Wispile nach Gsteig.

Nach dem Weg durch den Wald mit dem Bild mit Saskia von hinten ging es kurz bergab und dann landeten wir auf der „Hinderen Wispile“ und Saskia kommt gut erholt von dem nur kurzen Aufstieg über den Kuhpfad von links aus dem Wald auf die Wiese heraus (M2387). Hier gibt es eine Reihe von Häusern und die Höhe ist in der Karte mit 1866 m angegeben. Auch von hier könnte man ins Tal hinabsteigen, aber unser Weg führte weiter nach Süden, zwischen den Wörtern „Walliser“ und „Wispile“ hindurch. Leider ging es auch hier schon wieder über 100 m den Berg hinauf - dafür hatten wir einen schönen Ausblick zurück auf die Häuser und den Wald, aus dem wir kamen (M2389). Auf der anderen Seite hatten wir einen schönen Blick ins Tal (M2390); rechts unten, nicht zu sehen, hinter der Wiese mit dem Häuschen, liegt Gsteig und der Pass, auf den die Straße zu führt, ist der Col du Pillon, über den Susanne und ich schon vor mehr als 20 Jahren mal mit dem schwarzen Mini nach Südfrankreich gefahren waren. Dahinter ist es nicht mehr weit nach Martigny und zum Genfer See und da hätten wir dann auch schon wieder die Tour von vor zwei Jahren getroffen. Auf dem nächsten Foto (M2391), mit einem ähnlichen Ausschnitt, liegen unten schon die Häuser der „Vorderen Wispile“. Hier mussten wir jetzt sehr steil einfach der Falllinie nach den Berg hinunter, auf einem Fahrweg, der ganz bestimmt nur im Sommer zur Hinderen Wispile hinauf führt. Die Vordere... ist schon wieder 250 m tiefer als der Gipfel, über den wir gerade kommen, aber das war noch nicht alles. Langsam, in großen Kehren ging es einen Fahrweg hinab und ich machte noch ein Foto (M2392) zurück, zu dem Berg, über den wir wahrscheinlich hinauf gewandert sind („Kuhpfad“, aber vielleicht liegt der auch noch ein wenig dahinter). Direkt bei den Häusern, die alle einen ziemlich guten Eindruck machten, fast so, als ob hier reichere Leute ihre Sommerfrische hätten oder vielleicht sogar fast so, als ob hier das ganze Jahr über Leute wohnen würden, lag eine sehr einladender Rastplatz (M2393), den wir gleich benutzen mussten. Allerdings war er eingezäunt - nicht etwa, damit keine Wanderer hineinkommen, sondern hier in der Schweiz in den Bergen ist es andersherum: hier laufen die Kühe frei herum und die Plätze, wo sie nicht hin sollen, sind eingezäunt und nicht wie bei uns, wo die Tiere hinter den Zäunen grasen.

Auft der Wanderkarte sieht man den weiteren Weg: Von der Vorderen Wispile geht es hinab bis zunächst auf 1511 m nach Burg und dann direkt nach Süden bis zum Punkt 1478.

Doch bevor wir ganz da unten ankamen, konnten wir schon nach links um den Berg herum in das Tal schauen, in welches wir wandern wollten. Tal ist gut - denn in Richtung Süden ist es ziemlich kurz und hört dann vor einem ziemlich steilen Abschluss auf, den ich zum ersten Mal auf Foto M2394 geknipst habe und direkt über dem Hinterteil der Kuh kann man einen Strommasten und ein kleines Haus erkennen. Wir vermuteten, dass wir da hin müssen; ob es das Haus sein wird, in dem wir übernachten wollten, konnten wir natürlich noch nicht sagen, aber viele der Berg“hütten“ liegen dermaßen exponiert. Ein wenig später machte ich dieses Bild noch mal, weil ich nun besser in das Tal hinein sehen konnte und nun sieht man auch etwas mehr von der Geröllhalde, über die wir dieses Haus zu erreichen gedachten. Ich ging auf dem bequemen Weg den Berg hinunter auch mal voraus und hielt Saskia fest (M2395), wie sie hinter mir her kam, inzwischen etwas durstig wegen der Süßigkeiten, die wir in dem eingezäunten Areal zu uns genommen hatten. Fast am tiefsten Punkt dieser Reise bzw. kurz oberhalb des Punktes „1511“, wo wir auch mal wieder Menschen trafen (mit Auto oder Traktor), fanden wir einen Bergbach, dem wir zutrauten, dass er sauber genug für uns war, denn außer der Vorderen Wispile lag keine menschliche Ansiedlung darüber und wahrscheinlich kam das meiste Wasser auch vom Chlys Hüri (siehe 6. Kartenausschnitt). Also machten wir schon wieder Halt und füllten unsere Flaschen für den bevorstehenden Aufstieg (M2397), nicht ohne gleich noch einen kräftigen Schluck zu nehmen, denn so frisch und kühl, wie das Wasser hier war, ist es aus der Flasche nicht mehr - wenn auch fast.

Inzwischen war es halb Vier geworden und nach den paar Minuten von „1511“ nach „1478“ schalteten wir wieder in den Berggang und stiegen zuerst zwischen großen Felsbrocken sanft hinauf (M2398; ich glaube, das Foto ist nach hinten aufgenommen). Hier unten war es auch, wo wir das Schild fanden: „Vorsicht! Steinschlaggefahr für ca. 45 Minuten! Gruppen bitte verteilt gehen, nicht direkt hintereinander!“ Saskia hatte zunächst Bedenken und fragte sich, was es wohl damit auf sich haben wollte, dass Gruppen nicht direkt beieinander gehen sollten – ob es wohl dem Los überlassen bleiben sollte, wer getroffen wird? Ich erklärte ihr, dass es im Zweifelsfall besser ist, wenn nur einer erschlagen wird und die anderen können dann leichter die Reste entsorgen bzw. die erforderlichen Maßnahmen treffen und dass es für die Schweizer viel mehr Arbeit bedeutet, gleich eine ganze Gruppe erschlagener Bergsteiger wegräumen zu müssen. Doch dann war es halb so schlimm und wir bemerkten überhaupt nichts, was uns die Gefahr eines Bergrutsches oder auch nur von Steinschlag wahrscheinlich erscheinen ließ. Schon ein Stockwerk weiter oben ist der Standpunkt des folgenden Fotos (M2399), auf dem man hinten die kleine Ortschaft Burg sieht, mit dem Fahrweg, der von der Vorderen Wispile herunter kommt und dort ist auch die Stelle, wo Saskia am Bergbach steht und trinkt, und rechts unten ist etwa der Punkt „1478“, von wo wir heraufkommen. Noch mal ein gehöriges Stück weiter oben, wahrscheinlich etwa von da, wo auf dem 6. Kartenausschnitt die Stelle „Gaasgge“ steht, ist das nächste Bild (M2400). Hinten sieht man wieder Burg und den Weg zur Vorderen Wispile, und direkt unten die Schleifen, die wir schon aufgestiegen sind. Inzwischen war es bereits kurz vor 17 Uhr und wir waren noch gut drauf, wie fast immer, wenn am Ende des Aufstiegs direkt die nächste Etappe zu erwarten ist.

Wir orientierten uns nun hauptsächlich nach oben, wo wir ja auch schließlich hin wollten. Mein folgendes Foto M2401 zeigt ein großes Stück des Weges, der rechts aus dem Bild geht, bei den beiden Steinen wieder herein kommt und auf das schwarze Loch zuführt, das rechts am Bildrand zu erkennen ist. Von da sieht man ihn wieder nach links bis zum Bildrand ansteigen, dann geht er irgendwie am linken Bildrand nach oben bis auf den grünen Hügel vor den Felsen, auf diesem nach rechts und auf dem „Grünstreifen“ zwischen den oberen und den unteren Felsen nach rechts aus dem Bild hinaus. Wie groß die ganze Szenerie ist, kann man ein wenig ermessen, wenn man das folgende Foto M2402 damit vergleicht, denn hier habe ich das eben erwähnte schwarze Loch noch mal mit dem Tele aufgenommen, aber nun steht als Größenvergleich Saskia in den Felsen und überlegt, ob sie auf mich warten soll oder schon mal oben das Abendessen bestellen. Ich war an dieser Stelle nicht besonders schlapp oder müde oder so, aber ich wusste, es kann nicht mehr lange dauern und was soll ich mich auf diesem letzten Stück des Tages noch abhetzen? Wir hatten genügend Reserve. Die mit dem vorletzten Foto beschriebene Schleife über den grünen Hügel finden wir auf der Karte links von dem Punkt „2002“, wo der Weg etwas nach oben, dann nach rechts und wieder nach unten geht. Hier überqueren wir auch die gestrichelt eingezeichnete Grenze zwischen der deutschen und der französischen Schweiz, die nach rechts oben zum Spitzhorn führt, d. h. wir kommen nun ins Wallis und müssen ab sofort die Sprache umstellen.

Hier, in den Felsen, macht Saskia noch ein Foto nach oben (S13) und zeigt den ziemlich unbezwingbaren Abschluss des Tales; unser Weg geht ganz links oben über die Felsen und ihr folgendes Foto (S14), auch von hier, blickt zurück in das Tal aus dem wir kommen. Mein Bild (M2403) von einer Stelle, an der wir weitgehend schon wieder eben gehen können, beweist noch einmal, was ich eben von Saskias vorletztem Bild gesagt habe, nämlich „unbezwingbares Ende des Tals“ - aus der Nähe betrachtet wird klar, dass wir da nicht hinauf gestiegen wären. Bevor wir ganz oben ankamen, meinte Saskia noch, ich solle noch das eine oder andere Bild von dem eben bezwungenen Aufstieg zurück machen und ihn dokumentieren. Auf Bild M2404 sieht man sowohl die ganz nahe unter uns liegenden Kehren, immerhin so steil, dass man den Berg nicht gerade hoch gehen wollte, auch wenn dies auf den Fotos immer viel harmloser als in der Wirklichkeit aussieht, und im Mittelgrund sieht man die längeren Zickzack-Schleifen des unteren Geröllfeldes. Von dem linken, längeren Teil aus habe ich auch die Teleaufnahme von Saskia neben dem schwarzen Loch gemacht. Dieser Aufstieg ist so interessant, dass er auch im Wanderbuch bei der Beschreibung der Strecke von Gsteig auf den Col du Sanetsch abgebildet ist. Das letzte Bild zurück in die deutsche Schweiz (M2405) zeigt ganz unten noch einmal das Tal in Richtung Gstaad, der Ort müsste Gsteig sein. Unten in der Schneise sind noch einige Kehren unseres Aufstiegs zu erkennen.

Dann endlich kommen wir über die Kante und sind auf der Hochfläche des Lac du Sénin oder des Sanetschsees - von unserem Hotel ist noch nichts zu sehen, denn erst müssen wir noch über einen mindestens 5 m hohen, grünen, runden Berg, finden als erstes eine Kapelle (M2406) mit einer blassen Maria im Hintergrund und einer ziemlich bunten vorne rechts, und dann endlich, um halb Sechs, liegt das Anwesen vor uns, wie es Saskia sofort von dieser Stelle aus festgehalten hat (S15), auf der Karte im roten Kreis. Hier hatten wir übrigens, der Zahl der Tage nach, die Hälfte der Wanderung hinter uns. Damit endlich Schluss damit ist, macht Saskia hier auch noch gleich ihr letztes Foto, denn der Film ist voll und einen weiteren hat sie nicht dabei (S16). Es zeigt den Blick vom Hotel auf die Strecke des nächsten Tages: Links am See entlang bis auf den Col du Sanetsch, etwa dort, wo die Wolke aus dem Boden zu kommen scheint, und von dort aus links hinauf, immer am Horizont entlang aus dem Bild hinaus!

Doch soweit waren wir noch lange nicht: Erst war wieder duschen dran - ach ja, hier war die Dusche ja ganz besonders: unbehandeltes Gletscherwasser, vor allem die Temperatur betreffend!!! Also insofern haben die erreicht, dass uns diese Übernachtung gut in Erinnerung bleiben wird. Wir richteten uns gleich rechts neben der Tür ein und es scheint um 18.30 Uhr bereits nach dem Duschen zu sein, denn wir haben unsere Betten bzw. die Pfosten davor schon mit unseren Handtüchern dekoriert (M2407). Während wir noch am Rumpacken waren, kamen noch zwei andere Wanderer, ein junges Paar, die wir zünftig mit „Bon jour!“ begrüßten und sie zünftig zurück. Während ich also da in meinem Gepäck kruschtelte, hörte ich sie sagen „S’isch egal, wo mer na gehn...“, worauf ich mich gleich einmischte und sagte „...dann können wir uns auch auf Deutsch unterhalten.“ Nach einer Weile fand ich, dass sich die Sprache irgendwie ein wenig wie unsere eigene anhörte und ich fragte, wo sie denn herkämen, worauf sie antworteten, aus der Nähe von Freiburg - na ja, wir ja auch und bei genauerem Studium der heimischen Karte im Kopf erweisen sich die beiden als Münstertäler, die gerade mit dem Auto angekommen waren. Sie hatten beschlossen, die Tour von hier aus in Gegenrichtung zu machen und hatten alles noch vor sich. Auf dem Foto M2408 sieht man einen Teil vom Rest des Schlafraumes und einen Teil des Gepäcks der Münstertäler. Ich machte dann noch ein Foto von der schönsten Ecke der Schlafräume, immer von unserem Zimmer weg den Gang entlang und links an der Dusche vorbei - aber hier durften wir wohl nicht schlafen, hier blieb es diese Nacht leer. Dann gingen wir gegen 19 Uhr langsam zum Essen, machten aber vorher noch eine kleine Runde vor dem Hotel und ich konnte es mir nicht verkneifen, dabei noch Saskia mit einem früheren Wanderer der Wildhorn-Tour zu fotografieren (M2410), der es wohl nicht überlebt hat und hier seinen Kopf lassen musste. Als wir in die Gaststube kamen, saßen die Münstertäler schon da und luden uns ein, uns an ihren Tisch zu setzen. Es war natürlich vor allem für die beiden ein Gewinn, denn wir konnten ihnen schon von der Hälfte des Weges berichten. Aber auch für uns war es interessant, zu erfahren, wie die anderen auf diese Tour gekommen sind, wie sie es sich mit der Anreise usw. gedacht hatten und wie sie ausgerüstet sind - alles in allem brauchten wir den Vergleich nicht zu scheuen, zumindest nicht mit den beiden, die etwa genauso viel Erfahrung von einigen wenigen Touren hatten, wie wir beide. Das Essen war nicht schlecht, ich glaube, ich hatte Wild, wie die Münstertäler auch, und Saskia hatte, wenn ich mich recht erinnere, eine Komposition mit Pilzen und auch ihres schmeckte gut. Obwohl man hier alles mit dem Auto anfahren kann, im Gegensatz zu den ganz abgelegenen Hütten, war es die teuerste Übernachtung, denn die Leute hier waren ein wenig exaltiert und am Ende des Essens mussten wir noch umziehen, in einen Nebenraum, um noch etwas zu trinken, denn sie wollten den Speisesaal schon für den nächsten Tag fertig machen.

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Dienstag, 6. September 2005: Sanetschsee - Col des Audannes - Cabane des Audannes

Nach der Uhrzeit des ersten Fotos dieses Tages waren wir wohl sehr spät dran, denn es ist mit 9.55 Uhr in der Datei festgehalten. Das Frühstück zusammen mit den Münstertälern, denn wir schliefen ja in einem Schlafzimmer und konnten uns gut abstimmen, war für uns in einem seitlichen Verschlag vorgerichtet und es war noch kein Personal im Haus - denen ist es wohl am frühen Morgen zu kalt hier oben. Auch in unserem Frühstücksraum war es nicht richtig warm, obwohl wir nach einigem Suchen, die versprochene Heizung doch noch fanden und anstellten. Das Frühstück war etwas französisch dürftig, aber es war genug Brot da und weil wir unterwegs auf dieser Tour nicht einkaufen konnten, steckte ich den Rest noch ein, ein wenig Käse dazu.

Dann ging es also wohl gegen 10 Uhr los - wahrscheinlich hatte ich keine Eile, an den Aufstieg zu kommen, der uns erwartete, denn erstens waren es einige hundert Meter, die es hinauf ging und zweitens sah man der Karte an (dort, wo „Arête de l’Arpille“ steht), dass es bei diesem Weg extrem rechts und links abwärts gehen würde, wir also auf einem Grat gehen, was ich überhaupt nicht mag. Zunächst nahm ich noch mal von hier aus den Grat auf (M2412); entweder wusste ich nicht mehr, dass es Saskia schon am Abend gemacht hatte oder ich traute der Sache nicht und wollte es unbedingt auch noch festhalten. Dann gingen wir die 13 m bis zum See hinunter und an diesem links entlang, den Weg auf der Karte, der hier rechts des Sees ganz nahe beim Wasser eingetragen ist und zu dem Punkt „2041“ führt. Von hier aus blickten wir noch mal zurück und verabschieden unser Hotel (M2413). Links im Bild der Strommast mit dem Haus, das wir schon von unten gesehen hatten, weiter rechts, wo die Berge anfangen, das Hotel und noch weiter rechts, bei der Straße, der Parkplatz, wo auch die Münstertäler ihr Auto stehen hatten. Am Ende des Sees bogen wir auf den Weg ab, der zum Chalet de l’Infloria führt und kamen dort auf die Straße. Auf ihr stiegen wir weiter an bis zum Punkt „2112“ und da Saskia, glaube ich, irgendetwas mit ihren Schuhen zu machen hatte, ging ich voraus und knipste sie, als sie hinter mir herkam (M2414). Allerdings muss es immer noch kalt gewesen sein, denn sie hat die Hände in den Pulloverärmeln. Ich selbst hatte ja an diesem Tag erstmals die lange Hose an und an dieser Stelle auch noch die Regenjacke gegen den Wind. Auf der Straße sahen wir auch das eine oder andere Auto, eines mit irgendwelchen jungen Frauen, die wir am Abend vorher schon im Hotel als Küchenhilfe o. ä. gesehen hatten.

Nun wurde es wieder steiler und wir kreuzten ein paar Mal die Straße, die hier einige Kehren macht und so landeten wir etwa um 11.30 Uhr am Col du Sanetsch auf 2252 m. Wir machten hier keine Rast, sondern überquerten zum letzten Mal die Straße und stiegen zunächst über sanfte Hügel mit Kühen gemächlich dem Grat entgegen. Ein letzter Blick, bevor es nach rechts oben geht, auf den See und den Ort unserer vergangenen Nachtruhe sei uns erlaubt (M2415). Jetzt hilft gar nichts mehr, denn wir müssen heute Abend wieder unser nächstes Bett erreichen - also hinauf. Hier, am Anfang des Grats, mache ich noch Fotos und schon ziemlich bald ist Saskia weit über mir (M2416). Ich mache absichtlich langsam hier, denn einerseits will ich vermeiden, dass mir zu schnell die Puste ausgeht und zum anderen will ich diese unangenehme Strecke ruhig und mit Bedacht hinter mich bringen. Mit Saskia konnte ich nicht mehr reden, sie war zu weit voraus. Man sieht auf dem Bild, dass rechts teilweise noch Gras wächst und man bestimmt bremsen könnte, würde man hier hinab rutschen aber links sind einige Stellen zu sehen, an denen ich den Eindruck hatte, dass hier die „Arschbremse“ nichts mehr nützen und man ziemlich weit abfahren würde. Natürlich ist man auf einer solchen Strecke auch noch durch den schweren Rucksack gehandicapt. Zudem gab es einen strengen Wind von rechts, der uns immer wieder etwas nach rechts hängen ließ, damit wir etwas Sicherheit hatten und nicht nach links hinunter geblasen werden. Auf dem Bild ist noch der ganze Rest der Gratwanderung zu sehen: Gegen den Himmel zeichnen sich drei rundliche Spitzen ab - über sie alle werden wir in der nächsten Stunde noch wandern! Von hier oben fotografiere ich auch noch auf die andere Seite, der Straße entlang, die letztlich nach Sion ins Rhônetal hinunter führt (M2417). Noch ein Stück weiter oben, aber immer noch deutlich unterhalb der drei rundlichen Spitzen mache ich ein weiteres Foto nach vorne oben (M2418) - wahrscheinlich, weil ich an dieser Stelle Saskia bewunderte, wie sie unbeirrt Schritt für Schritt die steilsten Stellen hinter sich bringt. An dieser Stelle habe ich mich wohl auch getraut, im Stehen zu fotografieren und man soll sich beim Betrachten der Fotos nicht täuschen lassen: Es ist in der Realität viel, viel steiler als man hier vermutet!! Wenn man das Bild zumindest auf dem Bildschirm genau betrachtet, sieht man, dass es zuerst links am Hang entlang geht und auf dem ersten Hügel im Vordergrund unterhalb des Tals zwischen den beiden rechten rundlichen Spitzen steht ein Stab mit dem Wanderzeichen; wahrscheinlich ist dies der Punk „2510“ auf der Wanderkarte (8. Kartenausschnitt in Vergrößerung des siebten). Hier halte auch ich noch mal an und mache, so viel ich weiß, aus Sicherheitsgründen im Sitzen, meine beiden letzen Fotos dieser Etappe – danach habe ich mich nicht mehr getraut, meine richtigen Augen vom Weg ab- und durch den Foto hindurch zu lenken. Ich will noch einschieben, dass ich hier die trockensten Lippen seit langem hatte; zum einen wohl, weil der Weg wirklich anstrengend war und es teilweise wieder mal so steil hinauf ging, dass ich Angst hatte, die Reibung der Schuhsohlen würde nicht mehr ausreichen und ich würde demnächst einfach der Steilheit wegen nach hinten abrutschen und zum anderen wohl vor Angst oder so etwas ähnlichem, bei dem Bewusstsein, dass es hier überall abwärts geht, außer nach vorne oben. Das eine der Fotos (M2429) zeigt in Wanderrichtung gesehen nach links vorne, wahrscheinlich in Richtung Schafhorn, das auf der Karte rechts oberhalb des Sees zu finden ist. Das andere Foto muss doch ein Stück weiter oben entstanden sein, denn es ist eine Viertelstunde später aufgenommen und so lange Pausen habe ich auf diesem Aufstieg nicht gemacht. Es blickt, wieder in Wanderrichtung gesehen, nach links hinten zum See zurück (M2420) und der See ist so weit von der Seite zu sehen, dass man meint, das Foto wäre von viel weiter oben auf der Karte aufgenommen, als dies tatsächlich sein kann. Auf beiden Fotos sieht man die Abgründe, die sich da vor uns auftaten, ein wenig deutlicher: auf dem ersten der beiden will ich auf den Abhang direkt links neben dem Stückchen Wiese mit dem Stab hinweisen - so, wie es da gleich abgeht, sah auch der Rest des Weges auf großen Stücken beidseitig aus und das zweite Foto sieht ja fast aus, wie aus dem Flugzeug aufgenommen und da ist kaum Tele drin, d. h. es war wirklich fast wie aus dem Fenster eines Hochhauses.

Unterhalb des Punktes „2823“ oder rechts des hinteren „e“ des Wortes „Arpille“ liegt der Gipfelpunkt dieser Strecke. Ich keuchte weiter mit meinem ganzen Mut die Steilhänge hinauf und überlegte mir, dass 500 m ebener Weg ein Pappenstiel sind, dass aber 500 m in der Höhe etwas gewaltiges an sich haben - zumindest hier draußen in der Natur, in den Bergen. Saskia war inzwischen auf den letzten Metern, ich konnte sie ja meist steil über mir sehen, als vom See her ein Hubschrauber erst zu hören dann auch zu sehen war. Ich bemerkte bald, dass er ziemlich genau auf uns zu kam, sich dann aber östlich von mir hielt - und zwar genau auf die dort gehende Saskia zu. Aus meiner Sicht sah es aus, als könne sie dem Piloten die Hand geben, denn er flog in nur ein paar Metern Entfernung an ihr vorbei, was sie mir später auch bestätigte. Wahrscheinlich hat er uns sehr früh am Horizont dieses Grats entdeckt und da er wohl ohnehin auf der Karte nach rechts wollte, also etwa in die Richtung wie wir auch, nehme ich an, dass er uns bei dieser Gelegenheit gleich mal näher betrachten wollte. Sehr oft werden hier die Verrückten nicht heraufsteigen – wir haben an diesem Tag keine anderen gesehen. Eine Weile später sah ich, dass sich Saskia hinsetzte und ich vermutete, obwohl ich es von unten nicht genau sah, dass sie oben angekommen war und so war es auch. Mit etwas Abstand, aber ebenfalls sicher, landete ich schließlich doch bei ihr, die sie den ganzen Aufstieg alleine mit Bravour gemeistert hat. Ich frag sie ziemlich bald, ob ihr die ganze Strecke denn überhaupt keine Mühen bereitet hätte, worauf sie mir sagte: im Gegenteil, auch sie empfand diesen Aufstieg als ziemlich heftig und sie stieg nur deswegen so mit großen Schritten voran, weil sie es schnell hinter sich haben wollte. Auch Saskia empfand diese Abgründe zu beiden Seiten genauso wenig vertrauenserweckend wie ich und ich glaube, der Wind aus dem Rhônetal machte ihr noch mehr zu schaffen als mir. Ich hatte einen solchen, auf den Abgrund zu wehenden Wind ja schon einmal mit Susanne in den Pyrenäen kennen gelernt. Über den Hubschrauber redeten wir natürlich auch gleich. Leider war es hier alles andere als gemütlich und Saskia meinte auch, sie hätte sich nur hingesetzt, um nicht weg geblasen zu werden und um sich einigermaßen sicher zu fühlen. Also brachen wir sofort wieder auf und gingen die paar Meter bis zu der Abzweigung nach rechts, wo es glücklicherweise wieder etwas nach unten ging - und vor allem: wo es überhaupt nicht mehr exponiert war (M2421). Eineinviertelstunden hatten wir für den Aufstieg von etwa 500 m gebraucht, obwohl es uns, weil es so besonders war, viel länger vorgekommen ist. Wir gingen jetzt auf der Karte unterhalb des Arpelistocks entlang und die Felsen rechts im Bild sind die, die auf der Karte vom Punkt „2598“ nach „Le Sublage“ nach unten führen. Unser Weg geht links auf dem Foto am Hang entlang auf die Felsen im hinteren Mittelgrund zu, um dann links hinter der glatten Geröllfläche, die von links oben herunter kommt, im Tal zu verschwinden. Den bisher begangenen heutigen Teil der Wanderung sieht man auch gut auf der Reliefkarte vom Wildhorn, die ich mir aus dem Internet heruntergeladen habe. Unten in der Mitte ist das Wildhorn und rechts daneben Gsteig und darüber der Sanetschsee. Noch weiter darüber ist der Col du Sanetsch und von dort aus führt der Grat nach vorne in Richtung Arpelistock. Die Steilheit ist auf dieser Karte nicht übertrieben. Der interessante Rest dieses und des folgenden Tages liegt auf dieser Karte hinter dem Wildhorn versteckt und erst am folgenden Tag gegen Abend erscheinen wir wieder ganz links auf dem Rawilpass, von wo es dann links vom Mittaghorn wieder zur Iffigenalp hinuntergeht.

Auf dem folgenden Foto (M2422) blicke ich wieder einmal zurück und etwas links der Mitte, wo der Grat am flachsten ist, steht wieder ein Pfahl mit dem Wanderzeichen und dort war das Ende des Aufstiegs, wo Saskia sitzend auf mich gewartet hatte. Wenig später waren wir schon fast um die erwähnte Ecke herum und wanderten in die Grand Gouilles hinab (M2423). Rechts neben dem dunkleren Berg ganz rechts liegt unser nächster Pass, den wir überqueren müssen und die Bergspitze links daneben müsste der auf der Karte verzeichnete Mont Pucel sein. Links daneben, in den Wolken, müsste das Wildhorn liegen, das wir auf der ganzen Tour eigentlich nie richtig bewusst gesehen haben. Wir hatten ja auch so viel Berg um die Füße, dass uns das eigentliche Wildhorn ziemlich egal war. Auf dem Weg hier hinunter fanden wir mal wieder ein paar Blümchen, die sich hier wirklich unter extremen Bedingungen ihren Platz gesucht haben (M2424) und dann sahen wir das Panorama (M2425), einerseits mit den eben beschriebenen Bergen links oben und zum anderen lag nun die Wand vor uns, von der wir wussten, dass wir sie noch vor dem Abend übersteigen mussten. Da ich auf der Karte nicht hundertprozentig ausmachen konnte, wo der Übergang genau lag und da ich auch zu faul war, den Kompass heraus zu holen, vermutete ich zunächst, dass es etwa an der niedrigsten Stelle sein müsste. Dort sieht es zwar sehr steil aus, aber die Hüttenwirtin der Geltenhütte hatte ja auch irgendetwas von Eisenleitern gesagt und die brachte ich nun mit der steilen Wand in Verbindung.

Noch ein Stückchen weiter unten, es war inzwischen 13.30 Uhr, bekamen wir plötzlich den Hunger, den uns der Aufstieg schon verpasst hatte, wegen dem Kalorienverbrauch, der sich aber erst einstellte, als wir die Anstrengung nicht mehr spürten. Wir suchten uns einen schönen Stein zum Sitzen und packten unsere Vorräte aus, unter anderem die beiden schönen großen Äpfel, die wir im Hotel am Sanetschsee mitgenommen hatten (M2426). Es mag vielleicht für den beliebigen Betrachter etwas traurig aussehen, so mitten in den Steinen gemütlich zu rasten, aber wenn man erst mal mit den eigenen Füßen bis dahin gelangt ist, dann ist man mit der Landschaft eins und macht diese Unterschied nicht mehr - alles ist mit den eigenen Füßen erobertes Land! Leicht nach rechts sahen wir seltsam weiße Felsen (M2427), auf der Karte (siehe auch 9. Kartenausschnitt als Fortsetzung des 8.; den Überblick sieht man aber besser auf dem 7. Ausschnitt) sind es wahrscheinlich die unterhalb des hinteren „s“ von „Grand Gouilles“, und auf dem Boden waren hier weite Flächen blau gefärbt, wie ich mit den drei folgenden Fotos dokumentiere (M2428, 2429, 2430). Auf dem letzten der drei Bilder sehen wir genau vor uns den Berg, den wir schon eine ganze Weile im Blick hatten und aus dieser Entfernung sah ich zum ersten Mal, dass da in dem am weitesten oben liegenden Geröllfeld, zwischen den oberen und den rechts weiter unten liegenden Felsen, ein kleiner Pfad, schwach zu erkennen, nach rechts oben geht. Nach einigem Studium dieses Berges sah ich auch weiter unten, dass vor den rechts unten liegenden Felsen ein Zickzackweg bis zu dem Pfad hinauf führt. Ich sagte noch zu Saskia: „Schau mal da drüben! Da oben geht auch ein Weg entlang! Den wollte ich nicht unbedingt gehen, da geht es ja fürchterlich steil hinauf!“ Beim Näherkommen wollte ich das auch nochmals mit einem weiteren Foto dokumentieren (M2431), vielleicht, um anderen zu zeigen, wie man hier wandert, vielleicht hatte ich aber auch inzwischen schon entdeckt, dass dies unser Aufstieg war und dass wir da in wenigen Minuten hinaufgehen werden! Denn irgendwann wurde mir aus unserer Wanderrichtung und der Situation der Berge im Vergleich mit der Karte klar, dass hier der Col des Audannes liegen muss. Man kann ihn etwa so beschreiben: In der Mitte des Bildes gibt es ein Stückchen Horizont, das glatt und ohne Zacken nach rechts abfällt. Dann kommt eine felsig-spitzige Erhöhung, eine runde Kuhle und wieder eine felsige Erhöhung, bevor es dann fast gleichmäßig bis zum rechten Bildrand abfällt: Genau zwischen den beiden Erhöhungen, in der runden Kuhle liegt der Col des Audannes.

Mit einem weiteren Foto eines gelb blühenden Kameraden am Weg (M2432) waren wir schnell im Tal, das wahrscheinlich noch zu den Grand Gouilles gehört und hier war ich Saskia mal wieder ein Stück voraus und konnte sie fotografieren, wie sie hinter mir her kam und den Bach überquerte (M2433, 2434). Ein ähnliches Bild aus dieser Gegend gibt es wieder im Wanderbuch, aber hier ist mir zum wiederholten Male aufgefallen, dass man einige Bilder der Tour vorher sehen kann und dann, wenn man da ist, doch nicht weiß, wie es tatsächlich aussieht, denn nun hat man die ganze Landschaft um sich und es ist einfach etwas ganz anderes, es zu erleben, als ein paar Fotos anzuschauen. Natürlich sieht man, wenn man selbst da war: ja, genau so hat es da ausgesehen! Auf dem Foto, auf dem ich vorhin die Lage des Col des Audannes beschrieben habe (M2431), sieht man rechts unten an dem Hang, an dem wir aufsteigen wollen, ein wenig Gras. Auf dem Foto, das nun zu der Stelle im Text gehört (M2435), sieht man rechts unten in der Ecke ebenfalls ein wenig Gras - es ist dasselbe, nur sind wir jetzt beim Aufstieg, der genau durch diese kleinen Bergwiesen führt, in einer Höhe, wo sie sich gerade noch halten können. Allerdings sieht es jetzt fast schon wieder wie aus dem Flugzeug aus. Man sieht diesen Teil des Aufstiegs auf der Karte unterhalb der Zahl „2600“. Die Stelle, wo Saskia eben noch den Fluss überquert hat, befindet sich zwischen den Felsen in Bildmitte und dem letzten Schneeleck am rechten Bildrand. Links der Mitte, vor den Felsen sieht man einige Maschinen von Bauarbeitern, die hier gerade Mittagspause machten, aber als wir weiter oben waren, arbeiteten sie weiter und störten das Naturgefühl ein wenig. Am Horizont, wahrscheinlich an der niedrigsten Stelle, ist der höchste Punkt unserer Gratwanderung von See herauf und wir sehen, dass wir bis hier hin schon wieder einiges geschafft hatten.

Dann ist Saskia bald wieder vor mir (M2436). Das ist mir eigentlich recht, denn so kann sie ihr Tempo alleine bestimmen und ich gehe langsam hinterher und störe sie nicht. Noch sind wir im Bereich der Bergwiesen und weit oben über uns liegt wohl das Wildhorn in den Wolken, denn die Richtung stimmt so. Dann fand ich die ganz toll geschichteten Felsen auf dem folgenden Bild, die ich unbedingt festhalten musste (M2437). Wahrscheinlich handelt es sich um den rechten der beiden Felsen, die in Bild M2431 noch mitten in der Geröllhalde liegen. Dann mache ich noch ein Foto ins Tal hinunter (M2438), weil man da gerade eine Stadt sieht, vielleicht ist es Sion oder eine der Nachbarstädte und wahrscheinlich geht es rechts schon das Rhônetal nach Martigny hinaus. Dieses Foto habe ich gleich zweieinhalb Mal gemacht: im Bild M2439 ist ein Ausschnitt mehr nach rechts gewählt und daher habe ich auch noch eine Felsnase drauf und Bild M2440 habe ich anders belichtet und etwas mit dem Tele herangeholt, so dass man links der Mitte, fast in den Wolken einen hellen Fleck sieht - das ist der Mont-Blanc, der mit der Belichtung des vorigen Bildes in den Wolken verschwindet. Das ist ein Vorteil der Digi-Kameras, man sieht sofort, dass man den Mont-Blanc auf dem einen Bild nicht sieht und kann mit anderer Belichtung ein zweites machen.

Doch genug der Blicke in die Ferne - richten wir wieder den Blick nach vorne, hinauf! ....denn dort geht Saskia auf die steilen, unüberwindlich aussehenden Felsen zu (M2441). Hier sieht man auch die Beschaffenheit des Weges: alles mit Geröllplatten übersät. Die machen zwar beim normalen Gehen wenig Probleme, aber je steiler es wird, umso mehr muss man es sich überlegen, auf eine von ihnen zu treten, denn es könnte sein, dass man dann mit ihr ins Tal abfährt wie auf einem Skateboard. Ich habe von Saskia mit der gleichen Uhrzeit (15.30 Uhr) noch eines gemacht, in dem ich die Felsen etwas näher heran holte. Wahrscheinlich habe ich bei genauerem Hinsehen bereits bemerkt, dass der Weg am linken Bildrand in einer Rechtskurve zum Horizont führen wird und es ist mir hier schon relativ unwahrscheinlich vorgekommen, dass wir da auch noch hinauf sollen. Hier ging es wohl noch einmal Zickzack nach links und wieder nach rechts und dann landeten wir etwa bei der Stelle, wo es links an dem kleineren der Felsen einen relativ scharfen Schatten gibt.

Wenn ich mich richtig erinnere, war es so, dass Saskia mehr oder weniger abrupt stehen blieb, weil es einfach nicht weiter ging. Der eigentlich immer gut erkennbare Pfad führte bis an den unteren Rand des Felsens und hörte dort einfach auf. Inzwischen war ich auch herangekommen und Saskia fragte mich, wo es weiter ging, worauf ich ihr sagte: „Schau halt mal nach oben!“, denn dort hing in etwa 2 m Entfernung ein Zipfel eines gelben Kunststoffseiles in den Steinen. Ich sagte ihr: „Komm erst mal ein paar Meter zurück und dann besprechen wir alles“, denn wenige Meter vor dem Seil hatte ich eine Stelle ausgemacht, der ich zutraute, dass sie für uns beide sitzend groß genug sein würde. Saskia sagte mir später, dass sie es gar nicht so einfach fand, umzudrehen und die paar Meter zurückzugehen, es war einfach zu steil. Schon bei einem Blick nach unten begann man beinahe zu rutschen! Wir setzten uns also beide hin, lehnten uns nach hinten auf unsere Rucksäcke und ich fand, dass es da so steil war, dass ich alleine schon vom Sitzen in der Hose nah unten rutschte. Ich zog aus der Beintasche erst mal den Foto und machte ein Bild nach unten (M2443, umdrehen und nach oben fotografieren wolle ich nicht). Rechts unten in der Ecke ist ein wenig der Weg zu erkennen und unten im Tal, gute 400 m tiefer, sind etwas Wasser und zwei restliche Schneeflecke zu sehen. Links vor uns liegt die schiefe Ebene und dann kommt die Kante und hinter der Kante liegen steile Felswände. Zurückblätternd zu Foto M2431 sehen wir unter dem linken der beiden Hügel, zwischen denen die runde Kuhle mit dem Pass liegt, einen kleinen Felsen, der links eine im Schatten liegende dunkle Wand hat - wahrscheinlich sitzen wir jetzt gerade da und von hier aus sieht man gut, dass die Felswand rechts bestimmt zwischen hundert und zweihundert Meter fast senkrecht abfällt – es ist immer etwas unangenehm, sich oberhalb einer solchen Stelle zu bewegen. Direkt vor der Steilkante im Tal sieht man einen winzigen weißen Punkt: Das ist ein Fahrzeug der Bauarbeiter, die ich vorhin schon erwähnte und die man hier oben schon lange nicht mehr hören konnte - hier waren nur noch der Wind und wir! Ich schaute mir die Situation mit dem Seil noch einmal genauer an und erklärte dann Saskia meinen Schlachtplan: „Zuerst binden wir uns gegenseitig die Wanderstöcke hinten an die Rucksäcke, denn die können wir hier jetzt nicht mehr gebrauchen, da wir alle vier Gliedmaßen zum Klettern brauchen, und dann krieche ich von dem Punkt aus, wo du umgekehrt bist, auf allen Vieren bis zum unteren Ende des Seils. Dann gehe ich mit dem Seil in den Händen nach oben und nach rechts um den Felsen herum. Dann wirst du mich nicht mehr sehen. Wenn ich schreie, kommst du genau auf dieselbe Weise hinter mir her. Achte hier noch genauer darauf, dass du keinen Fehltritt machst, dass du dir bei jedem Schritt ganz sicher bist, den Halt zum Boden nicht zu verlieren, denn ich kann dich von da oben aus weder sehen, noch kann ich dir irgendwie helfen. Mit dem Seil achte bitte darauf, dass du immer mit beiden Füßen auf dem Boden stehst und erst dann weiter greifst; mit den Füßen bewegst du dich besser nur, wenn du mit beiden Händen am Seil bist. Und wenn du nicht mehr kannst, machst du eine Pause, ohne das Seil loszulassen.“ So etwa war mein Plan und so haben wir es dann gemacht. Ich war relativ sicher bis zu Saskias Umkehrpunkt und dann auf den Knien auch nicht unsicher bis zum Ende des Seils, das ich ergriff und noch im Knien ein paar Mal kräftig daran zog, ob es auch halten wird, denn ich konnte ja nicht sehen, wie es oben befestigt war, da dieser Punkt um den Felsen herum hinter der Kurve lag. Ich fand, dass es nicht nachgibt. Also stand ich auf und zog mich daran hoch. Es war sehr anstrengend, denn wir waren ja schon weit heraufgestiegen und nicht mehr ganz frisch. Nach der Wanderung über den Grat der Arête de l’Arpille hatte ich jetzt auch noch weiche Knie - alles nicht die besten Voraussetzungen für so eine Unternehmung. Trotzdem kam ich gut vorwärts und um die Kurve sah ich, dass es ein paar Meter unterhalb des Befestigungspunktes des Seils eine Stelle gab, wo man sich wieder zu zweit niederlassen konnte. Also stieg ich hier aus und setzte mich gemütlich auf den Boden. Dann rief ich Saskia, sie könnte kommen und packte meinen Foto aus. Nach kurzer Zeit kam auch sie mit dem Seil in der Hand um die Ecke (M2444). Auf dem zweiten Foto, etwas weiter oben (M2445), sieht man ihrem Gesicht an, dass sie nicht gerade auf Schaufensterbummel in der KaJo ist. Als sie auf meiner Höhe war, sagte ich ihr, wenn sie noch könne, soll sie vollends bis zum Ende des Seils durchgehen und dort auf mich warten. Das gelbe Seil hörte hier auf und war an ein noch dickeres blaues Seil angeknüpft, was Saskia ein paar Kunststoffspreisen verpasste, wahrscheinlich weil sie sich so sehr festhalten musste. Oben wartete sie auf mich, denn es war nicht mehr weit und dort konnte man auch wieder gefahrlos stehen. Wir betrachteten den Weg, wie er weiter ging und Saskia meinte noch, dass es jetzt ja wieder recht bequem und sogar ein wenig nach unten gehe (M2446), worauf ich sagte: „...dann guck doch mal bitte nach links oben!“, denn dort, wo der Pfosten mit dem Wandereichen im Fels steht, sahen wir die Eisenleitern, um die letzten Meter zum Pass bezwingen zu können. Wir gingen also bis zum Fuß der Leitern und stiegen diese recht bequem hinauf. Es waren wie ein „U“ gebogene Eisenstangen, die mit den offenen Enden in den Fels einbetoniert waren und beim hochklettern musste man nur darauf achten, den Halt nicht zu verlieren, dann war es ganz einfach und gar nicht sehr anstrengend – besser als die Stelle mit dem Seil. Oben auf dem Pass war es nicht sehr geräumig, aber zwei Personen konnten ohne Probleme nebeneinander stehen und ich machte noch mal ein Bild zurück (M2447) und zwar an der Kante entlang, die ich schon auf Bild M2425 von weitem fotografiert hatte und von der ich dachte, wir müssten hier überqueren. Von hier aus sieht man besser, dass das nicht so einfach gewesen wäre und der am weitesten nach rechts vorspringende Fels hat seine Position auch nicht mehr so sicher, denn an der Kante entlang hat er bereits einen großen Riss und sieht aus, als wolle er nach rechts hinunter fallen. Irgendwo im Hintergrund in den Wolken muss auch das Matterhorn liegen, das wir heute aber getrost dort liegen lassen wollten. Nun waren wir um 16 Uhr am höchsten Punkt unserer Wanderung und laut Karte auf 2886 m über dem Meer - höher als wir jemals zu Fuß hinaufgekommen waren.

Das nächste Bild, das ich machte (M2448), entstand bereits eine halbe Stunde später und schon deutlich unterhalb des Passes, vom dem man gerade noch den Wegweiser neben dem Felsen erkennen kann. Nicht dass es hier nicht auch steil gewesen wäre - immerhin gab es auch hier stellenweise Seile, um sich daran festzuhalten, weil man wegen der Steilheit des Hangs der Reibungskraft der Schuhsohlen alleine nicht mehr trauen konnte, aber in der Erinnerung empfanden wir diesen Teil des Weges eher als harmlos. Auf dem Bild nach vorne von dieser Stelle sieht man den gesamten Rest dieser Tagestour und den Anfang der folgenden: Zuerst geht es nach rechts, ein wenig aus dem Bild hinaus, zu dem Punkt „La Selle“ auf 2709m (siehe immer noch 9. Kartenausschnitt) und von dort immer gerade aus auf den See zu und der helle Fleck vor dem rechten Seeufer ist unsere nächste Berghütte, die Cabane des Audannes, auf 2508 m. Hier dachte ich mal wieder falsch, denn von hier aus glaubte ich, der Weg am nächsten Tag ginge irgendwie von der genau gegenüberliegenden Seite des Sees an der langen Geröllhalde entlang, aber das stimmte nicht, denn er ging tatsächlich von der Hütte aus nach links oben zu dem dunklen Fleck, der mit seiner sehr spitzen Spitze nach links oben genau auf den Col des Eaux Froides zeigt. Ich machte von hier aus noch ein weiteres Bild mehr nach rechts (M2450), wo im Tal am rechten Bildrand La Selle liegt und wo man in der Ferne ins obere Rhônetal blicken kann. Bald darauf machte ich noch ein Bild nach oben (M2451) und jetzt sieht man jemand auf dem Pass stehen. Kurz unterhalb des Passes war uns beim Abstieg nämlich ein junges Paar beim Aufstieg begegnet. Die beiden sahen sehr zünftig und wettergegerbt und geübt aus. Trotzdem beneidete ich sie nicht um den Abstieg über die Leitern und am Seil!!! Ich hatte auch noch mitbekommen, dass er erst mal alleine die Leitern hinabstieg und sie so lange oben wartete (siehe Foto), um dann später nachzusteigen. Ein weiteres Bild nach vorne, aber dieses Mal mehr nach links, zeigt sehr deutlich, wer hier oben in den Bergen das Sagen hat: Natur und Stein – sonst gibt es hier nicht viel. Laut Karte geht es vom Col des Audannes nach La Selle auch wieder über einen Grat hinunter, aber im Vergleich zum Aufstieg vom Morgen ist diese Stelle sehr bequem (Bild M454). Im unteren Teil hat sogar jemand die Steine an den Rand des Pfades geräumt. Dann kamen wir auf La Selle an. Wir fanden, dass wir schon wieder recht weit unten waren - aber La Selle liegt immer noch über 2700 m! Dieses Bild (M2455) mit Saskia, dem Pfahl mit dem Wanderzeichen, mit den Felsen und dem Gletscher dahinter, dem Steinmann neben und dem Blumenbeet vor ihr musste ich unbedingt noch machen! Auf dem Weg von La Selle zur Cabane des Audannes machte ich dann noch zwei Fotos: ein letztes zum Col des Audannes hinauf (M2456), der links neben der in den Himmel ragenden Felsspitze schon sehr weit entfernt aussieht und vom Weg aus nach links in die braunen Felsen auf Saskias Wunsch, weil wir hier sonst nur graue und weiße Steine zu Gesicht bekamen. Dann waren wir, eine gute Stunde nach der Überquerung des Passes um 17.30 Uhr an der Hütte (M2458), von der wir aus dieser Sicht nicht glauben wollten, dass in dieser Blechbüchse mehr als eine Handvoll Leute übernachten konnten. Um so mehr waren wir überrascht, als wir drin waren, denn sie erwies sich als unsere schönste Unterkunft der ganze Tour!

Zunächst war wieder das übliche Programm dran: Bett richten und duschen. Die Dusche war im Untergeschoss und sah so ähnlich aus wie in Schiltach: eine Art Waschküche mit Wachbecken zum Waschen und Zähneputzen und in der Ecke eine Duschkabine. Ich duschte zuerst und ich war es ja schon gewohnt: kaltes Wasser. Als ich schon mit Zähneknirschen kalt das Wasser aus den Haaren spülen wollte, wurde es doch noch warm, eine Information, die Saskia sehr nützte, weil sie erst nach mir dran war. Überdies kam gerade ein Frau die Treppe herunter, als ich mich abtrocknete, aber damit musste sie halt leben. Dann ging ich noch mal raus, zum Brunnen, machte das Foto der Hütte von außen und noch eine Aufnahme nach Südosten (M2459), in Richtung des Wanderweges, der nach rechts unten aus der Karte herausführt und wo einerseits die schönen, weißen Felsen im Vordergrund drauf sind und zum anderen die vielen Berge am Horizont. Ich wollte mich auch noch auf die Bank in der Sonne vor dem Eingang setzen, aber es war so schweinekalt, dass ich es nur 2 Minuten ausgehalten habe – keine Ahnung, welche Temperatur es wirklich hatte, aber wenn überhaupt, waren es nur ganz wenige grade über Null. Also ging ich lieber wieder rein und legte mit Saskia noch bis gegen 20 Uhr eine Patience, die sie dann mit dem erlösenden As auch noch gewann (M2460). Dann gab es für alle Essen, von einem freundlichen Asiaten gekochte Spaghetti Bolognese, und ein wenig später war noch ein wenig Aufruhr und alle Leute schauten mit den Ferngläsern in Richtung der Felsen, die ich vorhin schon fotografiert hatte. Nach ein paar kleinen Rückfragen beim Patron, der übrigens zwischendurch immer wieder am Laptop arbeitete, stellte sich heraus, dass eine Familie Steinböcke unterwegs war. Von den beiden Fotos, die ich machte, zeige ich hier das hellere, aber für Steinböcke in den Alpen bräuchte man eigentlich doch ein stärkeres Tele (M2462). Es ist leider nur ein Steinbock zu sehen und zwar unterhalb der Bildmitte vor dem Felsen. Die anderen waren gerade nicht mehr in unmittelbarer Nähe und sie kamen auch nicht wieder alle zusammen.

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Mittwoch, 7. September 2005: Cabane des Audannes - Col des Eaux Froides - Rawilpass - Iffigenalp

Den Morgen ließen wir ruhig angehen, denn wir wussten, dass wir einen Tag lang zu laufen haben, uns dann aber nur noch ins Auto setzen müssen und nach Hause fahren. Während sich Saskia nach dem Frühstück bei unseren Betten noch mit ihren Spreisen beschäftigte, machte ich zwei Fotos in der Hütte (M2463). Auf diesem Bild mit Saskia sieht man, wo die Treppe oben ankommt und auf dem anderen (M2464) sieht man, wie die Treppe ein Stockwerk darunter, anfängt. Links sind die Tische, an denen am Abend die ca. 8 Schweizer saßen, die außer uns noch die Hütte bevölkerten, wir saßen weiter links, und durch die Treppe hindurch sieht man noch schwach den Patron in der Küche arbeiten. Die Hütte sieht zwar von außen wie eine Konservendose aus, aber innen ist alles wunderschön mit Holz gemacht. Weil es gestern unterwegs so heftig war, hatte ich Bedenken wegen des letzten Tages in zwei Richtungen: zum einen könnte es sein, dass es wieder heftig wird und zum anderen war im Wanderbuch zu lesen, dass die Strecke dieses Tages sehr schlecht zu finden wäre und ich hatte mir deswegen schon besonders vergrößerte Kartenausschnitte vorbereitet, um mich im Zweifelsfall vielleicht Stein um Stein durchschlagen zu können. Auf der Karte war der Weg ebenfalls nur gepunktet, d. h. schlecht markiert, eingezeichnet. Daher besprach ich mich noch mit dem Patron. Er sagte, dass es bis zum Plan des Roses zwar einiges zu klettern gäbe, aber es sei nirgendwo so exponiert wie am Tag zuvor und das beruhigte mich ungemein. Außerdem sagte er, dass die gesamte Strecke ausgezeichnet markiert wäre und dass die anders lautende Information in Führer und Karte völlig veraltet sei. Das beruhigte mich noch mehr und so beschlossen wir, wohlgemut aufzubrechen. Für den Zweifelsfall hatte ich mir nämlich vorgenommen, an den Lac des Tseuzier hinunter zu gehen und auf der andren Seite wieder zum Rawilpass hinauf (siehe 10. Kartenausschnitt; für die weitere Wanderung eignet sich die Vergrößerung im 11. Kartenausschnitt besser). Dieser Umweg war nun aber ja nicht mehr nötig. Die Schweizer brachen vor uns auf - und zwar in der anderen Richtung, zum Col des Audannes hinauf und wir wunderten uns, wie die zum Teil älteren Menschen an dem Seil hinunter kommen wollten, aber sie kannten sich offenbar aus und machten so etwas nicht zum ersten Mal. Sie wollten übrigens nicht die Tour du Wildhorn andersherum machen, sondern kamen aus den Tälern im Süden und wollten dort auch wieder hin.

Um 9.30 Uhr brachen auch Saskia und ich als letzte auf und fanden nun aufgrund der Markierung heraus, dass wir anders gehen müssen, als ich es mir ausgedacht hatte. Wir überquerten mal wieder einen Fluss, dieses Mal auf komfortabler Brücke (M2465) und trafen dort in der Niederung gleich wieder ein paar schöne Pflanzen, die wir wenigstens auf dem Foto mitnehmen wollten (M2466). Es war ein kalter, aber sehr schöner Morgen und gleich zu Beginn des Aufstiegs lag die Hütte weit zurück in der Morgensonne (M2467). Das kleine Häuschen rechts im Schatten der Hütte war übrigens das Klo. Also stiegen wir mal wieder gute 200 m den Berg hinauf und erreichten schon nach einer halben Stunde ohne jede Anstrengung den Col des Eaux Froides, dessen Name mehr Angst macht als die Wirklichkeit. Nach dem, was wir schon erlebt hatten, konnte uns dieser hier nicht mehr schrecken und Saskia ist bei Wegweiser und Steinmännchen noch in guter Form (M2468). Ich machte noch ein zweites Bild (M2469), auf dem man ein letztes Mal die schöne Cabane des Audannes und den See sehen kann.

Auf die andere Seite, in Wanderrichtung, machte ich innerhalb der nächsten Viertelstunde drei Fotos, weil man Stück für Stück immer besser sehen kann, wie es weiter geht. Das erste (M2470) ist direkt vom Pass aus und es zeigt, alles noch ziemlich im Schatten, in Bildmitte, hinten, das Hochtal, in das wir hinein wandern werden. Hinten links ragt ein einzelner Berg in den Himmel: das Dürfte das Mittaghorn sein (siehe 13. Kartenausschnitt und auf der Reliefkarte ist es direkt unter dem Wort „Rawilpass“ eingezeichnet, aber schlecht zu lesen); hier werden wir rechts vorbei wieder zu unserem Auto hinunter wandern. Details von dem schwierigen Stück bis zum Hochtal von Plan des Roses kann man von hier aus nicht einmal ahnen. Auf dem zweiten Bild sind wir an dem Pfosten mit Wanderzeichen vom ersten Bild schon vorbei und blicken und gehen in das Tal hinunter, wo auf der Karte das Wort „Froides“ steht, auf den Punkt „2457“ zu, der aber auf dem Foto rechts unten, hinter den Felsen liegt und noch nicht zu sehen ist. Auf dem dritten Foto (M2472) liegen schon weite Bereiche in der Sonne und nun ist zu erkennen, dass der Weg von dem Loch rechts unten zu dem Hochtal hinauf nicht ganz einfach werden wird. Ich mache noch ein Foto von Saskia vor der Kulisse der hohen Berge mit vielen Felsen und vielleicht oben sogar Gletscherresten (M2473) und dann sind wir, eine Dreiviertelstunde später auch tatsächlich am Klettern (M2474). Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man nicht selber da war, dass es zwischen den paar Steinchen mit dem bisschen Gras dazwischen eine ganze Stunde dauert, bis man die Strecke zwischen dem Punkt „2457“ und dem Lac de Tehenet hinter sich gebracht hat (siehe 11. Kartenausschnitt) und weitere zwei Stunden vom Lac de Téhénet zum kleinen See auf Plan des Roses (siehe 12. Kartenausschnitt)! Aber es war so.

Ich nehme jetzt mal an, dass das ganz schwierige Stück über die glatten, sehr harten und extrem scharfen Felsen mit den etwa fünf roten Punkten auf der Karte neben dem schwarz geschriebenen Wort „Téhénet“ identisch ist, also unterhalb des gleichnamigen Sees. Die Karte zeigt über das ganze Stück unterhalb des schwarz geschriebenen Wortes „Téhénet“ solche kräftigen schwarzen Schraffuren und die Höhenlinien, die unterhalb dieser Schraffur noch zu sehen sind, hören mit der Schraffur auf und gehen oben nicht weiter - dies ist ein Kennzeichen dafür, dass es hier ein Stück senkrecht bergauf oder bergab geht, je nachdem, von wo man es betrachten will: wir waren oberhalb und mussten also auch dort bleiben. Dies ist die Antwort auf die nicht gestellte Frage, warum wir dieses schwierige Stück nicht unterhalb umgingen. Auf dem folgenden Foto habe ich den Blick nach vorne festgehalten, um zu zeigen, wie wir den Weg sahen, den wir noch vor uns haben (M2475). Wenn ich auf dem PC das Foto vergrößere, dann sehe ich noch mehr Wanderzeichen als auf dem Ausdruck und die führen nach links oben, etwa in Richtung auf den Pass zu, der dort zu sehen ist. Es sieht auf diesem Bild immer noch alles relativ harmlos aus: ein paar Schritte und kurze Sprünge von Stein zu Stein wie die nach hier benannten ....böcke und schon ist man durch - aber das folgende Foto zeigt noch etwas anderes (M2476), nämlich dass manche dieser Spalten einige Meter tief waren und dass es manches Mal eben so hinunter ging wie hier für Saskia: der Weg geht von ihr aus ziemlich senkrecht hinunter. Wo sie da genau gegangen ist, kann ich nicht mehr sagen, aber es war nicht die schwierigste Stelle, es gab noch andere. Dann sahen wir unter uns auch den Lac de Tseuzier (M2477; auf dem 10. Kartenausschnitt besser zu sehen). Ich fand es beruhigend, dass wir da nicht hinunter mussten, denn so konnten wir die 600 m oberhalb bleiben. Hinter dem Felsen, hinter dem Saskia gerade auf Bild M2478 herumgeklettert kommt, war es ziemlich steil und wir hatten mal wieder unsere Wanderstöcke weggepackt, weil wir zum Klettern alle vier Beine brauchten, eben wie Gemsen und Steinböcke - das hat schon alles seine Richtigkeit! Ein Stückchen weiter (M2479), auch wieder hinter einem so unwegsamen tiefen Einschnitt ist deutlich zu sehen, dass diese Strecke warm macht, denn Saskia hat inzwischen den Pullover ausgezogen. Und auch noch ein Bild und eine gute halbe Stunde weiter (M2480) ist Saskia noch fast auf allen Vieren unterwegs. Links sieht man, wie das Gebiet der weißen Felsen plötzlich aufhört – da geht es dann so steil hinunter, dass kein Gehen oder Klettern mehr ratsam ist; aber der Weg hält sich von dieser Kante in sicherer Entfernung. Auf den folgenden Abschnitten, wie in Bild M2481 konnten wir dann aufrecht und noch ohne Stöcke relativ flott gehen, aber es war wie so oft in den Bergen: man denkt, da komm jetzt noch ein Hügel, der zu überklettern ist und wenn man oben steht, sieht man, ach, da kommt ja noch einer und so geht das immer weiter, Hügel für Hügel, bis man denkt, na, hört das jetzt gar nicht mehr auf? Wie viele kommen denn da noch? Und so war es auch hier: es kam einer nach dem anderen und wenn es danach aussah, dass jetzt nur noch eine ebene Strecke zu durchwandern ist, dann lagen da mindestens noch drei tiefe Spalten dazwischen, bei denen man erst überlegen musste, wie man überhaupt auf die andere Seite kommt. An manchen Stellen half es uns, dass der Weg wohl doch relativ oft begangen wird, denn man sah Fußspuren in irgendeiner Art, entweder durch Erdablagerungen auf den weißen Fesen oder durch Rutsch- oder Schleifspuren von Schuhen oder Wanderstöcken und wenn wir zwischen zwei Wanderzeichen nicht mehr ganz genau wussten, wie wir am besten gehen, dann halfen uns manches Mal diese Spuren anderer Wanderer, um feststellen zu können: aha, nun sind sie über diese Steine da links gegangen und dann nach rechts herübergeklettert usw. Von dem hinter uns liegende Streckenabschnitt gib es noch ein letztes Foto aus dem Wanderbuch.

Und dann, irgendwann wurde es wahr, befanden wir uns an der Stelle, wo der Weg vom Lac de Tseuzier heraufkam und wir nach links zum Lac de Téhénet weiter gingen. Allerdings war die Stelle kaum zu erkennen, denn die Markierung des Weges ging direkt nach oben und dort auch weiter in Richtung Plan des Roses, ohne von den anderen möglichen Richtungen groß Notiz zu nehmen. Nach Karte hätten wir zwar nicht direkt an den kleinen See gehen müssen, aber wir wollten ihn schon sehen, wo wir schon so nahe waren und die Markierung ging auch davon aus, denn sie zeigte uns den Weg direkt zum See und bog dann rechts ab. Der See ist klein und nett, aber es ist sehr unwirtlich hier (M2482) und man kann sich sehr gut vorstellen, dass er wohl die meiste Zeit des Jahres gar nicht zu sehen ist, weil er unter einer meterdicken Schneedecke liegt. Für mich hatte er ein wenig Ähnlichkeit mit dem Eissee in Norwegen bei Steinar, aber den hat ja außer mir keiner gesehen und die beiden Fotos die ich dort mit den durchnässten Apparaten gemacht habe, geben für einen Vergleich auch nicht genügend her. Wir blieben eine Weile am See stehen, aber für eine längere Pause hatten wir trotz des bestandenen schwierigen Abschnitts nicht genügend Bedürfnis und so gingen wir weiter. Mit größeren Problemen rechneten wir heute nicht mehr.

Als wir eine kleine Anhöhe erreicht hatten, machte ich noch mal ein Foto zurück (M2483): Es ist von hier aus wieder nicht zu glauben, dass dieses poplige Stück über die weißen Felsen von ganz links nach vorne Mitte so schwierig sein soll!!! Rechts oben sieht man wieder den Col des Eaux Froides. Das folgende Stück Weg quer durch den ganzen 12. Kartenausschnitt ist tatsächlich recht bequem und ohne große Schwierigkeiten. Bild M2484 zeigt zwar, dass es immer ein wenig auf und ab und immer wieder über genügend Steine geht, die alle nicht so einfach sind, wie sie hier schon wieder aussehen, aber im Vergleich mit dem was hinter uns liegt, werden wir diesen Abschnitt wahrscheinlich schneller aus dem Gedächtnis verlieren. Wenn ich mich richtig erinnere, kamen wir auf dem nächsten Bild (M2485; nach rückwärts fotografiert), über den kleinen Pass, noch direkt in den Felsen, ganz knapp links der Bildmitte, noch oberhalb der Miniwiese links darunter. In der Vergrößerung habe ich wieder nach den Wanderzechen gesucht, aber auf diesem Bild keine gefunden. Ich glaube, es war auch hier an dieser Stelle, wo uns ein mittelalterliches Wanderpaar begegnet ist und uns gefragt hat, wo sie am besten hinauf sollen und da wir den Weg oberhalb kannten, konnten wir ihnen das auch sagen. Auch auf diesem Bild sieht man wieder, dass man sehr viel weiter links nicht mehr gehen kann. Und dann wollte ich noch mit Bild M2486 dokumentieren, wie tief hier die Spalten sind, in dem ich direkt senkrecht nach unten fotografiere und als Größenvergleich sind noch meine Füße und Wanderstöcke auf dem Bild: trotzdem sieht man nicht, dass diese Spalte etwa 2 m tief ist und dass wir hier die interessantesten Stellen längst hinter uns haben (mir ist nur die Idee zu dem Foto nicht früher gekommen).

Und dann sind wir wieder mitten in den Wiesen und richtige kleine Wanderwege gibt es hier auch. Was es hier noch gab, in dieser Gegend, waren Menschen! Von dem einen Paar habe ich eben berichtet und auf Bild M2487 sieht man zwei Leute rechts unten; oben ist noch mal der Col des Eaux Froides zu sehen. Hier trafen wir auch einen Mann mit Hund, der keine Ahnung vom Bergwandern hatte, der Hund übrigens auch nicht besonders viel, und der sich wohl nur bis in diese Höhen hinauf verirrt hat, vermutlich vom Lac de Tseuziers aus, wo man, glaube ich, mit dem Auto hin fahren kann; bei etwas längerem Anmarsch kann man diese Stelle auch von der Iffigenalp aus erreichen (insgesamt, hin und zurück, eine gute Tagestour). Er fragte uns, wie der Weg aussieht, in der Gegend aus der wir kommen und wir sagten es ihm, worauf er meinte, dass dies für ihn und sein Hund wohl zu schwierig ist; also kehrte er um und ging uns ab da immer ein Stückchen voraus. Bei dem Rückblick auf dem folgenden Bild verabschieden wir uns mal wieder von einer Landschaft, die wir gerade zu verlassen im Begriff sind (M2488). Links steht wieder ein Pfosten mit Wanderzeichen und oben gibt es noch ein wenig Gletscher, aber der Col des Eaux Froides ist schon nicht mehr zu sehen. Es dürfte auf dem 12. Kartenausschnitt die Stelle sein, wo es links oberhalb der Zahl „2380“ gerade über ein paar Felsen in ein Tal zur Höhe „2322“ hinunter geht. In diesem Talkessel war es halbwegs windstill und plötzlich überkam uns der große Hunger und wir rasteten bei dem mit Flechten bewachsenen Stein (M2489). So verloren wir auch den Mann mit Hund aus den Augen, der keine Rast einlegte.

Nach der Pause ging es wieder über einen kleinen Wiesenhang hinauf und dann standen wir am kleinen See von Plan des Roses (M2490), wo es vor allem Saskia sehr gut gefiel. Wir gingen an ihm entlang, blickten noch einmal zurück bis zum Col des Eaux Froides und auf die Gletscher (M2491) und wanderten dann fast eben, ein klein wenig bergauf die Alpage du Rawil dem Rawilpass entgegen. Hier war der Weg so breit und gut, dass man auch fast hätte mit dem Auto fahren können, aber ich glaube, man kommt hier auf keiner Seite mit dem Auto herauf - glücklicherweise! Kurz vor dem Rawilpass mache ich noch ein vorletztes Foto zurück und danach werden wir auch den Col des Eaux Froides bald nicht mehr sehen (M2492). Das Wetter in dieser südwestlichen Richtung sieht nicht besonders freundlich aus, aber auf die andere Seite nach Osten, schon wieder viel besser und dieses gute Wetter behielten wir bis zum Schluss der Tour (M2493). Dieses Bild machte ich, weil man rechts oben die Wildstrubelhütte auf fast 2800 m Höhe sehen kann, ein Weg, den wir heute ganz bestimmt nicht mehr machen wollten, obwohl es nur rund 400 m Höhenunterschied wären. Wenn wir hätten müssen, hätten wir das aber schon auch noch geschafft. Im Wanderbuch ist die Strecke der letzten beiden Tage auf einer Karte und über nur zwei Seiten beschrieben. Dieser Beschreibung im Vergleich mit meiner Schilderung ist leicht zu entnehmen, dass man nur mit so einer flüchtigen Anweisung eine solche Wanderung nicht machen kann. Man braucht zumindest noch eine gute Karte und ohne die vielen und gut lesbaren Wanderzeichen hätten wir vielleicht trotzdem unsere Schwierigkeiten gehabt. Der Rest des Weges ist auf dem 13. und letzten Kartenausschnitt von der unten liegenden Alpage du Rawil bis zur Iffigenalp wiedergegeben.

Beim nächsten Foto (M2494) steht Saskia um 15 Uhr beim Kreuz auf dem Rawilpass und rechts auf der Wand der Hütte steht, dass es bis zur Wildstrubelhütte noch zwei Stunden zu gehen sind. Dann studiert Saskia alle Wegweiser und vergleicht die Zeitangaben mit der Zeit, die wir für die Strecken gebraucht haben und das Wetter in Richtung Col des Eaux Froides, der gerade noch zwischen den beiden Pfosten zu sehen ist, ist auch wieder etwas besser geworden. Ab hier geht es nur noch abwärts - und zwar runde 1000 m. Offensichtlich war dies, nach all den Strecken der letzten vier Tage doch etwas zuviel für meine Beine, denn es ging zwar ohne Schmerzen ab, aber die Tage danach war mein rechtes Knie etwas geschwollen und ich brauchte einige Tage, um wieder frei gehen zu können. Die ersten Lebewesen, die uns auf dem letzten Abstieg begegneten, waren Schafe etwa bei der Zahl „2340“ rechts vom Mittaghorn (M2496), die sehr erstaunt taten, uns hier zu sehen. Als Kommentar begannen sie alle, Wasser zu lassen, wie das Schaf ganz rechts auf dem Bild. Wir blickten noch zum Rawilpass und auf den Weg an der Geröllhalde des Mittaghorn zurück (M2497), bis wir um eine Kurve kommend nun den Ausblick bis fast nach Hause hatten (M2498). Unten liegt Lenk und das Tal nach Norden, auf den Thuner See zu und unter uns nur noch sanfte Wiesen, über die wir zum Auto gelangen wollten. Rechts sieht man noch die Seile einer Materialbahn, die zu einem auf einer Bergspitze liegenden Militärstützpunkt führt und die auch mehrmals über uns vorbeigeschwebt ist. Die sanft geschwungenen Wiesen auf Bild M2500 erkannte Saskia als die ideale Wohngegend für Murmeltiere, wobei wir aber hier gar keines gesehen haben. Als wir dann vorne rechts um die Ecke bogen (M2501), sahen wir noch besser nach Lenk hinunter und direkt unter uns war schon die Straße zwischen Lenk und der Iffigenalp zu sehen und links, hinter dem Hügel musste die auch liegen. Zwei Minuten später, um 16 Uhr, sahen wir sie dann. Weil ich glaubte, jetzt kommt nichts mehr, was sich zu fotografieren lohnt, machte ich hier mein letztes Foto (M2502), doch noch gute 500 m hoch über unserem Auto. Dieses steht übrigens ziemlich genau in Bildmitte. Etwas rechts davon gibt es eine Stelle, an der der gegenüberliegende Wald am nächsten zur Straße herankommt. Dort liegen die allgemeinen Parkplätze. Etwas links davon steht ein Haus mit der langen Seite parallel zur Straße mit dunklen Seitenwänden und vor seinem rechten Ende mit einem Giebel, der zur Straße zeigt: genau vor diesem Giebel hatten wir vor vier Tagen am Sonntag einen der letzten Parkplätze bekommen; jetzt am Mittwoch ist es fast leer.

Trotzdem kamen uns einige Wanderer entgegen und zwei junge Frauen überholten uns auch flotten Schrittes bergab; wahrscheinlich kamen sie (ohne Gepäck) von einem Tagesausflug von der Wildstrubelhütte. Nun sind wir gleich unten, dachten wir, aber da hatten wir die Rechnung ohne die Strecke gemacht. Es hätte uns auch auffallen müssen bzw. wir hätten wissen müssen, dass wir für 500 Höhenmeter mehr als ein paar Minuten benötigen würden. Zunächst wurde es erst mal immer steiler, ohne jedoch gefährlich zu werden, aber dann verzog sich der Weg mehr und mehr in eine links liegende Felswand und da gab es Stellen, wo es links des Weges senkrecht hinauf und dafür rechts senkrecht hinunter ging. Es waren hier Stellen dabei, die ich eigentlich nicht freiwillig gehen wollte, aber ich konnte überlegen wie ich wollte: mir fiel keine Möglichkeit ein, diese letzte Etappe ohne einen Umweg von mehreren Tagen umgehen zu können. Einige der am meisten exponierten Stellen waren mit Drahtseilen gesichert und mit der linken Hand am Seil und Schrittchen für Schrittchen vorwärts tastend kamen wir langsam weiter. Wenn es keine Drahtseile gab und es trotzdem rechts gleich soweit hinunter ging, dann lehnte ich mich etwas nach links zum Berg hin und vermied es, in den Abgrund zu schauen. Ich weiß also nicht von jeder Stelle, wie es aussah, wenn ich hinuntergeschaut hätte. Es ist die beste Methode, um an solchen Stellen überhaupt gehen zu können. Ich glaube zwar, dass ich schwindelfrei bin, d. h. es wird mir nicht schwindelig oder ich verliere mein Gleichgewicht nicht, wenn ich da hinunterschaue, aber dafür habe ich etwas Höhenangst und die sollte man auch nicht grundlos mit den entsprechenden Ausblicken füttern. An einer der bösen Stellen kamen uns einige Schweizer entgegen, die alle ziemlich voll gepackt waren mit Pflöcken, die sie wohl für einen Zaun in den Bergen für die Tiere brauchten; einer der Träger war sogar ein Junge höchstens in Saskias Alter.

Irgendwann gelangten wir dann in den Wald unterhalb des Punktes „1861“und da war mir wieder etwas wohler. Nun war es wirklich nur noch ein Spaziergang durch den Wald hinunter und dann fanden wir uns schnell im Tal, wo wir auf einer breiten Brücke den Bach überquerten und vor der Gartenwirtschaft der Iffigenalp standen. Während ich noch überlegte, ob wir einkehren sollten, was ich allerdings schon fast beschlossen hatte, sah ich plötzlich an einem Tisch im Hintergrund etwas winken. Es waren unsere Münstertäler, die inzwischen auch zwei Tage hinter sich hatten, an ihrem ersten Tag nach Burg hinunter gestiegen waren, von dort zur Wispile hinauf und wieder hinunter zum Lauenensee und dann auf die Geltenhütte. An ihrem zweiten Tag waren sie über die Eisentreppe zu dem Hochtal mit den drei Schafen gewandert und dann unseren „Abstieg1“ hinauf, von dem sie sagten, dass sie da nicht hätten hinabgehen wollen. Sie meinten auch, dass sie den steilen Anstieg von Burg zum Sanetschsee nicht hätten aufsteigen wollen. Es ist komisch, aber von unseren Aufstiegen hätte ich ungern einige abwärts gemacht und umgekehrt, wobei die Münstertäler, die den Weg in entgegengesetzter Richtung machten, eher anderer Ansicht waren. Wir zeigten ihnen dann die Felswand, die wir gerade herunterkamen und sie wollten es nicht glauben, dass sie da am nächsten Morgen hinauf sollten. Wir erzählten ihnen auch von den Leitern und dem Seil, aber wie sie diese Stellen dann schafften, haben wir bis heute nicht nachgefragt, obwohl ich ihre Adresse habe. Das werde ich wohl bei geeigneter Gelegenheit nachholen müssen.

Wir verzehrten noch einen teuren, aber dafür riesigen Pflaumenkuchen und tranken was Kaltes und was Warmes dazu, redeten noch eine Weile und machten uns dann zu unserem Auto auf, verstauten alle Sachen im Kofferraum sowie etwas Proviant bei uns vorne und machten uns langsam auf den Weg, wobei uns die Münstertäler, die genau in dem Haus wohnten, wo unser Auto stand, und sogar ein Zimmer mit Terrasse hatten, noch lange nachwinkten. Wir hatten genau die richtige Zeit abgepasst, um ohne zu warten nach unten fahren zu dürfen und so waren wir schnell wieder in der Zivilisation, die in Lenk begann und auf der Autobahn wussten wir schon nicht mehr so ganz genau, wie es oben in den Bergen aussieht bzw. wie es sich dort oben anfühlt. Auf dem Weg zur Autobahn rief Saskia noch kurz Susanne an und sagte ihr, dass wir die Wanderung erfolgreich abgeschlossen hatten und dann wollten wir noch Regina eine SMS mit derselben Nachricht schicken, als die Batterie von Saskias Handy hoffnungslos zusammenbrach. Sie hatte es offensichtlich so im Rucksack gehabt, dass trotz Tastensperre gelegentlich durch den Druck des Gepäcks das Licht eingeschaltet war, denn nur vom Rumliegen hätte der Akku nicht so leer sein dürfen.

Die Fahrt nach Hause verlief ohne besondere Vorkommnisse und wir kennen die Strecke ja auch einigermaßen und so kamen wir wohlbehalten wieder zu Hause an und alle freuten sich, dass wir es so gut hinter uns gebracht hatten. Ich war natürlich auf die Fotos gespannt, sie in voller Größe auf dem Bildschirm anschauen zu können und ich muss sagen, dass es wieder eine gute Dokumentation des wirklich sehr interessanten Weges geworden ist. Es war eine sehr ereignisreiche Tour, höchst interessant und mit herrlichen Ausblicken und mit viel Gefühl für die Berge, auch wenn ich heute sagen muss, dass es nicht mehr unbedingt eine Tour mit vier Sternchen sein muss, denn vielleicht ist die für unsere Bergübung doch etwas zu heftig. Andererseits: wir haben es geschafft und es war nirgendwo richtig gefährlich, so dass uns beinahe etwas passiert wäre oder so - wir waren trotz unserer Bedenken immer sicher gegangen und durften glücklicherweise keinen einzigen Fehltritt verbuchen.
Manfred Schlatter, 2005



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