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"Immer wieder beeindruckt mich das Alte und Neue an der Gotthardbahn bzw. an der Nord-Süd-Querung. Mit dem 125-Jahr-Jubiläum der SBB-Gotthardbahn ist viel unternommen worden, das Trassee beidseits zu Fuss zu begehen und zu entdecken: http://www.gottardo-wanderweg.ch. Um mich noch etwas ergiebiger damit zu befassen, forschte ich im Netz nach Daten und Bildern, man wird fündig. Damit begann ich meine Wanderung nicht in Dazio Grande, sondern bei Dalpe."Eingesandt von Henrik, April 2009 - herzlichen Dank!Varianten:
- 2 h: Lehrpfad Monte Piottino im Bedrino-Moorschutzgebiet: Dalpe Valle - Prato - Dazio Grande, 6 km (Bergfrühling Mitte Juni):http://bellinzonaealto.ticino.ch
- 1 h: Rundwanderung "Circuitto Piottino" (brauner Wegweiser): Dazio Grande - Piottinoschlucht - Ponte di Mezzo (0.15 h) - Dazio Vecchio, Passo di Piottino - Dazio Grande (0.45 h, Wurzelpfad)
- 2 h: Strada Bassa: Dazio Grande - Faido
- Tipp für 2-Tagestour
In Airolo fror mich, das einzige Paar, dass hier auch ausstieg, kramte beim Kiosk den warmen Sweater aus dem Rucksack und studierte den Fahrplan nach Norden. Es war Ende April - und es lag Schnee auf den Autodächern, und von den Fahrleitungen tropfte es eiskalt ins Genick: Rückkehr des Winters 2009? Ich bedauerte keinen Schal dabei zu haben, dünne Handschuhe lagen irgendwo in den Seitentaschen. Ich brauchte nichts zur Verpflegung und steuerte das Restaurant/Hotel vis-à-vis des Bahnhof an für einen Espresso: wohlige Wärme und ein wenig Dekadenz verströmte das Lokal, in dem ich aber auch schon wunderbar schlief. Der Bus nach Dalpe war auch heute nur mit vier Fahrgästen besetzt - ab Ambri Stazione war ich der Einzige!Als ich kurz vor Dalpe den Bus verliess, fror ich erneut, Pflotsch lag beidseits der Strasse und dort wo die Wiesen Unebenheiten aufwiesen, spiegelten sich die Kreten in kleinen Lachen. Am Relais auf dem Val Cima beginnt ein Lehrpfad mit Exkursionscharakter durch das Bedrina-Moor (unter Naturschutz seit 1961).
Eine etwas andere und ergänzende Betrachtung des Dazio Grande macht das Zentrum für Verkehrsgeschichte http://www.viastoria.ch . Zusammen mit dem Tourismusprogramm Kulturwege Schweiz http://www.kulturwege-schweiz.ch kann die CH anders erfahren werden: Kulturwege Schweiz - dieser Name steht für ein ganz neue Sicht auf die Schweizer Kulturlandschaft: sorglos wandern, gut essen und trinken, stilvoll übernachten und dabei die Schönheiten der Schweiz mit allen Sinnen erleben.Kurz nach der Abzweigung beim Dazio Grande ist an der Kantonsstrasse nach Prato links eine der letzten Überbleibsel einer früheren Gotthardstrasse zu begehen: eine kleine Steinbrücke sowie ein Kalkofen. Als die Schlucht noch technisch nicht zu bewältigen war, zogen die Fuhrwerke weit über dem Talboden von Dalpe nach Faido und umgekehrt!
In Dazio Grande kommt der zweite Espresso und ein herrliches Stück Kuchen zum Genuss. Die Abfahrtszeiten der Züge in Airolo und Faido habe ich mir in Erinnerung gerufen, so stehe ich nun südlich des ehemaligen Susts am Tunnelportal und hoffe einen vorbeirauschenden IR (Interregio) vor die Kamera zu bekommen. Stattdessen verhindert gleichzeitig ein ICN aus Lugano das Shooting!
Nun auf dem Bahnwanderweg "Via Gottardo Nr.77" durch die Piottino-Schlucht. Die Schlucht wurde im 16. Jahrhundert mit einer Strasse befahrbar gemacht - die sog. «Urnerstrasse» - was deutlich macht, dass die Urner damals auch südlich des Gotthards das Sagen hatten. Sie ist heute begrünt und dient als Wanderweg. Ich war übrigens den ganzen Tag alleine unterwegs!
Nach der Piottino-Schlucht beim Ponte di Mezzo führt die Route auf die linke Talseite und aufwärts nach "Mairengo". Die spektakuläre Tunnelführung der Gotthardbahn mit 360°-Radius wurde hier weltweit zum ersten Mal Realität: Freggio- und Prato-Kehrtunnel. Die Wanderwege lassen immer wieder Möglichkeiten zu, nahe die Bahn von oben bzw. unten zu erleben, ergänzende Tafeln säumen den Pfad, und die Geräusche vorbeigleitender Güter- und Personenzüge sind neben dem Dauerrauschen der Autobahn, die hier auch sehr prominent gebaut wurde, aufzunehmen. Beim Wegweiser Valegia entscheide ich mich für Mairengo; in der Dorfmitte setze ich mich auf die Terrasse der Osteria - vor dem Abstieg nach Faido kommt der dritte Espresso auf die Zunge!
Der
Anschlussbus von Faido nach Biasca entschwindet gerade - somit bleibt etwas
Zeit in Faido, die alten Gebäude am Bahnhofsplatz einer nähern
Betrachtung zuzuführen. Vergänglichkeit, verblassender Verputz
und ein halbes Dutzend Email-Schilder, die das Touring und Automobil aus
einer andern Zeit heraufbeschwören. Faido hatte noch 1988 glanzvolle
Zeiten. Der IR, der hier stündlich Richtung Norden bzw. Süden
hält, macht Halt auf einem Bahnhof, der verfällt. Unkraut schiesst
zwischen den Bahnschwellen hervor - nach Norden hin ist die helle Abraumhalde
des Zwischenangriffs Polmengo der NEAT zu erahnen.
Die Biaschina ist
ein weiterer bahntechnischer Höhepunkt, aber auch der Autobahnbau
erlebt hier eine schweizerische Superlative: die höchste Brücke.
Für fotografische Highlights braucht es Zeit - wer sich die wie in
einer Modellanlage scheinende Wirklichkeit ansehen will, kann auf Ergiebigkeit
setzen. Lass’ das Wandern und steige mal ab und wieder hinauf. Tu’ es jetzt,
in ein paar Jahren kann es sein, dass Bahnfahren nur noch in der Röhre
stattfindet.
Bedrina-Moor |
Piottino-Schlucht |
Ponte di Mezzo |
Zug unter der Autobahnbrücke |
Bergsturzgebiet vor Valegia |
2 h, aufwärts 270
m, abwärts 470 m
Dazio Grande 960m - Passo
Monte Piottino 1038m - Ponte di Mezzo 879m (0.45 h) - Ponte della Vicinanza
840m - Valegia 937m (0.45 h) - Polmengo di sopra 800m - Faido 755m (0.30
h)
Der alte Saumweg über den waldigen Passo Monte Piottino 1038m dauert rund eine halbe Stunde länger und ist ziemlich ruppig, bietet aber schöne Ausblicke über das Tal.Die Strada Bassa Airolo - Faido teilt sich am Dazio Grande: Entweder steigt man über den Passo Monte Piottino oder wandert wie oben entlang der "Via Gottardo Nr.77" durch die Schlucht. Beide Wege sind attraktiv und kommen beim Ponte di Mezzo wieder zusammen (sie sind ab Dazio Grande als Rundweg "Circùito" ausgeschildert).
Nun gehts kurz auf dem Teersträsschen abwärts, an riesigen Steinhaufen vorbei, welche aus den Innern der Neat-Baustelle stammen. Wir kreuzen die Kantonsstrasse; links versetzt gehts weiter zum Ponte della Vicinanza, wo rechts der Wanderweg ein Stück dem Waldhang entlang führt. Über Steintreppen gehts dann aufwärts zur romantischen Waldlichtung Pianzasca mit einer Aussichtsplattform der Via Gottardo, von wo man auf die Eisenbahnbrücken und nach Faido hinunter blickt.
Durch ein waldiges Bergsturzgebiet
steigt der Pfad steil und ruppig zum Wegweiser Valegia, wo sich
die Wege teilen. Die Strada Bassa senkt sich sanft abwärts nach Polmengo
di sopra und weiter nach Faido.
Gewandert: Mai 2009
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