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75
Wandertage Schwierigkeit Webcam

(+4)
T2
Via Spluga

Kulturweg von Thusis nach Chiavenna

-

Die Route ist als regionale Route Nr.50 markiert und ausgezeichnet dokumentiert

Kartenskizze
Webkarte Wanderland Schweiz
mit eingezeichneter Route
  • Die Etappen:

  • Allgemeine Beschreibung

    In abwechslungsreichen Tagesetappen wandern Sie auf den Spuren der Säumer und Walser vom Bündnerland nach Italien.
    Abkürzungsmöglichkeit: Durchgehende Postautostrecke.
    Gewandert: Sommer 2000.


    Anreise: mit der Bahn nach Thusis. (Fahrplan

     
    Tal-Variante zu Beginn (ohne Traversina-Steg):
    Thusis - Verlorenes Loch - Viamalschlucht, 1h30
    Das Verlorene Loch ist eine Engstelle mit einem Tunnel auf der alten Kommerzialstrasse, die 1818 bis 1823 als erste Fahrstrasse über die Bündner Alpen gebaut worden war. Heute gilt die Strecke zwischen Thusis und Rongellen als Baudenkmal und ist frei vom Autoverkehr. Die ViaSpluga durch das Verlorene Loch ist asphaltiert und führt der Westflanke der Schlucht entlang mit einer leichten, stetigen Steigung. Die Route "Verlorenes Loch" ist einfach zu begehen und ermöglicht dem Wanderer, die hohen Felswände und tiefen Schluchteinschnitte in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Eine Viertelstunde nach Unter-Rongellen - nach dem Traversina-Tobel - gibt es links einen Anschluss zum Wanderweg (oder man marschiert durch das lärmige, 300 m lange Autotunnel zur Viamala-Schlucht). Aus http://www.viaspluga.com


    Die Etappen
     
    1. Tag: 5h20, aufwärts 760 m, abwärts 500m - T2
    Route: Thusis 697m - Sils i.D. 683 m - Ehrenfels - Hohenrätien 946m - Abzw.Carschenna 974m - Traversinatobel 920m - Viamalaschlucht 864m (2h40) - Punt da Suransuns 911m - Reischen 1024m - Zillis 945m - Hinterrhein 928m - Donat 1043m - Picknickplatz 1100m - Clugin 1013m - Andeer 978m

    Wenig Hartbelag: Zu Beginn bis Sils (30min) sowie je 10 Min. vor und nach Zillis, Donat und Andeer.

    Outdooractive-Karte
    Neben dem Bahnhofkiosk in Thusis entdecken wir den ersten braunen Pfeil "ViaSpluga" und die Nummer 50 - diese Markierungen lotsen uns zuverlässig durch die ganze Tour. Wir gehen also Richtung  "Sils-Viamala" durch die Unterführung und am Schwimmbad vorbei. Auf einer luftigen Hängebrücke überqueren wir den Hinterrhein und erreichen Sils i.D. (Restaurant) - bei der Dorfkirche beginnt der Wanderweg hinauf zu den Mauern der Burg Ehrenfels und zur Burgruine Hohenrätien -oben erwartet uns ein schöner Blick ins Domleschg (Picknickplatz).

    Auf der schmalen und ausgesetzten, aber gut gesicherten "Veia Traversina" queren wir zum Traversinertobel, wo eine kühne Hängebrücke auf die andere Seite der Schlucht führt - oben im Brückenbuch kann man sich einschreiben. Der Traversina-Steg besteht aus einer neuartigen hängenden Treppe aus Lärchenholz und wird als "Juwel der Schweizer Ingenieurbaukunst" gepriesen.

    Abstieg zum Hinterrhein und nach links auf bequemem Weg talaufwärts. Wo sich die Schlucht verengt, führt ein schmaler Pfad über teils hohe Steintritte bergauf, quert die Felsen (stabile Eisengeländer) und senkt sich direkt zum Eingangskiosk der Viamala-Schlucht (Postautohaltestelle). Der halbstündige Abstecher (320 Treppen) zur Schluchtbesichtigung lohnt sich, besonders bei hohem Wasserstand.

    Nach rund 200 m auf der Lokalstrasse (mit Blick in die tiefe Schlucht) führt links eine weitere Hängebrücke, die Punt da Suransuns, auf die andere Talseite. Der romantischer Pfad schlängelt sich durch die Uferfelsen dem Hinterrhein entlang und steigt den Waldhang hinauf. Oben Kiesweg nach links, unter der Autobahn hindurch und nach rechts parallel dazu. Aufstieg auf Wurzelpfaden durch dunklen Wald von Davos Salegn. Durch landwirtschaftliches Gebiet, mit Sicht aufs ganze Tal, führt die Route weiter nach Reischen. Zahlreiche kunstvolle Trockenmauern und Naturwiesen säumen den Weg. Ab Reischen kurz dem Teersträsschen entlang und Abkürzung auf Saumpfad nach Zillis hinunter.

    Zillis ist berühmt für die Bilderdecke in der Kirche St.Martin mit Stationen aus dem Leben Jesu (der Besuch ist kostenpflichtig). Museum und mehrere Restaurants. Ab Zillis gibt es links und rechts des Tales Wege nach "Andeer" - die ViaSpluga führt abwärts zur Brücke über den Hinterrhein, wo sie noch 200 m der Strasse folgt, dann links abzweigt und dem Bächlein entlang nach Donath hinauf führt. Ausgangs Dorf eine alte Bogenbrücke zu bewundern - die erste Betonbrücke Europas.

    Unsere Route verläuft auf der ruhigen Talseite, meist durch Wald und landwirtschaftliches Gebiet. Nach einer gedeckten Holzbrücke führt das Strässchen zu einem schönen Picknickplatz hinauf.

    Weiter auf dem Strässchen könnte man über die Ruine Cagliatscha nach Andeer gelangen - unsere Route hingegen zweigt halblinks ab: ein schmaler, wunderschöner Wiesenpfad führt immer in gleicher Richtung nach Clugin hinunter. Wir umrunden das Gemeindehaus (Getränkeautomat) und wandern auf schattigen Waldwegen zur gedeckten Holzbrücke von Andeer. Der gepflästerten Strasse entlang erreichen wir das Dorfzentrum. Empfehlenswert ist der Besuch des Thermalbads - das 34 Grad warme Wasser ist nach einer langen Wanderung eine Wohltat!
     


    Gasthäuser


    Links


    Traversina-Steg

    stabile Eisengeländer

    Viamala-Schlucht

    Punt da Suransuns

    Kirche Zillis

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    2. Tag: 5h30, aufwärts 790 m, abwärts 300m - T2
    Route: Andeer 978m - Stauwehr Bärenburg 1079m - 1210m - Rofflaschlucht 1144m (1h45) - Festung Crestawald 1335 m - Sufers 1426m (2h15) - Splügen 1457m (1h30)

    Wenig Hartbelag: Zu Beginn, sowie vor und nach Sufers und Splügen je 10 Minuten..

    Outdooractive-Karte
    Von der Postautohaltestelle Andeer Post geht es 5 Minuten der Lokalstrasse entlang Richtung "Splügen". Vor der Autobahnunterführung nach rechts. vor der Brücke nach links durch ein Industrieariel, wo der berühmte grüne Andeer Granit zu Platten gesägt wird. Über einen schönen Waldhügel mit riesigen geschliffenen Gletscherfelsen und Schalensteinen hinunter zum Wasserkraftwerk Bärenburg. Beim Parkplatz, wo man die Strasse kreuzt, könnte man bei Regenwetter notfalls die Fahrstrasse nehmen. Schöner ist der etwas ruppige Wanderweg über den Waldhügel. Der Pfad führt über Felstritte, Platten und Wurzeln zum Gasthaus Rofflaschlucht. Vom Haus aus führt eine Felsengalerie in die Rofflaschlucht und zuhinterst sogar unter dem Rhein hindurch (Besichtigung ca. 20 Minuten). Der Weg in die Schlucht wurde in den Wintern 1907-14 von Hand erbaut. Die Geschichte zu diesem Lebenswerk und wie es dazu kam, kann im Hausmuseum besichtigt werden.

    Links vom Gasthaus Rofflaschlucht steigt ein ruppiger Pfad zum gekiesten Dach der Autobahngallerie hinauf, dann dem steilen Waldhang entlang, hoch über dem engen Tobel. Später führt der Weg hinunter zum Hinterrhein. Der abwechslungsreiche Weg führt über längere Zeit in teils anstrengendem Auf und Ab zwischen Hinterrhein und der wenig befahrenen Lokalstrasse, die man immer wieder streift - ab und zu ist der Wanderweg als Balkon der Strasse angehängt. Auf einem Hängebrücklein quert man schliesslich den Hinterrhein, kommt am Eisloch vorbei (noch Anfang Juni fanden wir dort Schnee und Eis), wo riesige bemooste Felsen von einem früheren Felssturz erzählen. Dann gehts 10 Minuten auf dem Seitenstreifen der Fahrstrasse entlang und rechts treppauf in den Wald hinauf, direkt zum ehemaligen militärischen Festungswerk Crestawald.

    Treppab zum Parkplatz des Festungswerks und  Wanderweg über einen Waldhügel, wo Kanonen und Schiessscharten auf die frühere Wichtigkeit dieses Orts zeugen. Wieder an der Fahrstrasse, kurz vor dem Stausee, verzweigen sich die Wege - die ViaSpluga führt nach rechts zwischen Strassen und Waldrand Richtung "Sufers", Blick auf den Sufersee. Durch landwirtschaftliches Gebiet gelangen wir nach Sufers, an der "ViaSpluga Raststätte" vorbei, wo man Getränken und einheimische Produkten erstehen kann. Das einzige Restaurant vom Dorf befindet sich unten am See (5 Minuten).

    In Sufers halten wir die Richtung und nehmen nach dem Hof Wissbad den leicht ansteigenden Weg durch den ausgedehnten Chilchwald, an Ausläufern von grossen Geröllawinen vorbei. Wo wir aus dem Wald treten, sehen wir links die Burgruine Splügen und vor uns das Dorf Splügen, dahinter die Schneeberge. Bereits erahnen wir die Fortsetzung der ViaSpluga, die in Splügen einen rechten Winkel nach links macht (geradeaus ginge es zum San Bernardino-Pass). Unser Weg führt an der Kirche vorbei und ins historische Dorfzentrum von Splügen hinab (Busstation).

    Gasthäuser


    Links


    Rofflaschlucht

    Fussweg-Balkon

    Sufers mit Stausee

    Ruine Splügen

    Dorfplatz Splügen


    Webcam Splügen
    3. Tag: 4h45 - 6h30, aufwärts 700 m, abwärts 900m - T2
    Route: Splügen 1457m - Hübscherenbach 1664m - Marmorbrücke - Bodmastafel 1790m - Schwarzhütte 1804 m - Splügenpass 2115m (2h15) - Cerfui 2063m - Monte Spluga 1920 m (30min) - Staumauer 1898m - Cardinelloschlucht - Soste 1544m - Rasdeglia - Mottaletta 1350m - Isola (I) 1253m (2 h)
     
    Splügen - dem Hüscherenbach entlang - Bodmästafel - Schwarzhütte - bei 1845 m nach der Spitzkehre: Überquerung des Bachs - auf einer alten Pflästerung (hier lohnt sich ein Abstecher zum Berghaus Splügenpass) über den Altbärg zur Landesgrenze nach Italien.

    Den Zollposten auf dem Splügenpass rechts liegen lassen und hinunter nach Monte Spluga (Unterkunftsmöglichkeiten, Läden und Restaurants).
    Dem rechten Seeufer entlang, dann über den einen Damm zum Abstieg durch die wildromantische Cardinelloschlucht. Der 360 Jahre alte Säumerweg (Treppen, Galerien, Stützmauern) wurde mit aufwendigen Hilfsmassnahmen an die linke Schluchtwand gebaut; Vorsicht bei nasser Witterung! Über Soste 1544 und Rasdeglia nach Isola (Busstation).


    Gasthäuser


    Links

    4. Tag: 5 - 6 h, aufwärts 110 m, abwärts 1040m - T2
    Route: Isola 1253m - Campodolcino 1104m - Vho - Gallivaggio 788m - S.Giacomo - Chiavenna 325 m

    In Isola wandern wir talabwärts Richtung "Portarezza-Campodolcino", eine idyllische Ebene mit steilen Bergtäler. Im Weiler Vho befindet sich die "Scribàita", eine grosse Gneisplatte mit rechtswinkligen, treppenartig verlaufenden Aushöhlungen, über deren Ursprung nichts Genaues bekannt ist. Weiter gehts an den beiden Wallfahrtskirchen von Gallivaggio und S.Giacomo vorbei. Schliesslich treffen wir in Chiavenna ein, das schon zu Römerzeiten ein wichtiger Handelsplatz war. Schöne Altstadt, die zu besichtigen sich lohnt. In einem der zahlreichen Grotti kann Trekkingroute genussvoll beendet werden.


    Gasthäuser


    Links


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    Wer noch nicht genug hat: Chiavenna - Graubünden:

     
     
    Links
    Zwölf Kulturwegrouten führen durch alle Teile des Landes.
    Erlebnismagazin in D,I,F,E, 100 Seiten, über 220 Abbildungen, CHF 8.– plus Versandkosten: http://www.viastoria.ch/


    Die Via-Routen


    Organisierte Wanderungen:
     

  • Via Spluga mit Gepäcktransport: http://www.splugen.ch
  • Via Spluga mit Maultieren: http://www.trekk.ch
  • Via Spluga von Süden nach Norden, 6 Tage mit Gepäcktransport: http://www.tcen.de
  • "Via Spluga" und "Bündner Südtäler":  http://www.lardigraficaviaggi.ch
  • Das Posthotel Bodenhaus in Splügen offeriert für ihre Hotelgäste die 4-tägige Fernwanderung Via Spluga mit Hotelbus-Transfer zum jeweiligen Ausgangs- und Endpunkt jeder Etappe und mit frei wählbarem Datum von Juni - Oktober. Vorteil: kein Gepäcktransport, Flexibilität bei schlechtem Wetter. Details siehe: http://www.hotel-bodenhaus.ch/
  • Via Spluga - botanisch entdecken
  • Via Spluga, mit Dokumentation, Helpline, Übernachtung und Gepäcktransport: http://www.swisstrails.ch


  • Dokumentation

    "Via Spluga" bei Amazon.de

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    Via Spluga - Zwei Grossmütter überqueren die Alpen

    «Über die Alpen gegen Süden wandern». Diesen Wunsch hegten meine Freundin und ich seit langem. Beide sind wir bestandene Grossmütter und wie lange wir grosse Touren bewältigen, wissen wir nicht.
    Verena Sandmeier, 04.05.2006 Ein Erlebnisbericht aus dem "Seniorenweb"

    Also: Rucksack packen und los geht‘s!

    Die Via Spluga beginnt in Thusis und führt auf Wanderwegen und alten Säumerpfaden nach Chiavenna. Die Buchung dieser Tour sichert fünf Übernachtungen inkl. Frühstück, Lunchpaket und den Transport des Gepäcks.

    In Thusis hangen die Wolken bis ins Tal. Feiner Regen testet unsere Pelerinen. Wir überqueren den Hinterrhein. Der Pfad wird steil und glitschig. Während einer halben Stunde setzen wir unsere Füsse besonders sorgfältig auf. In der Tiefe rauscht der Rhein, ein junger, ungestümer Bach.

    Viamala

    Die Viamala — schlechter Weg — zieht sich durch die Schlucht. Der Rhein brodelt und tost. An den steilen Wänden sehe ich Spuren von Gletschermühlen, in Tausenden von Jahren ausgeschliffen von einer Kraft, die sich unaufhaltsam durch den Fels gekämpft hat. Langsam tastet sich die Sonne durch die Wolken.

    Die Kirche Zillis ist ein Wunder an Bildern, die im 12. Jahrhundert an die Holzdecke gemalt wurden. Mit Hilfe eines Spiegels verfolgen wir die Lebensgeschichte Jesu.

    Erstes Ziel: Andeer

    Unser erster Wandertag findet sein Ziel in Andeer, Hotel Fravi. Wir geniessen Badezimmerfreuden, strecken unsere müden Beine aus und freuen uns aufs Nachtessen. Der Speisesaal füllt sich. Ältere und alte Leute suchen ihren Platz. Die Gehhilfen stellen sie in eine Ecke; den Rollator schieben sie vorsichtig vor sich hin. Eine Seniorengruppe ist hier zu Gast. Wir schauen einander an: noch sind wir aus eigener Kraft unterwegs, noch können wir gehen, wohin die Füsse uns tragen. An den Nebentischen wird gelacht und gescherzt: «Wir sind zwar alt, haben allerlei Bresten — aber wir freuen uns am Leben.»

    Am Morgen sind die Berge noch immer Wolkenverhangen. Unser Weg führt durch das Stein-Werk Conrad. Granit aus Andeer ist grünlich mit weissen Adern. Wir schauen den Arbeitern zu. Ein mächtiges Fräsenblatt kreischt sich durch einen Steinblock. Platte reiht sich an Platte — Material für Tische, Bänke, Abdeckungen, Fussböden.

    Wir betreten den Wald, steigen bergan über Stufen und Wurzeln zum Kraftwerk Bärenburg, schwitzen, keuchen. Abstieg zur Rofflaschlucht. Hier hat ein Mann mit eigener Kraft vor langer Zeit in den Wintermonaten den Felsen entlang einen Weg über dem tosenden Rhein geschlagen. Der Wasserfall begrüsst uns mit feinem Sprühregen.

    Wir sitzen an einem der Holztisch im Hotel Rofflaschlucht. Die Wirtsleute sind jung; sie hoffen auf einen guten Sommer, leben praktisch vom Tourismus.

    Wir folgen unserem Weg, bergauf, bergab. Nach einer langen Strassen-Baustelle steigen wir wieder in den Wald. Nun verläuft unser Weg parallel zur Autostrasse. Man riecht es. Das Rauschen des Rheins vermischt sich mit Motoren- und Baulärm. Endlich lassen wir die Bauerei hinter uns und gehen über Stock und Stein auf schmalem Weg über dem Fluss. Hin und wieder begegnen wir Wanderern. Die letzte Strecke vor dem Suterer-See ist eine lästige Geröllhalde, steil, mit hohen Tritten, die uns das Gruseln beibringt. Ich bin hässig — wo hetzen die uns hin?

    Nach Sufers nehmen wir die letzte Strecke vor Splügen unter die Füsse. Meine Beine werden schwer. Ich schalte auf «Automat», setze einen Fuss vor den andern. Der Stundenhalt wird gestrichen. Nicht mehr hinsetzen — erst am Ziel.

    Splügen

    Splügen liegt vor uns. Wir besuchen die Kirche, bewundern das kunstvolle Chorgestühl aus Arvenholz. Dann finden wir das Hotel Weisses Kreuz. Eine Meisterleistung des Architekten — alte Bausubstanz in Verbindung mit modernen Materialien. Schön, aber teilweise nicht sehr praktisch. Unser Badzimmer ist über eine Treppe mit hohen Stufen erreichbar. Nehmen denn heute die Treppen kein Ende? — Bei einem Glas Herrschäftler Weissen stossen wir auch auf diesen Wandertag an.

    Was für eine Nacht! Wir können nicht einschlafen. Noch um 1 Uhr wälzen wir uns hin und her. Wenn Vre sich dreht, schaukelt auch mein Bett, als ob wir uns bei Windstärke 5 auf See befänden, und umgekehrt. Das Designer-Badzimmer wird häufig frequentiert. Mein Bauch rebelliert. Treppauf — treppab! Ob es wohl Geister gibt in diesem Zimmer? Ein ruchloser Säumer hat vielleicht vor 300 Jahren die Küchenmagd geschändet. Was geschah auf dieser unseligen Treppe? Was in diesem Zimmer, das früher als Küche diente?

    Auf dem Säumerweg über den Pass

    Der Himmel ist wolkenlos; die Berge türmen sich frisch gewaschen vor unseren Augen. Der Weg steigt durch Lärchen- und Tannenwald. Die Blumen nicken uns zu — sie sind wieder alle da: Orchideen, Margeriten, Teufelskralle, Distel, Hauswurz und alle Kleinen, deren Namen ich nicht kenne. Säumerweg, so haben wir ihn uns vorgestellt. Grosse Pflastersteine bilden die «Strasse», links und rechts eingefasst mit grossen Blöcken. Bis zur Passhöhe gehen wir drei Stunden. Eine Zollstation, zwei Grenzwächter — wir sind in Italien. In Monte Spluga gibt‘s echten Cappuccino. Vor der Schlucht Cardinello sinkt mein Mut. Die Wegbeschreibung empfiehlt Trittsicherheit und rät, die Schlucht bei Nässe zu meiden. Wir beschliessen, mit dem Postauto nach Isola zu fahren. Wir fragen ein paar Kraftwerkarbeiter, wann der nächste Bus fahre. «Um 6 Uhr abends» ist die Antwort. Jetzt ist 15 Uhr. Ach herrje! Zwei Männer laden uns ein, mit ihnen zu Tal zu fahren.

    Im «Albergo Mangusta» ist ein Zimmer bereit, einfach, sauber, freundlich. Die Besitzerin begrüsst uns herzlich. Leider kommt kein warmes Wasser aus der Dusche. Sonst ist alles gut. Ich nehme ein Kopfwehpulver und schlafe eine Stunde. Auch mein Bauch beruhigt sich.
    Nicht viele Gäste sind im Ristorante. Ein Paar — wohl nicht verheiratet, die Unterhaltung sprudelt — sitzt neben uns. Dazu in einer Ecke die Wirtsfamilie, vier Kinder und der Papa. Die Mama bedient mit ihrer Schwester die Gäste. Die beiden jungen Frauen führen das Gasthaus. Wir gehen früh schlafen. Vre sagt am Morgen, ich hätte geschnarcht wie ein Sägewerk.

    Der Morgen ist herrlich. lsola wird dominiert von den Kraftwerksbauten. Wir wandern dem Stausee entlang, gehen ein Stück auf der Fahrstrasse. Und was jetzt kommt, ist wahre Freude. Wir zweigen nach einer Viertelstunde Landstrassen-Tippel rechts ab, überqueren eine Wackelbrücke und sind wieder auf dem «echten» Säumerweg. Dem Bach entlang über Stock und Stein, durch Bergsturzgebiet. Ein Agriturismo bei Campodolcino lädt zu einem Cappuccino ein. Dann geht es weiter. Mir scheint, dies sei der schönste Teil der ganzen Via Spluga. — Ein leichtes Auf und Ab, meistens ab. Wir müssen eine ziemliche Höhendifferenz von lsola (1260 m) nach Chiavenna (330 m) überwinden. Aber es lohnt sich. Der Bach ist unser treuer Begleiter. Zum Schluss ein Stück der Strasse entlang, dann treffen wir auf die ersten Häuser von Chiavenna.

    Chiavenna

    Das Zentrum ist sehr schön. Enge Gassen mit Pflastersteinen und zwei breiten Streifen Granitplatten: Marciapiedi. Chiavenna ist eine Mischung aus Bergdorf und südlichem Charme. Das Nachtessen ist gut: Gnocchi alla Chiavennese, Polenta mit Ricotta, Frutta fresca. Die Italiener geniessen die laue Nacht vor unserem Fenster. Gelegentlich schlafen wir trotzdem ein.

    Auf dem Bahnhof warten wir auf das Postauto nach St. Moritz. Die Fahrt durchs Bergell ist herrlich. Immer wieder locken gelbe Wegweiser. Es juckt uns in den Füssen. Doch für dieses Mal ist unsere Wanderwoche zu Ende. Im Bahnhof St. Moritz stellen wir unser Gepäck ein und gehen ins Dorf. Es wirkt alles so geschniegelt. Die Auslagen in den Schaufenstern sind von einer anderen Welt. Wir trinken Kaffee und steigen zum See hinunter, ein letzter Spaziergang. In der Meierei sitzen wir auf der Terrasse und stossen noch einmal auf diese Wanderwoche an. Wir sind dem Schicksal dankbar, das uns trotz unseres fortgeschrittenen Alters solche Touren gewährt und wir stossen an auf die nächste Wanderwoche. Wie wär‘s mit der Via Bregaglia?


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    Chiavenna - Innerferrera: vom Endpunkt der Via Spluga zurück in die Schweiz


    Als Grundlage diente mir der vom Verkehrsverein Thusis herausgegebenen Prospekt „Kultur- und Weitwanderweg - Thusis-Splügenpass - Chiavenna, Via Spluga“, welcher auch auf der „wandersite“ beschrieben ist. Wir haben allerdings - angelangt in Chiavenna - die Rückwanderung in die Schweiz zusätzlich noch gemacht. Hier mein Wanderbeschrieb ab Chiavenna.
     

    Kreuzgang in Chiavenna
    1. Tag: 4 1/2h, aufwärts 900m, abwärts 400m - T 2
    Mit öffentlichem Verkehr von Chiavenna nach Cimaganda
    Route: Cimaganda 900m - Avero 1678m - Motto di Bondeno 1786m - Gualdera 1430m

    In Chiavenna (333 m) haben wir unweit des Bahnhofes im Hotel Flora übernachtet. Auf dem Bahnhofplatz von Chiavenna befindet sich der Busbahnhof. Die Fahrkarten erhält man in dem östlich des Bahnhofes gelegenen Tourist-Office, welches allerdings nur stundenweise geöffnet ist. Zwischen 08.00 und 08.30 Uhr fährt der öffentliche Bus (nicht das CH-Postauto) Richtung Norden Richtung "Madesimo".
    In Cimaganda verlassen wir den Bus, und sehen bei der Kirche den Wegweiser, welcher rechts (östlich) von der Hauptstrasse abbiegt. Meter um Meter steigt unser Wanderweg an, über steile Wiesen, auf gutem Weg durch Geröllhalden, wo wir zwischendurch die Aussicht ins Val San Giacomo geniessen. Der Weg führt uns auf einem Plattenweg weiter durch einen lichten Wald von Stauden. Achtung: die Steinplatten sind oft feucht und teilweise wackelig.
    Aufstieg nach Avero
    Wir lassen die Bäume hinter uns, der Weg führt uns auf die Alp Avero, eine Maiensäss mit rund 10 gut erhaltenen Steinhäusern, welche teilweise als Ferienhäuser dienen und einer neurenovierten Kapelle. Der anstrengende Aufstieg macht uns durstig. Leider hat es in Avero kein Restaurant, dafür einige Brunnen mit kühlendem, frischem Wasser.
    Avero
    Einige Meter oberhalb von Avero sehen wir die gelben Wegweiser, überqueren auf einer guten Brücke den Bach und nehmen die letzten 100 Höhenmeter dieses Tages unter die Füsse. Von Motto di Bondeno, dem höchsten Punkt dieses Tages, wandern wir über Wiesen und kommen nach 500 m auf eine Alpstrasse, welche weiter unten (leider) asphaltiert ist. Gualdera, auf einem Plateau gelegen, ist ein kleines Feriendorf, welches im Sommer vorwiegend von Schullagern und Ferienlagern genutzt wird.
    2. Tag: 4h, aufwärts 700m, abwärts 150m  -  T 2

    Route: Gualdera 1430m – Fraciscio 1341m - Calcagnolo di Sotto  1700m - Rifugio Chiavenna (Angeloga) 2042m

    In gleicher Richtung, wie wir gestern gekommen sind, geht’s heute weiter. Nach 500 m verlassen wir die Autostrasse und folgen, dem Waldrand entlang, dem Wanderweg. Vor uns sehen wir bereits den Winterkurort Fraciscio. Wir folgen den Wegweisern Richtung "Rifugio Chiavenna (Angeloga)" auf einer Autostrasse, welche später etwas schmaler wird und schlussendlich in einen Bergwanderweg hinüberführt. Im Zick-Zack geht’s hinauf bis zum Punkt 1970 m. Von dort sind es nur noch einige Meter bis zur Hütte Rif. Chiavenna (Angeloga).

    Sollte man noch Lust auf einen Spaziergang haben, oder vielleicht sogar für ein Bad, so stehen verschiedene Seen in der Umgebung zur Verfügung: Lago di Angeloga, Lago Nero, Lago Caldera, Lago Ballone etc. Aufgrund der hervorragend gekochten, italienischen Spezialitäten, ist die Hütte des italienischen Alpenclubs über die Wochenende gut besucht.


    Variante:
    Bei schlechtem Wetter kann man den Aufstieg und die Uebernachtung in der Hütte Chiavenna-Angeloga auslassen und von Fraciscio 1341m auf einem schönen Waldweg über Motta 1750m wandern und von dort, teilweise auf einer Autostrasse, weiter nach Madesimo 1538m. Wir haben jetzt die Möglichkeit: entweder in Madesimo zu übernachten oder gleich weiter marschieren und direkt die für morgen vorgesehene Hütte Rifugio Bertacchi als Uebernachtungsort zu wählen. Unsere Tour würde demzufolge um einen Tag kürzer werden.
    3. Tag: 5h, aufwärts 900m, abwärts 700  -  T 2
    Route: Rifugio Chiavenna 2042m - Val Alta 2228m - Motta di Sopra 1850m - Madesimo 1538m - Casone 1646m - Rif. Bertacchi 2172m

    Neben der Hütte weist uns der Wegweiser nach "Madesimo". Rund 2 km wandern wir auf gleicher Höhe, mit wenigen Auf und Ab entlang dem Berghang, überqueren das „Val Crotto“, das Val Alta 2228m, verlassen die steilen Abhänge und gelangen auf Alpwiesen nach Motta di Sopra. Nun steuern wir dem bekannten Winterkurort Madesimo zu.

    Wir pilgern der Haupstrasse entlang, doch bereits nach 2 km, bei Casone, sind wir weg von der Zivilisation, auf einem schönen Wanderweg, welcher Schritt für Schritt in die Höhe geht. Dem Bach „Scalcoggia“ entlang steigen wir höher, überqueren den Bach und bereits sehen wir die Hütte Rif. Bertacchi, mit dem etwas tiefer liegenden See „Lago di Emet“.


    4. Tag: 4h, aufwärts 150m, abwärts 800m  -  T 2

    Route: Rif. Bertacchi 2172m - Pass da Niemet 2294m - Cuort Viglia 2073m - Alp Niemet 1899m - Punt da la Muttala 1823m - Innerferrera 1481m

    Von der Hütte geht es schön gemütlich, auf gutem Wanderweg hinauf Richtung "Niemet-Pass". Wenn wir den Zeitpunkt nicht verpassen, sehen wir links den Lago di Monte Spluga, den wir vor einpaar Tagen (sofern wir die Via Spluga gemacht haben) entlang gewandert sind. Wir  sind aber schon nach wenigen Schritten auf dem Pass da Niemet.

    Jetzt geht es nur noch runter, über Alpwiesen nach Cuort Viglia. Bei der Alp Niemet kommen wir auf eine Alpstrasse, bei Punt da la Muttala nehmen wir den rechten Weg, immer der Alpstrasse entlang, welche uns in grossen Schlaufen hinunter zum „Madrischer Rhein“ führt.

    Wir überqueren die Brücke und müssen wohl oder übel noch 20 Höhenmeter über uns ergehen lassen, bis wir in Innerferrera „einmarschieren“ können. (Ich sag’ Dir lieber Freund, das Bier ist gut!)
    Die Postauto-Haltestelle befindet sich mitten im Dorf, nicht an der Umfahrungs-Strasse.
     
    Gasthäuser und Links
    Feuerlilie


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