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Pilgerweg Rhein - Reuss - Rhone

ein Anschlussweg zum Jakobsweg vom Kloster Disentis Graubünden zur Abtei St-Maurice im Wallis


Die Schweiz auf dem südlichen Jakobsweg durchqueren!
Eine markante Furche durchzieht die Schweizer Alpen von Ost nach West. Es ist die Rhein-Rhone-Linie, die in ihren Quellgebieten nur durch die Reuss getrennt wird. Vom lieblichen und bewaldeten Vorderrheintal über den Oberalppass ins karge Urserental und über den Furkapass ins sanfte U-Tal des Goms sind wir im Gebirge oberhalb 1000m unterwegs. Die Pässe sind im Winter nicht begehbar, doch hilft uns die rote Matterhorn-Gotthard-Bahn aus, den Weg je nach Saison dennoch zu starten – sie bleibt unsere Versicherung. Den Rest des Weges sind wir im Rhonetal und an seinen besonnten Rebhängen – in Zivilisationsnähe – unterwegs. Sprachlich ist Abwechslung garantiert; wir beginnen in der rätoromanischen Surselva, gelangen über den Oberalp ins ehemalig walserdeutsche Urserental, weiter über die Furka ins höchstalemannische Oberwallis und schliesslich überschreiten wir beim Pfynwald die Sprachgrenze zum Französisch. Da wir uns im touristischen Kerngebiet der Zentralalpen befinden, wurde die Beherbergung für Pilger fast aufgegeben. Wir werden dennoch ein paar wenige Betten bei religiösen Gemeinschaften finden.

Was Disentis mit St-Maurice verbindet
Beide Klöster sind aus Märtyrerlegenden mit Enthauptungen entstanden: Placidus in der Desertina, Mauritius in der Talenge des Wallis. Und beide Klöster haben eine über tausendjährige Geschichte. In der Römerzeit waren beide Gebiete vorübergehend in derselben Provinz vereint und hatten gute Kontakte und Ost-West-Verbindungswege. In der bereits erwähnten Talfurche liegt eine Perlenschnur, in die alle paar Kilometer von Disentis bis Brig urchige Dörfer als Charakterperlen geknöpft sind. Dazwischen liegen Nadelwälder und saftige Mähwiesen, die akribisch gepflegt werden. Von Brig abwärts liegen die alten Dörfer auf Schuttkegeln und am Sonnenhang, denn erst vor 150 Jahren konnte die zerstörerische Rhone gezähmt und die Talebene bebaut werden. Rhein, Reuss und Rhone sind unsere ständigen Begleiter, genau wie die Matterhorn-Gotthard-Bahn auf der ersten und die SBB auf der zweiten Hälfte unserer zweiwöchigen Tour.

Langeweile könnte auf unserer zweiwöchigen Pilgerfahrt nur bei der Religion aufkommen; katholisch, von Disentis bis St-Maurice. Aber weit gefehlt! Dem war nicht immer so, Lassen Sie sich ein in Intrigen, Mord und Totschlag, Hoffnung und Glaube, die die Menschen in dieser Gebirgswelt in der Religion fanden und noch bis vor zwei Generationen auch lebten. Wir werden neben den Spuren von Pilgerheiligen auf jeder Etappe sakrale Schönheiten und Kuriositäten kennenlernen, wie der Gottesglaube den Alltag dominierte. Wo begegnet man sonst noch Wänden mit zehntausenden von Schädeln, einem Ledigenfriedhof, Bischöfen, die ihre Seele mit dem Teufel verwettet haben, „Kreditkarten“, die regelten wann, wer, in welcher Reihenfolge zur Prozession zu gehen hatte usw.  Während die Calvinisten und Reformierten im «Unterland» mit ihrer Arbeit gottgefällig sein wollten, machten es die Katholiken mit Beten und Spenden für neue Kirchen und Kapellen. So treffen wir zwar auf wirtschaftsschwache Täler, können aber umso mehr die reiche Sakrallandschaft geniessen, die tagsüber – zur Verblüffung von Ausländern – meistens offen ist. Geniessen wir die Kapellen als kleine Museen! In den ersten Tage begegnen wir üppigstem Alpenbarock. Mit zunehmender Distanz und abnehmender Meereshöhe löst ihn die strenge Spätgotik ab, teilweise unterbrochen durch die steindurchsetzte Romanik. Und als Abschlussbouquet Kirchen, Ausgrabungsstätten und ein neu gestaltetes Museum des Klosterschatzes von St. Maurice, der sogar im Louvre in Paris zum Publikumsmagnet wurde.
Pilgerweg Rhein-Reuss-Rhone, Route
Routenverlauf aus dem "Pilgerführer" mit GPX-Daten
Pilgerführer
                Sakrallandschaft vom Kloster Disentis bis St-Maurice


Pilgerführer
mit spannenden Hintergrundinformationen,
Karten und Höhenkurven:

Rotten-Verlag, ISBN 978-3-906118-88-8
Wanderlandkarte
Pilgerweg Disentis - Brig, Karte SchweizMobilPlus
Wanderlandkarte, Pilgerweg Brig -
                      St-Maurice
Pilgerweg Brig - St-Maurice, Karte SchweizMobilPlus

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An- und Rückreise:
Die meisten Orte haben Bahn-, Postauto- oder Busverbindung, was Abkürzungen ermöglicht. Die Züge zwischen Disentis und Realp oder zwischen Oberwald und St-Maurice verkehren stündlich.


1. Etappe, Disentis - Sedrun - Rueras - Tschamut - Oberalppass 2050m
6h05, aufwärts 1140m, abwärts 230m, 21,3km

Der Oberalppass ist im Winter für Wanderer geschlossen! Er ist jedoch mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) zu erreichen.

Barock vom Feinsten zum Start: Das Kloster Disentis war Ende 17. Jh. das Erstlingswerk von Caspar Moosbrugger, der später das Kloster Einsiedeln baute. Ein perfekt inszenierter opulenter Barockbau mit zahlreichen Altären, grosser Orgel und in Stuck gefasste jugendstilartige Deckenmalereien preisen den Gläubigen den Himmel auf Erden an.

Durch gepflegte Mähwiesen und kleine schmucke Weiler mit Kapellen, wo dem Pilgerheiligen Jakobus immer wieder in Details gedacht wurde, geht es auf dem Jakobsweg Nr. 43 in die teils bewaldete Talenge nach Sedrun. Hier schwenkt der Bündner Jakobsweg nach Norden an den Vierwaldstättersee ab. Das Dorf zieht sich auf dem Schuttkegel über zwei Bäche hinweg. An den Altären der Vigiliuskirche war Gommer Starschnitzer Johann Ritz am Werk, wie schon in der Klosterkirche in Disentis. Wir wechseln kurzzeitig die Rheinseite und gelangen mitten über den Golfplatz nach Tschamut.

Erhöht am Sonnenhang erreichen wir, der Bahnlinie entlang, den Oberalppass. Der Leuchtturm, an die nahe Quelle des Rheins und seinen 1233 km langen Fluss nach Rotterdam erinnernd, begrüsst uns zur wohlverdienten Nachtruhe auf dem Pass.

Links:
Pilgerweg Etappe 1 Disentis
                        Oberalppas
Disentis - Oberalppass
Klosterkirche Disentis
Klosterkirche Disentis
Kirche Sedrun
Kirche Sedrun
Rueras
Rueras
Kapelle
                        Tschamut
Kapelle Tschamut
Oberalppass, Leuchtturm
Leuchtturm am Oberalppass


2. Etappe: Oberalppass - Nätschen - Andermatt - Hospental - Realp
5h30, aufwärts 370m, abwärts 870m, 20.9km

Vom Oberalppass durch das Urserental: Leicht fallend, entlang des Oberalpsees, durch blumenreiche Weidewiesen und Sümpfe kommen wir nach Nätschen. Das Urserental gleicht hier einer Badewanne. Links der Gotthardgranit, rechts der Aaregranit.

Durch den nordseitigen Schutzwald von Andermatt bauen wir im Zickzack 500 m Höhe ab. Die Kolumbanskirche am Taleingang zur Schöllenenschlucht ist die älteste Kirche des Urserentales, und war Pfarrkirche. Nach dem massiven Holzschlag für die berühmte Brücke über die Schöllenen wurde es in «Altkirch» zu ungemütlich. Grossvater Johann Schmid baute 1602 nördlich eine neue Kirche im heutigen Dorf, Bartholomäus Schmid barockisierte sie hundert Jahre später. Hier treffen wir auf die Kopfreliquiare der Zürcher Heiligen Felix und Regula. Sie waren Gefährten von Mauritius aus der Thebäischen Legion und ägyptische (koptische) Christen zur Zeit der römischen Kaiser. Heute prägt ein anderer koptischer Christ aus Ägypten das Dorf: Samih Sawiris macht die Region fit für zahlungskräftige Touristen. Bartholomäus Schmid prägte das Urserental mit seinem Hochbarock nicht nur sakral. Wir treffen in Hospental und Zumdorf auf weitere seiner Werke.

In Hospental kreuzen wir bei der Karlskapelle den Tessiner Anschlussweg an den Schweizer Jakobsweg. Der Reuss entlang erreichen wir – der Nachmittagssonne entgegen – Realp.

Links:
Pilgerweg, Etappe 2
                        Oberalppass - Realp
Oberalppass - Realp

Oberalpsee beim
                        Oberalppass
Oberalpsee
Schutzwald
                      oberhalb Andermatt
Schutzwald oberhalb Andermatt
Andermatt, Pfarrkirche
Andermatt, Pfarrkirche
Uferweg
                        an der Reuss bei Hospental
Reuss-Uferweg bei Hospental

Realp
Realp, Furkapass vorne rechts

3. Etappe: Realp - Furkapass 2430m - Gletsch
5h25, aufwärts 1040m, abwärts 820m, 15,2km

Dampfend und zischend über den Furkapass! Unser topografischer Höhepunkt ist der Furkapass auf 2430m. Die Zeiten sind vorbei, als hier Sean Connery am Goldfinger des James Bond drehte oder Richard Long und Max Bill ihren künstlerischen Freiheiten freien Lauf gelassen haben. Nur die originalen Dampfloks, die von Vietnam wieder zurückgekauft wurden, dampfen dank hunderttausenden von Stunden von freiwilligen Dampfbahn-Fans wieder auf der alten Bergstrecke. Der 1982 eröffnete Furkatunnel ist das ganze Jahr offen.

Beim Abstieg vom Furkapass ist auch der Rhonegletscher nicht mehr zu sehen. Mit dramatischem Tempo schmilzt er gegen den Dammastock hin zurück. Noch ist die eisblaue Gletschergrotte, die jedes Jahr neu angelegt wird, zu besuchen. Das Gletscherwasser ist die Quelle der Rhone - siehe auch der markierte Vier-Quellen-Weg.

Wir können das Gletschervorfeld beobachten und anhand der Moränen und Pflanzen bestimmen, wann der Rückzug wo wie weit war. In Gletsch übernachten wir im Grand Hotel Glacier du Rhône, das vor 100 Jahren noch 320 Gästebetten anbot. Das war auch die Zeit, in der man den noblen englischen Gästen eine Kirche baute.

Links:
  • Wanderung in der Gegend: Furka- und Grimselpass
  • Gletsch an der Furka (1797m, Bushaltestelle): Grand Hotel Glacier du Rhône, Tel. 027 973 15 15, historisches Hotel mit Restaurant und Aussichtsterrasse.
    Achtung: In der Saison 2019 und 2020 sind aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten keine Übernachtungen möglich! Das Restaurant mit Sonnenterrasse bleibt täglich geöffnet von Juni bis September
  • Obergoms Rhonequelle an der Furkastrasse (1569m, Bushaltestelle): Hotel Rhonequelle, Tel. 027 973 40 83
  • GPX-Daten 3.Etappe Pilgerführer
Pilgerweg Etappe 3 Realp - Gletsch
Realp - Furkapass - Gletsch
Dampfbahn zum Furkapass
Dampbahn am Furkapass
Rhonegletscher oberhalb Belvedere, Quelle
                          der Rhone
Rhonegletscher

Blick auf die Auenlandschaft von Gletsch
Auenlandschaft von Gletsch

Gletsch, anglikanische Kirche
Gletsch
Hotel Glacier du Rhone, Gletsch
Gletsch, Hotel Glacier du Rhone
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4. Etappe: Gletsch - Oberwald - Münster VS
4h25, aufwärts 135m, abwärts 500m, 15.3km

Hinweis: Ab Oberwald haben wir jede halbe Wegstunde die Möglichkeit, auf die Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) umzusteigen.

Der Rotten (die Rhone) ist von Gletsch an unser ständiger Begleiter bis St. Maurice. Wir werden miterleben können, wie der Strom wächst. Der Wanderweg stiehlt sich auf den ersten anderthalb Wegstunden neben Strasse und Eisenbahn durch die Talenge nach Oberwald. Noch oberhalb des ersten Dorfes treffen wir auf die Nikolauskapelle, wo der Pilger- und Reiseheilige um einen unfallfreien Passübergang angefleht wurde.

Pilgerstempel in der St.Anna-Kapelle UlrichenIn Oberwald finden wir eine Heilig-Kreuz-Kirche – das Pendant zur Heiligkreuzkirche in Realp am anderen Ende des Furkapasses (Pilgerstempel). Die nächsten 20 km im traumhaft schönen U-Tal weisen kaum Gefälle auf. Aus jedem der braungebrannten Holzhäuserdörfer ragt ein blendend weisser Kirchturm, im Hintergrund grüne Wiesen und dunkle Schutzwälder, darob der stahlblaue Himmel, hart an der Grenze zum Kitsch.

Der Rottenweg geleitet uns via Obergesteln und Ulrichen
(St.Anna-Kapelle mit Pilgerstempel) nach Münster (Monasterium, ehemaliges Kloster). Wir dürfen die Rottenbrücke mit dem Weg hinauf zum Dorf nicht verpassen, denn in der gotischen Pfarrkirche der ehemaligen Grosspfarrei wartet einer der schönsten gotischen Altäre der Schweiz auf uns, ebenso das angrenzende Pfarreimuseum, die schmucke kleine Peterskirche und die bemerkenswert barock ausgestattete Antoniuskapelle auf dem Biel.

Links
:

Pilgerweg Etappe 4: Gletsch -
                        Oberwald - Münster VS
Gletsch - Oberwald - Münster
St-Niklaus-Kapelle Oberwald
St-Niklaus-Kapelle Oberwald
Ulrichen, St.Anna-Kapelle
Ulrichen, St-Anna-Kapelle
Münster im Goms
Münster im Goms
Kirche Münster VS
Kirche Münster


5. Etappe:  Münster - Niederwald - Mühlebach - Ernen
4h30, aufwärts 260m, abwärts 470m, 18.2km

Hinweis: Ab Münster bis Niederwald haben wir jede halbe Wegstunde die Möglichkeit, auf die Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) umzusteigen. Zwischen Niederwald und Ernen keine Abkürzungs- oder Transportmöglichkeit.

Dem Rotten entlang wandern wir von Münster nach Reckingen, wo Mitte 18. Jh. einheimische Altarschnitzer und Orgelbauer und Glockengiesser innert zwei Jahren mit der Marienkirche die Barockperle des Goms aufbauten - und vergassen dabei den ruhenden Pilgerapostel Jakobus nicht. Wir wechseln bei Gluringen die Rottenseite an den Sonnenhang, um zur alleinstehenden Kapelle im Ritzingerfeld zu wallfahrten. Zusammen mit dem fernen Weisshorn (4505 m) ist sie das Fotosujet der gesamten Tour.

Nach Niederwald verlassen wir Rhone und Eisenbahnlinie, um in Mühlebach das Heidenhaus zu finden, in dem Fürstbischof und Kardinal Matthäus Schiner geboren wurde. Er führte die Eidgenossen in die Niederlage bei Marignano, war Mitunterzeichner der Bannbulle gegen Martin Luther, Papabile, Papst- und kaiserlicher Berater. Nach Marignano sassen seine ärgsten Feinde im Wallis und verhinderten seine Rückkehr. Über die drei Säulen des Erner Galgens finden wir zum «schönsten Dorf im Wallis mit grossartigem Dorfplatz und einem der vornehmsten ländlichen Ortsbilder der Schweiz» (Guide artistique de la Suisse aus dem Jahr 2012). Die Mutterkirche des unteren Goms in Ernen birgt einige Schätze,
Links:
Pilgerweg Etappe 5, Münster - Ernen
Münster - Ernen

Kirche Reckingen
Kirche Reckingen
Kapelle Ritzingen
Kapelle Ritzingerfeld, Weisshorn
Wasserkännel Ernen, Alpenpässeweg 2018
Wasserkännel vor Ernen

Ernen
Ernen


6. Etappe: Ernen - Grengiols - Bitsch - Naters - Brig
5h55, aufwärts 340m, abwärts 840m, 22.2km

Ab Grengiols gelangen wir immer wieder innert nützlicher Frist zu einem Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB).

Wir steigen im Erner Wald auf die Wasserleitung Trusera, um dem Autoverkehr ins Binntal auszuweichen. Nach Überquerung der Binna machen wir eine kleine Zusatzschlaufe zur idyllisch gelegenen Jakobskapelle am Albrunweg. Am Schattenhang wandern wir über Grengiols nach Mörel. Weiter gehts vorbei am Kinderfriedhof Zen Hohen Flühen von Bitsch und auf der Roten Meile zur Totenplatte in Naters. Hier wurden die Leichname vom Hinterland am Berg eingesargt, bevor sie vom Pfarrer zur Beerdigung abgeholt wurden.

Hinter der Mauritiuskirche von Naters steht das über 500-jährige Beinhaus, wo uns hinter einem Gitter tausende Totenschädel anstarren und uns mit dem Spruch drohen: „Was ihr seid, das waren wir. Was wir sind, das werdet ihr.“ Der 1339 erwähnte Jakobsaltar in der Mauritiuskirche existiert nicht mehr. Umso lebendiger ist der mehr als 500 Mitglieder zählende Jakobsverein, der jeweils am 25. Juli ein Jakobsfest auf der Belalp organisiert. Der Bäcker verkauft schon mehr als einen Monat zuvor den süssen «Original Jakobskuchen» mit dem feinen Anis-Aroma. Und weil Naters das Dorf mit den meisten päpstlichen Schweizer Gardisten ist, lädt sogar ein Gardemuseum zum Besuch ein.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Rottens, in Brig, wurde schon 1304 ein (Pilger-) Hospiz des hl. Antonius mit Kapelle gestiftet, das bis nach dem Simplon-Tunnelbau das Oberwalliser Spital war. In seinem Umkreis finden wir das von Kaspar Stockalper (1609-1691) gestiftete Frauenkloster der Ursulinen und die Stockalpersche Mittelschule des Kollegiums Spiritus Sanktus mit je einer eindrücklichen Kirche.
Links:
Pilgerweg, Etappe 6 Ernen -
                        Brig
Ernen - Grengiols - Brig

Kapelle Grengiols
Kapelle Grengiols
Bitsch, Zen Hohen
                        Flühen, Wasserfall
Bitsch, Zen Hohen Flühen
Beinhaus Naters
Beinhaus Naters
Blick auf Naters Blick auf Naters
Blick auf Naters und Brig


7. Etappe: Brig - Visp - Raron - Gampel
6h45, aufwärts 340m, abwärts 370m, 26.6km

Zwei geniale Kirchen übereinander
Glis (Eglise = Kirche) ist noch heute die beliebteste Wallfahrtskirche des Oberwallis. Obwohl im Mittelalter zur Pfarrei Naters gehörend, hatte sie Taufrecht, was ein frühchristliches Taufbecken unter der heutigen Wallfahrtskirche bezeugt. Architekt Ruffiner baute das Chor, eine Seitenkapelle für Kardinal Schiners Erzfeind Supersaxo und die sehenswerte «goldene Pforte» als Nordportal. Ruffiner stürzte hier vom Gerüst in den Tod.

Wir verlassen Glis über die mittelalterliche Letzi (Verteidigungsmauer) von Gamsen und wandern auf dem neuen Rhonedamm nach Visp. Der Bahnhof ist heute die Drehscheibe des Walliser Öffentlichen Verkehrs. Auf dem Vispadamm gelangen wir nach Baltschieder und knapp unter dem Bahnhof Ausserberg begeben wir uns auf den alten «Kulturweg» nach St. German und Raron. Besagter Architekt Ruffiner kam um 1500 aus dem benachbarten italienischen «Prismell» hinter dem Monte Rosa, nahm Wohnsitz am Felsfuss in Raron und baute die alte Burgruine in eine gotische Kirche mit Netzgewölbe
Links:
Pilgerweg,
                        Etappe 7: Brig - Visp - Gampel
Brig - Visp - Gampel
Kirche
                        Eyholz, Visp
Kirche Eyholz, Visp
Burgkirche Raron
Burgkirche Raron
Burgkirche Raron
Burgkirche Raron, Rilke-Grab
Kirche Gampel
Kirche Gampel
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8. Etappe: Gampel - Turtmann - Leuk - Varen - Salgesch
5h05, aufwärts 340m, abwärts 400m, 19.6km

Die erste Stunde ab Gampel laufen wir der Rhone entlang. Auf der grossen Brücke von Obergetwing überqueren wir den Rotten und wandern weiter durch die ganze Rhoneebene nach Turtmann. Auf den Kastler oberhalb des Dorfes sind früher die Leute mit Augenleiden gewallfahrtet. Wieder zurück mitten im Tal treffen wir im alten Rhonelauf auf Eisvogel und Bienenfresser – wir sind im Walliser ornithologischen Hotspot angekommen.

Nach abermaligem Queren der Rhone bei der von weitem her sichtbaren Feschelschlucht, gehen wir auf dem alten Kirchweg der Gampjer nach Leuk. Als Erstes treffen wir auf die mächtige barocke Sebastianskapelle am Pestfriedhof. Die Noblen von Leuk waren schon zur reformierten Kirche übergetreten, doch der mächtige und reiche Michael Mageran wollte Landeshauptmann werden und rekonvertierte dazu zum alten Glauben – die Reformation im Wallis war nach hundert Jahren Unsicherheit und Diskussionen erloschen. Im Beinhaus im Untergeschoss der Stefanskirche macht sich der unbestechliche Tod in zwei Wandbildern über den ausschweifenden Klerus und den Adel lustig, beobachtet von über 20 000 stummen Schädeln.

Über die alte Dalabrücke verlassen wir Leuk und durch schöne Weinberge laufen wir in der Rebarena von Salgesch ein, wo die Johanniter-Ritter vierhundert Jahre lang das Zentrums-Hospiz für Pilger und Kranke im Wallis betrieben haben.
Links:
Pilgerweg Etappe 8 Gampel - Salgesch
Gampel - Leuk - Salgesch
Bischofsschloss in Leuk VS
Bischofsschloss Leuk
Kirche Leuk
Kirche Leuk
Beinhaus Leuk
Beinhaus Leuk
Blick auf Varen und ins Oberwallis
Blick zurück auf Varen
Salgesch, Hospiz und
                                Kirche
Kirche und Hospiz Salgesch


9. Etappe: Salgesch - Sierre - St. Léonard
4h20, aufwärts 380m, abwärts 460m, 16.7km

Wir laufen etwas erhöht über der Rhoneebene am Sonnenhang. Wir gelangen jede halbe Stunde an eine Bushaltestelle, ausser der letzten Wegstunde, wo es keine Alternative zum Wandern gibt.

Das mittelalterliche Pilgerzentrum Salgesch ist der letzte deutschsprachige Ort an der Sprachgrenze.

Über den Walliser Röstigraben: Der Rotten wird zu «Le Rhône». Ein riesiger Bergsturz von der Varneralp her hat vor 13’000 Jahren die Resten des damaligen Rhonegletschers überdeckt und der verbleibende Gletscher hat das Material zum heutigen Sierre transportiert. Die Rhone hat sich darin durchgefressen und so entstand das hügelige Sierre. Auf einem dieser Hügel steht heute noch das Kloster Gerunden, dessen erste Kirche im 5. Jh. erbaut wurde.

Mitten im stark zersiedelten Städtchen Sierre grüsst Christophorus an der Eingangsfassade der ehemaligen mittelalterlichen Pfarrkirche Notre-Dame-des-Marais. Im Westen von Sierre steigen wir in den Rebhang. Hinter dem Château Villa – dem Epizentrum von Raclette und Wein im Wallis – begegnen wir der Kapelle St. Ginier, wo schon im 7. Jh. ein Christliches Heiligtum gestanden haben soll. Wir geniessen den Weg durch den Rebhang nach St. Léonard, wo zuhinterst im unterirdischen See eine beleuchtete Muttergottes auf uns wartet. Sind Sie schon auf einem Boot gewallfahrtet?
Links:
Pilgerweg Etappe 9, Salgesch
                        - Sierre - St-Léonard
Salgesch - Sierre - St.Léonard
Kapelle Ollon
                        VS
Wegkapelle in Ollon VS
Notre Dame Géronde, Sierre
Notre Dame Géronde, Sierre
Sierre, Kirche Notre Dame des
                      Marais
Sierre, Notre Dame des Marais
St-Léonard, Lac Souterrain
St. Léonard, unterirdischer See


10. Etappe: St-Léonard - Bramois - Sion
3h, aufwärts 320m, abwärts 320m, 11km

Hinweis: Die kurze Etappe erlaubt einen längeren Aufenthalt in Sion, um das schmucke Bischofsstädtchen zu entdecken.

Vom beliebtesten Walliser Pilgerort in die Bischofsstadt

Wir queren das Rhonetal um in der Schlucht von Bramois zur Einsiedelei von Longeborgne zu gelangen. Die 178 Ex Voto-Tafeln in den Zwillingskapellen des Antonius und der Maria im Fels unter der Einsiedelei zeugen von der anhaltenden Beliebtheit des Wallfahrtsortes. Auf dem Weg zur Hauptstadt Sion/Sitten queren wir wieder das Rhonetal. Die markanten Hügel, die teilweise schon während der Steinzeit besiedelt waren, sind die Wahrzeichen der Stadt.

Die Bischofsstadt Sion bietet sakrale Besonderheiten, die einen längeren Aufenthalt lohnen. Im linken Seitenaltar der düsteren Kathedrale Notre Dame du Glarier finden wir Jakobus den Älteren und im Hochaltar den Pilgerheiligen Rochus als eine Nebenfigur. In der Krypta, die 1985 freigelegt wurde, steht ein Jakobusaltar. Gleich nebenan steht die Theodulskirche der deutschsprachigen Pfarrei auf einer ehemaligen römischen Therme. Draussen an der Fassade tragen zwei kleine Teufel in Stein eine Glocke, die sie anlässlich einer Wette mit Bischof Thedoul, dem ersten Walliser Bischof, von Rom nach Sion tragen mussten. Die Kirche hat keinen richtigen Turm, weil dem Auftraggeber Kardinal und Fürstbischof Matthäus Schiner nach seiner Niederlage mit den Eidgenossen in Marignano das Geld für sein Mausoleum ausgegangen ist. In der Festungskirche Valeria auf dem Stadthügel treffen wir auf die älteste spielbare Orgel in einem „Schwalbennest“. Und schliesslich lesen wir auf einer römischen Steintafel im Eingangsbereich des Renaissance-Rathauses das erste Zeichen christlichen Glaubens in der Schweiz.

Links:
Pilgerweg,
                        Etappe 10 St.Léonard - Bramois - Sion
St-Léonard - Bramois - Sion
Einsiedeli Bramois
Einsiedelei Longeborgne, Bramois
Ex-Voto-Bilder in der Wahlfahrtskirche
                      Longeborgne
Ex-Voto-Tafeln der Einsiedelei
Kapelle Molignon
                        zwischen St-Léonard und Sion
Kapelle von Molignon
Kathedrale von Sion
Kathedrale von Sion
Sion, Valeria
Sion, Festungskirche Valeria


11. Etappe: Sion - Vétroz - Ardon - Saillon
5h30, aufwärts 600m, abwärts 610m, 21.4km

Hinweis: Die kurze Etappe erlaubt einen längeren Aufenthalt in Sion, um das schmucke Bischofsstädtchen zu entdecken.

Beim Verlassen von Sion werfen wir einen Blick auf ein viereinhalb Tausend Jahre altes Grabmal hinter dem Schulhaus an der Rue-du-Petit-Chasseur. Auf dieser Etappe bewegen wir uns meistens auf dem Walliser Weinweg «Chemin du Vignoble".

Beim Überschreiten der Morge wird uns gewahr, dass das Gebiet unterhalb dieses Nebenflusses während dreihundert Jahren Untertanengebiet des Oberwallis war, analog zum Waadtland bei den Bernern. In St. Pierre de Clages (aus Claves = Schlüssel, wurde Clages; womit die Himmelsschlüssel des heiligen Petrus gemeint sind) finden wir eine archaisch anmutende, dreischiffige romanisch-karolingische Kirche mit achteckigem Turm. Am Eingang der Thermalbade-Destination Saillon begegnen wir - wie in manchem anderen Thermalquellen-Ort - dem hl. Laurentius mit dem Feuerrost, auf dem er sein Martyrium fand. Eine heisse Sache ... Uns interessiert jedoch das kleine schmucke Mittelalterdorf auf dem Hügel, in dem Pilger im Jakobshospiz Schutz vor Räubern und Naturgefahren fanden. Der Strassenzug, der den alten Dorfkern von Saillon nach Westen öffnet, nennt sich denn auch Rue St. Jacques. Und weiter oben am Berg steht der kleinste Rebberg der Welt, der dem Dalai Lama gehört. Der Verkauf des Weines – natürlich mit Spitzenwein aus der Region auf jährlich 1000 Flaschen «gestreckt», kommt Kinderhilfswerken zugute.
Links:
Pilgerweg Etappe 11: Sion -
                        Saillon
Sion - Ardon - Saillon
Sion: Theodulskirche
Sion: Theodulskirche
Kirche Ardon
Kirche Ardon
der Turm von Saillon in
                          Sicht
Saillon, Rhonetal

Saillon, St-Laurent
St-Laurent, Saillon
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12. Etappe: Saillon - Saxon - Fully - Martigny
4h10, aufwärts 340m, abwärts 390m, 16.1km

Beim Verlassen von Sion werfen wir einen Blick auf ein viereinhalb Tausend Jahre altes Grabmal hinter dem Schulhaus an der Rue-du-Petit-Chasseur. Auf dieser Etappe bewegen wir uns meistens auf dem Walliser Weinweg «Chemin du Vignoble No. 36». Beim Überschreiten der Morge wird uns gewahr, dass das Gebiet unterhalb dieses Nebenflusses während dreihundert Jahren Untertanengebiet des Oberwallis war, analog zum Waadtland bei den Bernern. In St. Pierre de Clages (aus Claves = Schlüssel, wurde Clages; womit die Himmelsschlüssel des heiligen Petrus gemeint sind) finden wir eine archaisch anmutende, dreischiffige romanisch-karolingische Kirche mit achteckigem Turm. Am Eingang der Thermalbade-Destination Saillon begegnen wir - wie in manchem anderen Thermalquellen-Ort - dem hl. Laurentius mit dem Feuerrost, auf dem er sein Martyrium fand. Eine heisse Sache ... Uns interessiert jedoch das kleine schmucke Mittelalterdorf auf dem Hügel, in dem Pilger im Jakobshospiz Schutz vor Räubern und Naturgefahren fanden. Der Strassenzug, der den alten Dorfkern von Saillon nach Westen öffnet, nennt sich denn auch Rue St. Jacques. Und weiter oben am Berg steht der kleinste Rebberg der Welt, der dem Dalai Lama gehört. Der Verkauf des Weines – natürlich mit Spitzenwein aus der Region auf jährlich 1000 Flaschen «gestreckt», kommt Kinderhilfswerken zugute.

Links:
Pilgerweg Etappe 12:
                        Saillon - Martign
Saillon - Saxon - Martigny
Saxon, Mauritiuskirche
Saxon, Mauritiuskirche
Kirche in Fully
Kirche Fully
La
                        Batiaz, Martigny
La Batiaz bei Martigny
Kirche
                                        Martigny
Kirche Martigny

13. Etappe:  Martigny - Vérolliez - St-Maurice
4h10, aufwärts 240m, abwärts 300m, 16.7km

Hinweis: Eine Schlucht und ein Wasserfall sind die Natur-Höhepunkte auf der Wanderung.
Planen Sie genug Zeit ein, um die Klosterkirche, die archäologischen Stätten und den Klosterschatz mit dem Audio-Guide zu entdecken.

Die Kapelle unter dem Burghügel von Martigny ist die eigentliche Wallfahrtsstätte im Ort am Fusse des Grossen St. Bernhard. Wir treffen auf den Pilgerweg der ViaFrancigena von Canterbury nach Rom und werfen einen Blick in die sehenswerte Trientschlucht. Kurz darauf stossen wir auf das Rinnsal «Pisse Vache». Bevor das Wasser im Lac de Salanfe zur Stromproduktion gestaut wurde, war der Wasserfall die grösste Touristenattraktion im Wallis.

Als erste Stätte des hl. Mauritius gelangen wir zum Märtyrerplatz Vérolliez mit einer schlichten Kapelle. Dort wurden die Söldner der ägyptischen Legion aus Theben unter dem Kommando von Mauritius dezimiert, weil sie ihre christlichen Brüder nicht verfolgen mochten.

Besuch der Märtyrerstätte, der Grabstätte und des Museums als Finale:
Fünf Glasstelen führen uns ins Städtchen St-Maurice, wo wir in der Nähe der Jakobuskapelle und dem Jakobushospiz zur Sigismundskirche geleitet werden. Sigismund war der Burgunderkönig, der das Kloster im Jahr 515 derart ausbaute und organisierte, dass die Laus Perennis, das ewige Loblied der Chorherren, seither täglich gesprochen und gesungen wird. Mehr als 1500 Jahre! Zum krönenden Abschluss der zweiwöchigen Pilgerreise besuchen wir (unbedingt mit Audio-Guide) die Abteikirche von St. Maurice. Sie wurde mehrmals auf- und umgebaut, was an den überdachten Ausgrabungsstätten sehr anschaulich nachvollzogen werden kann. Auch das Grab von Mauritius ist dort zu sehen. Durch einen Katakombengang gelangen wir ins neu eingerichtete Museum des Abteischatzes. Die Reliquienschreine und die Geschenke, die Päpste, Kaiser und Könige beim Besuch des Grabes des hl. Mauritius mitgebracht haben, sind das Wertvollste, was das Wallis hat.

Links:
Pilgerweg
                        Etappe 13: Martigny - St-Maurice
Martigny - St-Maurice
Kapelle
                        von Vérolliez
Vérolliez
Kloster St-Maurice Kreuzgang
Kreuzgang Kloster St-Maurice
Pilgerweg, Grab St.Mauritius,
                      St-Maurice
St-Maurice: Grab von Mauritius
Klosterkirche St-Maurice
Klosterkirche St-Maurice


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Alte Kulturwege durch die Schweiz



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